Stand: 03.02.2013 12:22 Uhr  | Archiv

Highspeed-Internet: Selbst ist der User

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In Nordfriesland organisieren die Bürger den Internetausbau selbst.

Im Netz surfen, Bilder versenden, soziale Netzwerke pflegen oder Reisen buchen - ohne Internet geht im Alltag bei vielen Schleswig-Holsteinern fast gar nichts mehr. Auch Firmen und Behörden brauchen das schnelle Internet, um effizient arbeiten zu können. Doch in vielen ländlichen Regionen gibt es noch keine flächendeckende Breitbandversorgung, da sie außerhalb der Ballungsräume für die Telekommunikationsunternehmen bisher als wenig lukrativ gilt. Deshalb organisieren Bürger den Internet-Ausbau jetzt selbst. In Nordfriesland schlossen sich einige Kommunen zusammen, um ein Breitbandnetz zu finanzieren. Ihr Ziel: der flächendeckende Ausbau eines Glasfaserkabelnetzes, sodass die dünn besiedelte Region eine Internetversorgung mit 50 Megabit pro Sekunde erhält.

Breitband auf eigene Rechnung

Das bislang bundesweit einmalige Pilotprojekt startet im 700-Einwohner-Dorf Löwenstedt. Jeder Anschlusswillige zahlt 1.000 Euro in die neu gegründete Bürger-Breitband-Netzgesellschaft (BBNG) ein - und wird damit selbst zum Miteigentümer des Glasfasernetzes. Zuschüsse gibt es nicht. "Wir brauchen das Geld, um unser Eigenkapital aufzustocken", sagte BBNG-Geschäfstführerin Ute Gabriel-Boucsein dem Schleswig-Holstein Magazin. Erst dann könne man zu den Banken gehen und die Finanzierung des Netzes besprechen. Da der Netzausbau in Löwenstedt etwa 900.000 Euro kostet, müssen 160 der insgesamt 235 Haushalte mitmachen. Neben der Investition von 1.000 Euro kommen noch 200 Euro Anschlussgebühr und monatliche Kosten von 42,90 für den Breitband-Anschluss hinzu.

Schmalspur-DSL die Regel im Dorf

Bis zum 15. Februar müssen sich die Bürger entscheiden, ob sie den Providervertrag mit der TNG Stadtnetz GmbH aus Kiel unterschreiben. "Es ist im Moment die kostengünstigste Alternative, da die Telekom hier noch nichts gemacht hat. Zurzeit haben wir DSL 1.000. Das ist gerade mal etwas schneller als ISDN", meinte Dieter Reimers. Auch Holger Jensen will ein schnelles Internet. "Wir brauchen es, um unsere Kälber anzumelden, den Wetterbericht zu verfolgen - aber auch, um privat zu surfen", sagte der Landwirt.

Geplant: 1.600 Kilometer Glasfaserkabel in Nordfriesland

Löwenstedts Bürgermeister Peter Thoröe ist zuversichtlich, dass genügend Haushalte mitmachen: "Ich bin davon fest überzeugt, dass die Quote sogar deutlich höher liegen wird." Wird die vorgegebene Anschlussquote erreicht, könnten die Arbeiten in der Pilotgemeinde im Frühjahr beginnen. In den kommenden Jahren will die Bürgergesellschaft rund 1.600 Kilometer Glasfaserkabel in Nordfriesland verlegen, dafür 70 Millionen Euro investieren. "Wir geben dieses Geld aber nur aus, wenn wir die Anschlussqouten zusammenbekommen", erklärte BBNG-Geschäfstführerin Gabriel-Boucsein. Läuft alles nach Plan, dann sollen die Orte Norstedt, Olderup, Arlewatt, Horstedt und Schobüll ein schnelles Internet bekommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 02.02.2013 | 19:30 Uhr