Stand: 24.10.2017 20:41 Uhr

Geknackte Paypal-Konten: 23-Jähriger verurteilt

Das Amtsgericht in Itzehoe hat am Dienstag einen Mann aus Itzehoe der Geldwäsche für schuldig befunden. Er muss 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Weil die Vorfälle bereits Jahre zurückliegen, wurde der heute 23-Jährige nach dem Jugenstrafrecht verurteilt. Unbekannte hatten bundesweit von mehr als 30 Girokonten Geld abgehoben. Der Verurteilte hatte als Mittelsmann dafür gesorgt, dass seine Auftraggeber das Geld auch wirklich bekamen.

Geknackte Paypal-Konten im Darknet

Der oder die Unbekannten nutzten dazu gestohlene Zugangsdaten von Paypal-Konten. Mit dem Bezahldienstleister kann man zum Beispiel in Onlineshops bezahlen oder Pizza bestellen. Das Paypal-Konto ist dazu mit dem Girokonto verknüpft, Zahlungen über Paypal werden dann vom Girokonto abgebucht. Die Zugangsdaten zu Tausenden Paypal-Konten stehen laut einem Ermittler der Kripo Itzehoe tausendfach im Darknet. In Anleitungsvideos bei YouTube kann man lernen, wie man an die Konten herankommt. Sie werden im Darknet paketweise angeboten - für unter 100 Dollar. Das Darknet ist ein abgeschotteter Bereich des Internets.

Ungeschickt angestellt

Das Geld der Kontoinhaber floss, ebenfalls über Paypal, zu dem 23-jährigen Itzehoer. Der übertrug das Geld auf sein Girokonto, hob es in bar ab. 10 bis 20 Prozent Provision behielt der Mann für sich, vom Rest kaufte er Guthabenkarten von Paysafe. Die funktionieren wie Prepaidguthaben für Handys, nur dass man sich das Geld weltweit in bar auszahlen lassen kann. Die Polizei konnte den Itzehoer leicht ermitteln: "Er hat sein eigenes Girokonto und einen auf seinen Namen registrierten Paypal-Account dafür benutzt", sagte ein Kripo-Beamter am Dienstag vor Gericht. "Das war ziemlich stümperhaft, denn so mussten wir nur noch dem Geld folgen, um ihm auf die Spur zu kommen."

Polizei: Wenig Schutzmöglichkeiten

Laut Polizei gibt es kaum wirksame Schutzmaßnahmen gegen einen solchen Coup, weil es eben nicht an zu schwachen Passwörtern oder sorglosem Umgang mit Kontodaten lag. "Diese Daten liegen schon jetzt im Darknet, das kann immer passieren, dass man da betroffen ist", meinte der Ermittler weiter. Der Pressesprecher der Polizeidirektion Itzehoe, Stefan Hinrichs, sagte NDR 1 Welle Nord: "Man ist am Sichersten, wenn man seine Kontobewegungen genau im Blick behält und Auffälligkeiten sofort meldet." Das tun offenbar nicht alle: Von den bundesweit mehr als 30 Geschädigten haben nur fünf Anzeige erstattet. Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass die anderen Geschädigten noch gar nichts bemerkt haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.10.2017 | 15:00 Uhr

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