Stand: 15.08.2017 11:02 Uhr

Guillotine und Nutella: Das Mausefallen-Museum

Von André Klohn

Nicht mit Käse, nicht mit Speck fängt man Mäuse. Süß sollte der Lockstoff sein. "Kaufen Sie sich normale Schlagbügelfallen im Baumarkt und füttern sie diese mit Nutella an", rät Karl von Puttkamer. Der Museumsdirektor aus Gnutz im Kreis Rendsburg-Eckernförde hat ein Faible für Mausefallen. In seinem Heimatmuseum präsentiert der 73-Jährige mehr als 100 historische und zeitgemäße Mausefallen. Er weiß aus Erfahrung, viel hilft bei der Mäusejagd auch viel. "Wenn nur eine Falle da steht, machen die Mäuse einen Bogen darum. Denn sie wissen: In freier Wildbahn kommt Nutella nicht vor." Ebenfalls gut funktioniere Erdnussbutter - aber am besten auch in mehreren Fallen.

"Testosteronsklaven" in der Mausefalle

"Es gab keinen Flohmarkt, wo ich nicht war"

Vor 16 Jahren eröffnete Puttkamer im Dachgeschoss seines Bauernhofs sein "Museum für den ländlichen Raum im weitesten Sinne". Das Haus stammt aus dem Jahr 1840, der Stall wurde 1910 angebaut. Tausende Exponate hat der Norddeutsche zusammengetragen und dort ausgestellt - von alten Landwirtschaftsgeräten über Möbel bis hin zu ersten Waschmaschinen. 1.000, 2.000? Wie viele es genau sind, weiß der Hausherr nicht. "Ich bin von der Natur her immer Sammler gewesen", sagt der pensionierte Realschulrektor. "Es gab zeitweilig keinen Flohmarkt, wo ich nicht war." Mehrere zehntausend Euro hat er dabei in Ausstellungsgegenstände investiert.

Puttkamer: Schadenfreude ist die schönste

Doch schnell stellte der Museumsdirektor fest, dass seine Besucher viel Zeit bei einem räumlich eher kleinen Teil der Ausstellung verbrachten - der Sammlung von Mausefallen. "Man kann da Schadenfreude leben", sagt Puttkamer. "Wir werden alle verkehrt erzogen, man nimmt uns einen wichtigen Charakterzug weg: Lach' nicht über andere, Du willst ja auch nicht, dass man über Dich lacht." Dabei sei die Schadenfreude doch die schönste von allen.

Museumsführung mit Wortwitz und Ironie

Zu einer Museumsführung gehört bei ihm deshalb immer eine Demonstration der Mausefallen - von Sprengfallen über Lebendfallen bis zur Mäuseguillotine. "Dabei können die Leute erleben, wie es kracht und knallt und Gefühle rauslassen, die sonst nicht mehr rausgelassen werden dürfen", glaubt Puttkamer den Grund für die Faszination für dieses Thema gefunden zu haben. Makaber? Natürlich. Oft erlebe er, wie sich Besucher auf die Schenkel klopften. "Es herrscht Freude, wenn jemand zu Tode kommt. Das darf man sonst ja nicht." Mit viel Wortwitz und Ironie führt der ehemalige Pädagoge die alten Mausefallen vor.

Die männliche Maus als "Testosteronsklave"

Mäuse hätten einen sehr sensiblen Geruchssinn. Mäuseriche gingen vorzugsweise dorthin, wo es nach weiblichen Artgenossen rieche, sagt Puttkamer mit einem zwinkernden Auge und zeigt eine irische Würgefalle mit sechs Eingängen. "Auch da sind die Männchen Testosteronsklaven." Das sei nicht anders als beim Menschen.

"Mir geht es dabei aber nicht um das Töten an sich, sondern mich faszinieren die dahinter steckenden Ideen", sagt Puttkamer. Dazu zählt die Sprungfederfalle. Sie zerquetscht die geköderte Maus und bietet einen praktischen "Spritzschutz" an den Seiten. Die Zahl der unterschiedlichen Wirkungsmechanismen sei gar nicht so hoch. "Da fällt oder knallt es." Es gebe aber zig Variationen.

Klebstoff aus China - Fallbeil als Eigenkonstruktion

Die älteste Jagdtechnik im Museum ist eine Klotzfalle, bei der ein Hartholzklotz die Tiere nach Fressen des Köders erschlägt. "Die Idee ist hunderte von Jahren alt", sagt Puttkamer. Seine neuesten Fallen stammen aus China und arbeiten mit Klebstoff. "Da werden die Mäuse dazu verlockt, auf eine aus Leim bestehende Oberfläche zu laufen. Dort kleben sie dann fest mit ihren Pfoten."

Gleich eine ganze Mäusefamilie fasst der Wassertank der Bender'schen Wasserfalle. Der Hersteller garantiere Platz für 18 Mäuse, sagt Puttkamer. "Leider hat er vergessen, ein Zählwerk anzubringen." Nicht ganz ernst gemeint ist seine selbstgebaute Guillotine samt 1.147 Gramm schwerem Fallbeil. Den Tötungsmechanismus löst das Tier aus, indem es am Fleisch zieht, das an einem Haken hängt. "Dadurch wird das Falleisen ausgelöst und sie ist dekapitiert - enthauptet", sagt Puttkamer.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.04.2017 | 19:30 Uhr

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