Stand: 24.02.2016 19:37 Uhr

Größter Zeitungsverlag des Landes verkauft

Für viele Schleswig-Holsteiner sind sie täglich mit dabei - als Lektüre morgens beim Frühstück: 200.000 Zeitungen druckt der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) nach eigenen Angaben. Mit 21 Titeln wie dem "Flensburger Tageblatt", den "Husumer Nachrichten", der "Landeszeitung" oder dem "Pinneberger Tageblatt" ist der Verlag aus Flensburg fast im ganzen Land vertreten. Jetzt will die deutlich kleinere "Neue Osnabrücker Zeitung" aus Niedersachen den größten Zeitungsverlag in Schleswig-Holstein übernehmen.

1.500 Mitarbeiter im Norden

Zum Verkauf steht das Mutterhaus der Verlagsgruppe, die medien holding:nord (mh:n). Dazu gehören neben den Tageszeitungen auch diverse Anzeigenblätter, Magazine und Webseiten. Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen auch in Mecklenburg-Vorpommern als großer Akteur aktiv - die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten gehören seitdem zu den Flensburgern. 1.500 Menschen arbeiten für den Verlag - trotz der Medienkrise profitabel. Die Medienholding ist außerdem an Zustellgesellschaften und privaten Radiosendern beteiligt.

Warum wollen die Eigentümer verkaufen?

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Zur medien holding:nord gehört der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag mit seinen 21 Tageszeitungen aus Schleswig-Holstein.

Gerüchte, dass ein Verkauf bevorstehen könnte, gab es schon länger. Dennoch kommt die Nachricht am Donnerstag für Betriebsrat und Belegschaft des Verlages überraschend: "Der Wettbewerb wird schärfer. Die Eigentümer haben deshalb wohl schon länger versucht, ihre Anteile abzustoßen, bevor sie an Wert verlieren", sagte Günther Jesumann vom Deutschen Journalistenverband (DJV) in Schleswig-Holstein. Jetzt habe sich offenbar durch die Neue Osnabrücker Zeitung eine günstige Gelegenheit ergeben. "Denn gemeinsam mit einem etwa gleichgroßen Partner ohne geografische Überschneidungen hat man mehr Gewicht im Markt."

Gerwerkschaft warnt vor Medienkonzentration

Was bedeutet die Übernahmen für die Mitarbeiter? Die Pressestelle der NOZ Medien betonte, dass die Mitarbeiter ihren Job behalten sollen. "Mittelfristig müssen wir abwarten, welche Pläne verwirklicht werden sollen", sagt Jesumann. In der offiziellen Stellungnahme wird die Journalistengewerkschaft deutlicher: "Wenn das Kartellamt dem Verkauf zustimmt, kommt es zu einer weiteren Medienkonzentration in Deutschland", warnten die Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. "Damit droht der Verlust der regionalen Eigenverantwortung der Zeitungen."

KN und LN gehören zur Madsack-Gruppe

Der SPD-Medienpolitiker Peter Eichstädt äußerte die Hoffnung, dass die sh:z-Blätter redaktionell eigenständig bleiben. "In den letzten Jahren hat es durch Fusionen schon eine erhebliche Verringerung der Medienvielfalt bei den Zeitungen gegeben", sagte der Landtagsabgeordnete. Wenn das Kartellamt die mh:n-Übernahme genehmigt, gehören die rund 30 Tageszeitungen im Land letztlich nur drei großen Verlagshäusern, die allesamt nicht mehr in Schleswig-Holstein angesiedelt sind. Die Madsack-Gruppe aus Hannover hält 49 Prozent an den "Kieler Nachrichten" und die Mehrheit an den "Lübecker Nachrichten". Beide Blätter mussten in den vergangenen Jahren massiv Kosten und Personal einsparen. Proteste dagegen blieben erfolglos. Unabhängig sind mittlerweile nur noch die "Dithmarscher Landeszeitung" und die deutsch-dänische Zeitung "Flensborg Avis".

Verlag erwirtschaftete bis zuletzt Gewinn

Eigentümer der Flensburger Medienholding sind bisher 31 Privatpersonen, Verlage, Erbengemeinschaften und Beteiligungsgesellschaften. 2014 erwirtschaftete der Konzern noch einen Überschuss von 17,4 Millionen Euro und schüttete 7,6 Millionen Euro Dividende an die Eigentümer aus. Was die für die Verkauf ihrer Anteile an die NOZ Medien erhalten, ist nicht bekannt.

Zeitungen der medien holding:nord

Schleswig-Holstein: Sylter Rundschau, Nordfriesland Tageblatt, Husumer Nachrichten, Insel Bote, Flensburger Tageblatt, Schleswiger Nachrichten, Schlei Bote, Eckernförder Zeitung, Landeszeitung, Holsteiner Courier, Norddeutsche Rundschau, Glückstädter Fortuna, Wilstersche Zeitung, Ostholsteiner Anzeiger, Stormarner Tageblatt, Elmshorner Nachrichten, Pinneberger Tageblatt, Wedel-Schulauer Tageblatt, Barmstedter Zeitung, Quickborner Tageblatt, Schenefelder Tageblatt

Mecklenburg-Vorpommern: Schweriner Volkszeitung, Der Prignitzer, Norddeutsche Neueste Nachrichten

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.02.2016 | 22:00 Uhr