Stand: 01.09.2017 17:32 Uhr

"Gläserne" Meierei: 1,35 Euro pro Liter Milch

Der Milchpreis ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Schleswig-Holstein warnt jedoch davor, sich auf der Erholung des Marktes auszuruhen. In den vergangenen zwei Jahren habe sich auf eine für die Milchbauern dramatische Weise gezeigt, dass die bisherigen Kriseninstrumente private Lagerhaltung und Intervention keine durchschlagenden Lösungen bei Marktverwerfungen sein könnten, warnt BDM-Landesteamleiterin Kirsten Wosnitza. Die Milchkrise ist für viele Bauern zur Existenzkrise geworden. In Bergenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg) stand vor fünf Jahren auch Matthias Koberg vor der Frage: mehr Kühe anschaffen oder ganz aufhören? Dann kam seine Frau ins Spiel.

Sie wollten mehr Geld - und nicht mehr Milch

Silke Koberg-Bendixen hatte schon länger davon geträumt, auf dem heimischen Hof eine eigene, kleine Meierei zu betreiben. Dann kam die Milchkrise. Was tun mit 200 Kühen und 1,2 Millionen Litern Milch pro Jahr? Koberg und seine Frau entschieden sich, dem Familienbetrieb in fünfter Generation eine Wendung zu geben. Sie kämpften um Förderungen und Genehmigungen, besuchten Lehrgänge, um Milch verarbeiten zu dürfen. Dann bauten sie die Mini-Molkerei, investierten unter anderem in Milchtank, Froster und Eismaschine. "Wir hätten die Herde auch verdoppeln können", berichtet Koberg. Sie wollten jedoch nicht mehr Milch produzieren, sie wollten stattdessen einen besseren Preis erzielen.

"Man muss zeigen, dass man Qualität hat"

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Silke Koberg-Bendixen sagt: "Wir können zeigen, wo unsere Milch herkommt."

Neben dem Investitionsrisiko müsse man große Leidenschaft und Ausdauer mitbringen, um so ein Projekt wie das der Meierei ans Ende zu bringen, sagt Koberg-Bendixen. "Der Markt ist eigentlich ausgefüllt. Man muss dann zeigen, dass man auch eine Qualität hat", erklärt Koberg-Bendixen, die die Molkerei leitet. In der nach eigenen Angaben modernsten Meierei Schleswig-Holsteins mit eingetragener EU-Zulassung funktioniert das so: Ihre zehn Mitarbeiter und sie, berichtet Koberg-Bendixen, "können zeigen, wo die Milch herkommt, von welchen Kühen, wie das Futter aussieht". Es solle alles nachverfolgbar sein, "wie eine gläserne Meierei".

Inzwischen werden 1.200 Kunden beliefert

Inzwischen verarbeitet die Frau von Matthias Koberg 170.000 Liter der insgesamt 1,2 Millionen Liter hofeigener Milch pro Jahr. Es gibt Milchgetränke, Käse, Eis oder Joghurt. Durch Flyer, Messen und Märkte laufe das Geschäft, berichtet die Leiterin. Inzwischen beliefere man 1.200 Kunden, so Koberg-Bendixen. Statt Supermarkt-Preisen von unter 1 Euro zahlen die Kunden der Mini-Meierei 1,35 Euro pro Liter Milch. "Weil wir die Kühe auf der Koppel sehen und wissen, woher die Milch kommt", berichtet eine Kundin. Vier Jahre habe es gedauert, um sich auf dem Markt zu etablieren, sagt Silke Koberg-Bendixen: "Es ist befreiend und erleichternd. Ein gutes Gefühl, dass man doch das Richtige getan hat damals."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.09.2017 | 19:30 Uhr

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