Stand: 12.01.2016 15:32 Uhr

GdP empört über Dauer des Rockerprozesses

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Für GdP-Chef Oliver Malchow ist der lange Rockerprozess ohne Haftbefehl ein fatales Signal.

Ein Prozess um Schüsse auf einen verfeindeten Rocker vor der Kaltenkirchener Holstentherme: Der Fall liegt sieben Jahre zurück. Ein 42-jähriger Kieler Rocker wird zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt - er ist bei der Urteilsverkündung nicht dabei und muss auch vorerst nicht ins Gefängnis. Der "Hells Angel" genießt seit dem 7. von ingesamt 14 Verhandlungstagen das Leben in Thailand. Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, hat das Kieler Landgericht nach Angaben eines Sprechers keinen Haftbefehl erlassen. Für die Gewerkschaft der Polizei ein Versagen des Rechtsstaates.

Jahrelanges Verfahren - für GDP-Chef Malchow ein fatales Signal

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, ist empört. Obwohl das Kieler Landgericht von Fluchtgefahr ausgeht, lehnten die Richter einen Haftbefehl als unverhältnismäßig ab. Denn der Rocker wird wahrscheinlich nur acht Monate seiner Strafe verbüßen müssen, weil ein früheres Urteil mit einbezogen wird und der Prozess mehrere Jahre gedauert hat. Der Schleswig-Holsteiner Malchow sagte NDR 1 Welle Nord: " Aus rechtsstaatlicher Sicht ist das nachvollziehbar. Wenn das Verfahren so lange dauert, muss man auch irgendwann Rücksicht auf die Täter nehmen. Aber das Signal, das ausgesandt wird, ist natürlich fatal. Dass so etwas überhaupt passiert, ist ein Zeichen dafür, wie schwach mittlerweile der Rechtsstaat hier ist".

Zu wenig Polizisten, Staatsanwälte und Richter?

Aus Malchows Sicht gibt es in Schleswig-Holstein viel zu wenig Polizisten, Staatsanwälte und Richter, so dass sich Ermittlungen und Gerichtsverfahren oft zu lange hinziehen. Das Problem sei seit Jahren bekannt, so der GdP-Bundesvorsitzende. Er machte auch der Politik Vorwürfe: Die Landtagsabgeordneten würden das Problem einfach so hinnehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 12.01.2016 | 13:00 Uhr