Stand: 23.02.2016 11:45 Uhr

Flüchtlinge fit machen für den Arbeitsmarkt

von Philipp Eckstein, NDR Info Wirtschaftsredaktion
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Sieben junge Flüchtlinge absolvieren in Lübeck ein Praktikum bei örtlichen Elektrotechnikern.

Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, das ist eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre. In zahlreichen Städten laufen dazu Versuche und Pilotprojekte. In Lübeck hat in dieser Woche eine Gruppe von sieben jungen Flüchtlingen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ein Praktikum bei örtlichen Elektrotechnikern begonnen. Für die Flüchtlinge und die teilnehmenden vier Betriebe ist es ein Experiment. Sind die jungen Männer nach einem halben Jahr Deutschkurs schon fit für den Arbeitsmarkt?

"Die Jungs müssen richtig mit anfassen"

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Der 17-jährige Saeed Mohammadi freut sich, dass er das Praktikum machen kann.

Der Arbeitstag für Saeed Mohammadi beginnt mit neuer Kleidung: Arbeitshose, Sicherheitsschuhe und Regenjacke. "Ich komme aus Afghanistan und freue mich, dass ich das Praktikum machen kann", sagt der 17-jährige Afghane. Gemeinsam mit einem weiteren Flüchtling wird er zwei Wochen lang bei der Elektrofirma Habotec hospitieren. "Die müssen schon richtig mit anfassen, die stehen nicht nur in der Ecke rum", kündigt Bauleiter Axel Schultz gleich zu Beginn an. "Die Jungs werden Trassen anbauen und Leitungen verlegen. Hier und da mal einen Schlitz stemmen, eine Steckdose einbauen unter Aufsicht. Alles was man in diesem Beruf machen muss, sollen sie auch kennenlernen."

Zum Beruf gehören auch Lesen und Schreiben. Schultz drückt den beiden jungen Männern deshalb gleich einen Stapel Zettel in die Hand: "Egal wo ihr seid, ihr schreibt mir jeden Tag auf, was ihr gemacht habt. Erstmal übt ihr so das Schreiben - und zweitens sehe ich, ob ihr überhaupt schreiben könnt und ob ich das lesen kann."

Experiment mit offenem Ausgang

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Der Vorsitzende der Elekroinnung Lübeck, Peter Bode, ist gespannt auf den Ausgang des Experiments.

Saeed Mohammadi wohnt seit gut einem Jahr in Deutschland - alleine, ohne Familie. Seit rund sechs Monaten absolviert er an einer Berufsschule ein ausbildungsvorbereitendes Jahr. Betreut werden er und die sechs anderen Praktikanten von verschiedenen Mentoren, der Emil-Possehl-Gewerbeschule, dem sozialpädagogischen Verein Sprungtuch und der Elektro-Innung Lübeck. "Für uns ist das ein Experiment, das einmal auszuprobieren, ob das wirklich klappt oder nicht", sagt der Innungs-Vorsitzende Peter Bode. Gegebenenfalls müsse man dann am Ende auch sagen: Für den Berufseinstieg brauchen die jungen Männer noch mehr Vorbereitung. Insgesamt, sagt Bode, seien die Flüchtlinge aber vor allem eine Riesenchance, um den Fachkräftemangel einzudämmen.

Hoffnung auf neue Fachkräfte

Auch Susanne Griep bietet mit ihrer Firma deshalb zwei jungen Afghanen ein Praktikum an: "Wir hoffen eigentlich schon, dass wir Arbeitskräfte bekommen, dass wir Fachkräfte bekommen, sprich: erstmal Auszubildende, die wir dann zu Fachkräften ausbilden." Das Angebot an Auszubildenden werde schließlich immer kleiner, so Griep.

Ob es schon zur Ausbildung reicht, müssen die nächsten 14 Tage zeigen. Saeed Mohammadis erster Praktikumseinsatz ist die Kernsanierung eines Wohnhauses in Travemünde. NDR Info wird ihn und die anderen sechs Praktikanten weiter begleiten und darüber berichten.

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NDR Info | 22.02.2016 | 17:41 Uhr

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