Stand: 25.04.2014 18:00 Uhr

Ist der Flughafen Lübeck noch zu retten?

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Sie würden gerne mit dem Geschäftsführer sprechen, können aber nicht: Notgeschäftsführer Siegmar Weegen (l.) und der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Pannen.

Ein nebulöser Eigentümerwechsel, abgetauchte Verantwortliche, am Mittwoch dann der Insolvenzantrag: Rund um den Lübecker Regionalflughafen Blankensee geht es drunter und drüber. Am Freitag haben der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Pannen und Notgeschäftsführer Siegmar Weegen eine Pressekonferenz gegeben. Laut Pannen ist der Flugbetrieb in Lübeck demnach noch für etwa zweieinhalb Monate gesichert. Außerdem halte er auch eine Eigensanierung über einen Insolvenzplan für möglich. So hoch seien die Schulden nicht, sagte der Hamburger Anwalt, ohne allerdings eine konkrete Summe zu nennen. Im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord betonte Pannen aber auch: "Es wäre schon wünschenswert, wenn hier frisches Kapital zur Verfügung gestellt wird." In der kommenden Woche solle es Gespräche mit potenziellen Investoren geben.

Notgeschäftsführer optimistisch

Auch Notgeschäftsführer Weegen äußerte sich optimistisch. "Wenn das Konzept aufgeht, das wir bereits 2012 entwickelt haben, und sich die positive Entwicklung von 2013 fortsetzt, könnte der Flughafen in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht nur seine Verluste reduzieren, sondern auch operative Gewinne erzielen", sagte Weegen. Er war von Oktober 2013 bis Ende März 2014 schon einmal Geschäftsführer des Flughafens. Auf die Frage des Schleswig-Holstein Magazins, wann er denn erstmals das mulmige Gefühl hatte, dass der Flughafen in Schwierigkeiten stecke, wollte Weegen am Freitag nicht antworten.

"Die Herren Wagner und Glück hat nie jemand gesehen"

Personen, die eventuell Licht ins finanzielle Dunkel am Flughafen bringen könnte, wären der eingetragene Geschäftsführer Adam Wagner aus Berlin und der ebenfalls neue Prokurist Michael Glück. Man könne jedoch zu beiden keinen Kontakt herstellen, sagte Notgeschäftsführer Weegen - und zwar "weder per Brief noch per E-Mail noch per Telefon, Telefax oder persönlich". Vorliegende Adressen von Wagner und Glück seien "scheinbar falsch", so Weegen. Außerdem habe niemand "die Herren" je am Flughafen gesehen.

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Bürgermeister Saxe lehnt Rücktritt ab

Unterdessen hat Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) Vorwürfe zurückgewiesen, er habe bei der Übertragung des Flughafens an den Investor Mohamad Rady Amar Ende 2012 Fehler gemacht. Die CDU und sogar die Grünen als Kooperationspartner in der Bürgerschaft fordern Saxes Rücktritt. Den lehnt der Bürgermeister aber kategorisch ab. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", so der 60-Jährige. Die Stadt habe damals "von verschiedenen Stellen" Auskünfte über den Deutsch-Ägypter eingeholt - über Bonität, Geschäftsvolumen, vorhandenes Vermögen. "Alle diese Auskünfte waren positiv", sagte Saxe. Auch die Pläne des Investors seien gut gewesen.

Abtauchen des Investors "schon schäbig"

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Da war die Welt noch in Ordnung: Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (r.) und Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Friedel (M.) übergeben 2012 den symbolischen Schlüssel des Flughafens an den neuen Betreiber Mohamad Rady Amar.

Lübecks Bürgermeister vermutet, dass im Firmenkonglomerat von Rady Amar irgendetwas geschehen ist, das ihn wirtschaftlich aus der Bahn geworfen hat. "Aber ohne ein Wort zu verschwinden", ärgerte sich Saxe, "das ist schon schäbig." Rady Amar hatte damals als einer von drei Bewerbern den Zuschlag bekommen und Millionen-Investitionen in Aussicht gestellt. In der vergangenen Woche war überraschend bekannt geworden, dass er seine Anteile an der Muttergesellschaft des Flughafenbetreibers Yasmina verkauft hat. Neuer Inhaber und Geschäftsführer wurde der Berliner Geschäftsmann Wagner. Er ist offenbar untergetaucht.

Verdacht der Insolvenzverschleppung

Nach Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Pannen prüft die Staatsanwaltschaft, ob bei dem Verkauf alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Es bestehe der Verdacht der Insolvenzverschleppung. Die Stadt Lübeck wartet seit Oktober auf Miet- und Pachtzahlungen in Höhe von 189.000 Euro. Ein Geschäftsführer, so Pannen, müsse aber schon drei Wochen nach Bekanntwerden einer Zahlungsunfähigkeit aktiv werden. Auch eine Reinigungsfirma soll der Flughafen seit mehreren Monaten nicht bezahlt haben. Wie der Niederlassungsleiter der Firma NDR 1 Welle Nord bestätigte, gibt es ein Mahnverfahren gegen den Airport.

Alarmsignale nicht als solche verstanden

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Auch eine Reinigungsfirma soll der Flughafen Lübeck seit Monaten nicht bezahlt haben.

Saxe räumte ein, die ausbleibenden Zahlungen an die Stadt nicht ernst genug genommen zu haben. "Im Nachhinein hätte ich das als Alarmsignal werten müssen", so Saxe. "Hinterher ist man leider immer schlauer." Er vertraue trotzdem darauf, dass das Unternehmen mithilfe des Insolvenzverwalters zu einem geordneten und wirtschaftlich gesicherten Betrieb zurückfindet, erklärte Saxe.

Adeliger Unternehmer erneut interessiert

In die Suche nach einem neuen Investor will sich der Bürgermeister aber nicht einschalten. Das sehe das Insolvenzrecht nicht vor. Wenn ihn der vorläufige Insolvenzverwalter jedoch um Hilfe bitte, "gehe ich gerne Klinken putzen", so Saxe. Der Lübecker Geschäftsmann Björn Birr von Bismarck hat bereits grundsätzliches Interesse signalisiert. Er wolle sich in der nächsten Woche mit dem dem vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Pannen treffen. "Sollte das Gespräch entsprechende Perspektiven aufzeigen, werde ich ein Angebot unterbreiten", so Bismarck.

Bewerbung von 2012 könnte erneut eingehen

Der adelige Unternehmer hatte 2012 mit seiner Bewerbung gegen Rady Amar den Kürzeren gezogen. Die unterlegene Bewerbung soll offenbar auch Grundlage des möglichen neuen Angebotes sein. Bismarcks Idee damals: Die Stadt solle 5,5 Millionen Euro für Investitionen geben und zehn Jahre auf Pacht verzichten. Die Zahl der festangestellten Mitarbeiter würde von 90 auf etwa 60 reduziert. Für eine Folgeanstellung wäre bei einem Medizintechnik-Unternehmen am Flughafen gesorgt. Statt auf Billigflieger würde Bismarck zudem auf Privat- und Geschäftsflieger setzen. Dazu wäre ein Ausbau der Start- und Landebahn nicht notwendig, so Bismarck.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.04.2014 | 18:00 Uhr