Stand: 22.01.2016 12:17 Uhr

Für originelle Bonbons den Job aufgegeben

von Rebekka Merholz

Kleine Muscheln in blau, gelb, rot, schwarz und orange liegen auf der großen Bonbonschaufel von Heide Müller. Damit läuft sie durch die Gänge und lässt die handgemachten Naschereien aus Eckernförde mit leichten Handbewegungen verlockend aneinanderklackern. Die Besucher der Schleswig-Holstein-Halle auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin greifen gern zu. Einmal - oder auch gleich zweimal. Ein Bonbon für jetzt, einer für später. Schließlich ist so ein Messetag lang, und da freut man sich als Besucher über jede kostenlose Stärkung.

Zum Reinbeißen: Bunte Muscheln aus Eckernförde

Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt

Es ist das erste Mal, dass die Bonbonkocherei mit einem Stand auf der weltgrößten Agrarmesse wirbt. Unzählige Zellophanbeutel reihen sich in mehreren Ebenen aneinander. Gleich neben den bunt gemischten Eckernförder Muscheln liegen Schleswig-Holstein-Sprotten in blau-rot-weiß. Auf einem Flachbildschirm flimmert ein Film. Er zeigt, wie die bunten Leckereien hergestellt werden. "Den nimmt aber kaum jemand wahr", erzählt Heide Müller. Deshalb setzt sie hier in Berlin lieber auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Dabei wird sie nicht müde, den Besuchern von den Bonbons aus dem "echten Norden" vorzuschwärmen.

Vom Techniker zum Bonbon-Künstler

In Eckernförde ist die Bonbonkocherei eine kleine Attraktion, bekannt in der ganzen Region. Tausende Touristen strömen jedes Jahr in das kleine Hinterhof-Geschäft, um Hermann Hinrichs und seinem Team zuzuschauen, wie er den flüssigen Teig knetet und anschließend in Formen zu Bonbons presst. Zu seinem ungewöhnlichen Beruf kam Hinrichs über Umwege. Zunächst hatte er eine technische Ausbildung gemacht, dann Bonbonmaschinen repariert oder neue Geräte in eine bestehende Produktionsstraße eingebaut. "Dabei habe ich dann gelernt, wie man Bonbons macht", erzählt der Meister, "und war so fasziniert, dass ich meinen ursprünglichen Job aufgegeben habe."

Nur natürliche Farben und Aromen

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Kunden der Bonbonkocherei haben die Qual der Wahl: Hermann Hinrichs lockt mit 150 verschiedenen Sorten.

Besonders viel Spaß hat Hermann Hinrichs daran, mit Zutaten zu experimentieren und neue Kombinationen auszuprobieren. "Das ist ein unheimlich kreativer Beruf. Ich kann neue Trends aufnehmen, zum Beispiel die Mischung aus scharfem und süßem, und dann direkt den Kunden probieren lassen, ob es schmeckt", sagt er. Doch es gibt auch Grenzen: Der Bonbonmeister setzt ausschließlich auf natürliche Farben und Aromen. "Und ich stelle nur Bonbons her, die auch wirklich genießbar sind", betont Hinrichs. "Ganz scharfe oder saure Spaßbonbons findet man bei uns nicht."

Viele Kontakte geknüpft

Seine Kunden haben bei insgesamt 150 Sorten die Qual der Wahl. Eine der ungewöhnlichsten und gleichzeitig beliebtesten Kreationen ist der Zwiebelbonbon. "Das wird aus Zwiebelsud gekocht. Wenn wir das machen, riecht es immer nach Schweinebraten", lacht Hinrichs. Ein Messebesucher verzieht das Gesicht und ist offensichtlich froh, dass es dieser Bonbon nicht auf die Berliner Messe geschafft hat. Aber Hinrichs ist von der Sorte begeistert: "Die kommt wirklich sehr gut an und schmeckt halt so ein bisschen süß-sauer." Der kritische Besucher lässt sich aber nicht überzeugen und zieht weiter. So wie viele andere auch. "Hier auf der Grünen Woche gibt es halt ein riesiges Überangebot an Lebensmitteln und Getränken", erklärt Hinrichs schulterzuckend. Doch er kommt trotzdem auf seine Kosten: "Wir knüpfen hier unheimlich viele Kontakte, auch innerhalb der Region und innerhalb der Halle. Das macht echt Spaß."

Geschmack der Kindheit

Immer mal wieder bleibt dann doch ein interessierter Besucher stehen. So wie Eva aus Brandenburg, die sich ein Tütchen Bonbons mit Anisgeschmack kauft. "Die kenne ich noch aus meiner Kindheit und mochte sie schon immer - hier bei uns findet man die nicht", freut sie sich. Dann mischt sich Eva gleich wieder unter die Besuchermassen, bleibt aber doch nochmal kurz stehen. Denn gerade kommt Heide Müller wieder mit ihrer verlockenden Bonbonschaufel vorbei.

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