Stand: 27.01.2016 14:04 Uhr

Heides Kirchenglocke läutet und läutet

von Peter Bartelt
Nach etwa einer Stunde steht die Glocke der Auferstehungskirche wieder still.

Mitternacht in Heide. Die Glocke der Auferstehungskirche tut auch in der Nacht auf Mittwoch, was sie um diese Zeit tun soll. Sie schlägt zwölf Mal. Dann ist aber nicht Schluss. Die Glocke läutet 13, 14, 15 Mal. Schließlich läutet sie Sturm, hört gar nicht wieder auf. Den Anwohnern klingeln die Ohren. Bei der Polizei gehen Anrufe ein. Häufigste Frage: Ist denn nun schon wieder Weihnachten? Nein, versichern die Beamten und rufen die Pastorin an, die zur Kirche eilt. Es bimmelt weiter in Dithmarschens Kreisstadt - und wird noch schlimmer. Der Schlüssel der Pastorin passt nicht. Da fällt es ihr siedend heiß wieder ein: Das Schloss ist ganz neu, am Nachmittag gerade ausgetauscht vom Küster, wegen eines abgebrochenen Schlüssels. Einen neuen Schlüssel hat die Pastorin noch nicht. Also: Anruf beim Küster.

Verzweiflung in Heides Schlafzimmern

Über das Handy ist der Küster nicht zu erreichen. Nach einer Sitzung am Abend ist es stumm geschaltet. Der Mann hatte vergessen, den Ton wieder anzustellen. Der Anruf der Pastorin landet also im Nichts. Die Glocken läuten weiter. Die ersten Gemeindemitglieder spielen mit dem Gedanken, sich zum Gebet zu versammeln. Man kann ja nie wissen. In Heides Schlafzimmern beten die meisten wohl nur noch darum, endlich von diesem Gebimmel in Ruhe gelassen zu werden. Nur der Küster und sein Schlüssel können helfen - die Türklingel ist glücklicherweise nicht auf stumm geschaltet. Der Mann wacht auf, übergibt den neuen Schlüssel. Dieser öffnet alle Türen der Auferstehungskirche. Die Sicherung der Glocken wird rausgedreht.

Gegen 1 Uhr schweigen die Glocken über Heide. Eine göttliche Ruhe - die wohl ein technischer Defekt gestört hat. Soweit die irdische Erklärung. Vielleicht war es aber auch Gottes Wille.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.01.2016 | 12:00 Uhr