Stand: 10.11.2016 20:48 Uhr

Geflügelpest: Erster Verdacht im Putenstall

Bild vergrößern
Erstmals gibt es nun den Verdacht auf Geflügelpest bei verendeten Tiere eines kleinen Betriebs. (Archivbild)

Die Geflügelpest in Schleswig-Holstein weitet sich nach Angaben des Umweltministeriums aus. Am Donnerstag wurden erstmals Proben von verendeten Puten aus einer kleinen Geflügelhaltung positiv auf Vogelgrippe-Viren des Subtyps H5 getestet, teilte das Ministerium mit. Ob es sich um den gefährlichen Erreger H5N8 handelt, prüft nun das Friedrich-Löffler-Institut (FLI). Alle 18 Puten des Halters verendeten. Weitere Hühner, Tauben und Gänse des kleinen Betriebes müssen nun vorsorglich gekeult werden. Umweltminister Robert Habeck (Grüne)sprach von einer schlechten Nachricht: "Angesichts der hohen Aggressivität des Virus war eine solche Entwicklung aber zu erwarten", sagte der Minister. Sie sei sehr besorgniserregend. Er unterrichtete bereits das Bundeslandwirtschaftsministerium über die Lage. Laut Umweltministerium hatte der Tierhalter seine Tiere nach Bekanntwerden des Geflügelpestverdachts bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein ausschließlich im Stall gehalten.

Vogelgrippe jetzt auch in Mecklenburg-Vorpommern

Nach Schleswig-Holstein ist jetzt auch Mecklenburg-Vorpommern von der Vogelgrippe betroffen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) teilte mit, das besonders ansteckende Virus sei bei mehreren toten Wildvögeln im Raum Greifswald nachgewiesen worden. In Mecklenburg-Vorpommern und in Hamburg gilt von Montag an eine Stallpflicht. Auch mehrere Landkreise in Niedersachsen reagierten auf den Ausbruch und verhängten mit sofortiger Wirkung vorsorglich eine Stallpflicht. In Schleswig-Holstein müssen Hühner, Gänse und alle anderen Geflügelarten bereits seit Dienstag im Stall oder einer Volière bleiben.

Experten aus Greifswald sollen helfen

Unterdessen konnten Experten am Dienstag bei einer Gruppe toter Enten im Kreis Rendsburg-Eckernförde ebenfalls den Geflügelpest-Erreger H5N8 nachweisen. Die fünf toten Vögel lagen nach Angaben der Kreisverwaltung am Ufer der Schlei in der Gemeinde Fleckeby. Auch im Kreis Segeberg wurden nach Angaben der Kreisverwaltung Funde von verendeten Blesshühnern am Stocksee und toten Reiherenten am Segeberger See gemeldet. Einige Proben werden zurzeit untersucht. Im Kreis Plön wurden seit dem Wochenende nach Angaben des Kreises Plön etwa 240 tote Wildvögel gefunden, von denen einige nachweislich vom Geflügelpest-Erreger H5N8 befallen waren. Laut dem Behördenleiter Michael Görgen ist jetzt eine Expertin des Friedrich-Löffler-Instituts in Plön. Sie soll gemeinsam mit den örtlichen Veterinären untersuchen, warum es ausgerechnet rund um die Plöner Seen zu dem massiven Ausbruch der sogenannten Geflügelpest gekommen ist.

Bürgertelefone

- Kreis Plön: (04522) 743 87, Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 17 Uhr und Freitag 8.30 bis 13 Uhr
- Kreis Segeberg: (04551) 95 12 11
- Umweltministerium: (0431) 160 66 66, werktags 9 bis 17 Uhr

Sperr- und Beobachtungszonen

Um ein Überspringen der Geflügelpest auf Nutztierbestände zu verhindern, gibt es mehrere Sperrzonen. Im Kreis Plön gilt diese drei Kilometer um die Fundstellen von Vögeln, die nachweislich mit dem H5N8-Erreger infiziert waren. In einem Umkreis von weiteren sieben Kilometern gilt eine sogenannte Beobachtungszone. Diese reicht bis in den Kreis Segeberg hinein. Davon betroffen sind nach Angaben des Kreises die Gemeinden Stocksee, Schmalensee und Damsdorf sowie Teile der Gemeinden Seedorf und Glasau. Entsprechende Schilder an den Straßen weisen auf die Zonen hin. In den Gebieten darf das Geflügel nicht nicht transportiert und nicht verkauft werden.

Wildvogel-Geflügelpest-Sperrgebiet auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde richtet nach Angaben der Kreisveterinärin ebenfalls eine Sperrzone ein. Diese betrifft im Norden auch Gemeinden im Kreis Schleswig-Flensburg. Das Beobachtungsgebiet umfasst nach Angaben der Kreisverwaltung in Schleswig Teile der Gemeinden Brodersby, Nübel, Schaalby, Taarstedt, Tolk, Twedt, Busdorf, Fahrdorf, Geltorf, Jagel, Lottorf, Selk, Ulsnis sowie Teile der Stadt Schleswig. "Bisher nicht gemeldete Geflügelhalter sollten sich kurzfristig beim Veterinäramt melden und ihre Bestände dort anzeigen", teilte die Kreisverwaltung mit.

Geflügelschauen abgesagt

Von den Beobachtungsgebieten sind auch alle Hunde- und Katzenbesitzer betroffen. Sie dürfen ihre Tiere in den betroffenen Gebieten nicht mehr frei laufen lassen. Das heißt: Leinenzwang für Hunde und Haus - oder Gartenarrest für Katzen. Das zuständige Friedrich-Löffler-Institut empfiehlt, alle Kontaktmöglichkeiten zwischen Wildvögeln und Nutztieren zu vermeiden. Im Kreis Plön wurden bereits zwei größere Geflügelschauen abgesagt. Auch der Kreis Nordfriesland hat mit sofortiger Wirkung alle Veranstaltungen verboten, bei denen "Geflügel und in Gefangenschaft gehaltene Vögel mitwirken". Das betrifft Ausstellungen und auch Märkte. "Die Maßnahmen dienen dem Schutz der Einschleppung des Erregers in Hausgeflügelbestände", teilte die Kreisverwaltung in Husum mit.

Ansteckung des Menschen "unwahrscheinlich"

Infektionen von Menschen mit den Viren sind laut FLI bislang weltweit nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Auch in Baden-Württemberg tote Wildvögel

Tote Wildvögel wurden auch aus der Schweiz, Österreich und der Region Bodensee in Baden-Württemberg gemeldet. Laut dem Stuttgarter Agrarministerium wurde dort ebenfalls der Geflügelpest-Erreger H5N8 nachgewiesen. In der Region Bodensee wurde eine Stallpflicht für Geflügel erlassen. In Polen und Ungarn waren zuvor Vogelgrippe-Fälle entdeckt worden, bei denen es sich wohl um die besonders krankmachende Variante handelt. Die Verbreitung hängt laut Friedrich-Löffler-Institut mit dem aktuellen Vogelzug zusammen.

Karte: Geflügelpest in Schleswig-Holstein
Weitere Informationen

Fragen und Antworten zur Geflügelpest in SH

Nach Entdeckung des aggressiven Vogelgrippe-Erregers H5N8 sind Verbraucher und Geflügelhalter in Schleswig-Holstein in Alarmbereitschaft. Wie gefährlich ist das Virus für Mensch und Tier? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.11.2016 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:54

Mutmaßliche Salafisten aus SH vor Gericht

16.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:22

Vollsperrung der A 7 - ohne Ankündigung

16.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
00:20

Entschuldigung nach Medikamentenskandal

16.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin