Stand: 04.03.2016 13:17 Uhr

Gericht spricht Vater von Missbrauchsvorwurf frei

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Der angeklagte Vater verließ das Landgericht Kiel als freier Mann.

Paukenschlag im Missbrauchsprozess gegen einen 39 Jahre alten Familienvater. Der Mann wurde am Freitag vom Kieler Landgericht vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner drei Töchter freigesprochen. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters gab es in den Aussagen der Mädchen "in ungewöhnlichem Maße Ergänzungen, Widersprüche und Ungereimtheiten". Das Gericht habe "selten erlebt, dass Aussagen so durcheinander waren. Die Unstimmigkeiten ließen sich nicht ausräumen." Die Staatsanwältin hatte zuvor fünf Jahre Gefängnis für den Angeklagten beantragt. Sie hielt vier der acht Fälle, die sich laut Anklage zwischen 2011 und 2014 in Rendsburg und Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ereignet haben sollen, für erwiesen.

Töchter "verlieren jeden Glauben an die Rechtsordnung"

Die heute 14 bis 17 Jahre alten Töchter waren im Prozess Nebenklägerinnen. "Mit dem Urteil bricht für sie eine Welt zusammen", sagte ihre Rechtsanwältin. Sie würden jeden Glauben an die Rechtsordnung verlieren. "Das Urteil mag rechtlich richtig gewesen sein", sagte die Juristin, "vom tatsächlichen Geschehen aber nicht." Sie hatte für jedes Mädchen 12.000 Euro Schmerzensgeld gefordert. Diese Ansprüche lehnte das Gericht ab.

Richter: Die Konstanz in den Aussagen fehlte

Der Richter stellte in seiner Urteilsbegründung noch mal fest, dass Zweifel an den Aussagen der Mädchen nicht auszuschließen gewesen seien. Es gehe nicht darum, die Mädchen schlecht zu machen. Sie hätten "durchaus glaubwürdig gewirkt in der Hauptverhandlung", sagte der Vorsitzende. Auch sei "weder ein Motiv zur Falschaussage noch eine Beeinflussung erkennbar gewesen". Aber insbesondere die Konstanz der Aussagen habe gefehlt. Mit der Spontanität der Mädchen oder ihrer Scham sei das nicht ausreichend zu erklären, so der Richter. Daher habe das Gericht, das sich auch auf ein Glaubhaftigkeitsgutachten stützte, den 39 Jahre alten Mann freisprechen müssen.

Vater bekommt Geld für die Zeit in U-Haft

Der Vater erhält zudem Entschädigungszahlungen für die Zeit, die er in Untersuchungshaft saß. Er verließ den Gerichtssaal nach dem Richterspruch wortlos. Er und die Mutter lebten seit Jahren getrennt, hatten sich aber noch das Sorgerecht geteilt. Der Mann war bereits 2015 aus der Untersuchungshaft entlassen worden, nachdem die Gutachterin erhebliche Mängel in den Aussagen der Mädchen festgestellt hatte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.03.2016 | 17:00 Uhr