Stand: 13.11.2017 17:30 Uhr

Gutachter: Bleibende Schäden nach Wedeler Ascheregen

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Gutachter Thomas Schumacher-Marx fotografiert einen Schaden an der Heckscheibe eines Autos.

Viele, die in Wedel in der Nähe eines der ältesten Kohlekraftwerke Deutschlands wohnen, sind mittlerweile ziemlich entnervt. Seit vergangenem Jahr beschweren sich Anwohner - wie zum Beispiel am Wedeler Elbhochufer - über Schmutzpartikel aus dem Schornstein nebenan. Zum einen haben sie Angst vor einer möglichen Gesundheitsgefahr, dazu läuft aktuell eine vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium veranlasste Untersuchung.

Zum anderen geht es um Schäden: zum Beispiel auf Autos, verursacht durch die Partikel aus dem Kraftwerk, wie die Anwohner sagen. Kraftwerksbetreiber Vattenfall bestreiten das. Das Schleswig-Holstein Magazin hat den KfZ-Sachverständigen Thomas Schumacher-Marx gebeten, ein Auto beispielhaft zu begutachten.

Ein Gutachter schaut sich Lackschäden an einem Auto an. © NDR

Streit über Schäden nach Partikelausstoß

Schleswig-Holstein Magazin -

Anwohner, Betreiber und Aufsichtsbehörde streiten über Partikel, die aus dem Kohlekraftwerk in Wedel stammen. Der Ascheregen soll bleibende Schäden an Autos verursachen.

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Experte: Schäden am Pkw liegen bei 6.000 Euro

Schumacher-Marx untersuchte ein Fahrzeug mit einem Glasdach und kam zu der Einschätzung, dass die sichtbaren Stellen nicht einfach nur wegzupolieren sind. Das gehe nicht. Die Schäden auf dem Glasdach, der Motorhaube, dem Dach und der Heckklappe summieren sich zu einem Schaden von "um und bei 6.000 Euro".

Der Kraftwerksbetreiber: keine bleibenden Schäden

Schäden wie diese haben Anwohner seit dem vergangenen Jahr immer wieder fotografiert. Diese Fotos liegen auch der Aufsichtsbehörde und dem Kraftwerksbetreiber vor. Vattenfall hat nach Recherchen des Schleswig-Holstein Magazins bereits Schäden in Höhe von mehreren zehntausend Euro reguliert. Allerdings nur aus Kulanz, wie man dem Schleswig-Holstein Magazin erklärt. Denn bleibende Schäden durch die Partikel seien bisher nicht festgestellt worden, so eine Unternehmenssprecherin.

Im Übrigen gelte, was Konzernchef Pieter Wasmuth im Oktober dazu sagte: "Erstens ist wichtig, dass diese Partikel Anhaftungen - wenn überhaupt - darstellen und keine sozusagen Verätzungen oder etwas in der Form. Und dass sie auch nach allen gutachterlichen Meinungen rückstandslos zu beseitigen sind, zum Beispiel bei Autos durch Polieren und auch durch Reinigen."

Aufsichtsbehörde: keine Ätzschäden

Die Aufsichtsbehörde des Umweltministeriums erklärte Ende Oktober: "In der Vergangenheit beobachtete Veränderungen auf Autolacken und Glasdächern stellen auch keine Ätzschäden dar, sondern Anhaftungen von Partikeln."

Das sieht Gutachter Schumacher-Marx anders: "Das werden Sie überhaupt nicht wegbekommen. Sie werden es auch durch eine Politur nicht wegbekommen, weil diese Verätzung durch den Klarlack bis auf den Grundlack durchgedrungen ist. Wenn Sie jetzt den Klarlack runterpolieren wollen, dann ist er weg."

Mehrere Gutachter sehen tiefe Lackschäden

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Laut Gutachter sind die sichtbaren Stellen an diesem Auto nicht einfach nur weg zu polieren.

Dem Schleswig-Holstein Magazin liegen weitere aktuelle Gutachten vor. Immer wieder heißt es, Lack sei durch Verätzungen irreparabel beschädigt, durch mehrere Lackschichten hindurch. Die geschätzten Reparaturkosten liegen zwischen 1.600 und 7.000 Euro. Die Gutachten beschreiben nur die Schäden - einen Verursacher nennen sie nicht.

Anwohner hoffen

Die betroffenen Anwohner hoffen, dass die Gutachten Beweis genug dafür sind, dass Kraftwerksbetreiber Vattenfall gegen die geltende Anordnung der Aufsichtsbehörde verstößt, wonach die Partikel keine bleibenden Schäden verursachen dürfen. Demnach müssen sie sich mit handelsüblichen Reinigungsmitteln rückstandsfrei entfernen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.11.2017 | 19:30 Uhr

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