Stand: 25.12.2015 14:15 Uhr

Habeck will Bauern auf ganz neue Wege führen

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Minister Robert Habeck sagt: "Die Landwirte machen mit jedem Ferkel, das gemästet wird, Verlust."

Wie ist das Höfesterben in Schleswig-Holstein aufzuhalten? Ist es überhaupt zu stoppen? Landwirtschaftsminister Robert Habeck meint: ja. Allerdings, so der Grünen-Politiker, dürften Bauern nicht einfach weiter ackern wie bisher. Aus seiner Sicht ist ein Umdenken nötig. "Unsere Landwirte machen nach den Spielregeln, die ihnen auferlegt wurden, alles richtig", sagte Habeck. "Sie sind top ausgebildet, haben investiert - und machen trotzdem Verlust mit jedem Liter Milch, den sie melken, und mit jedem Ferkel, das gemästet wird." Der Weg der Landwirte, so Habeck, müsse wegführen von der reinen Kalorienproduktion nach dem Motto: Immer mehr und immer intensiver. Weg von einer reinen Exportstrategie und weg von der Auffassung, über Wachstum mit niedrigen Preisen konkurrieren zu wollen.

Jährlich 1,7 Prozent der Betriebe schmeißen hin

Die permanente Intensivierung der Produktion heize den Preisverfall doch gerade an und drohe die hiesigen Landwirte zu ruinieren, sagte Habeck kurz vor dem Jahresende. "Die Preise bilden sich an den Agrarbörsen und hängen ab von Faktoren, die mit den hiesigen Landwirten nichts zu tun haben." In den vergangenen Jahren mussten im Norden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes durchschnittlich jeweils knapp 1,7 Prozent der Agrarbetriebe aufgeben. "Ich befürchte, dass sich diese Zahl 2016 deutlich erhöhen wird, zumindest bei den Milchbauern", sagte der Minister.

Gibt es bald Geld für "Pfleger der Kulturlandschaft"?

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Habeck will zunehmend Maßnahmen fördern, die sich allein am Markt nicht rechnen.

Habecks Lösung? Neben der Funktion als "unverzichtbare Lebensmittelproduzenten" sollten Landwirte zunehmend als Tier- und Gewässerschützer, Pfleger der Kulturlandschaft oder Dienstleister für Infrastrukturen im ländlichen Raum wahrgenommen - und auch dafür entlohnt werden. Erste Schritte in diese Richtung habe Schleswig-Holstein mit der Neuaufstellung der EU-Förderprogramme 2015 gemacht. Damit würden Maßnahmen gefördert, die sich allein am Markt nicht rechnen, sagte Habeck und zählte auf: "Wir vergüten Weidegang von Kühen. Wir zahlen Investitionszuschüsse, wenn Rinder und Schweine mehr Platz in den Ställen haben. Wir fördern den Anbau heimischer Eiweißpflanzen, um Importe von Soja aus Südamerika zu verringern."

Habeck sieht Lösung perspektivisch auf EU-Ebene

Das könne aber erst ein Anfang sein, sagte Habeck. Perspektivisch gehe es darum, die europäische Förderpolitik viel stärker entsprechend auszurichten. "Wir sollten schrittweise davon wegkommen, Bodenbesitzer vor allem für das Vorhalten von Fläche zu bezahlen. Das geht aber nur, wenn in der Landwirtschaft ein Umdenken einsetzt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.12.2015 | 15:00 Uhr