Stand: 03.02.2016 17:47 Uhr

Flensburg: Polizei räumt autonomes Kulturzentrum

Nach etwa drei Stunden ist wieder Ruhe eingekehrt: Die Zwangsräumung eines autonomen Kulturzentrums in Flensburg ist abgeschlossen. Gegen den Widerstand von etwa 20 Besetzern war die Polizei am Mittwochmorgen mit gepanzerten Sonderwagen und Wasserwerfern auf das Gelände vorgedrungen. Eine Hundertschaft folgte. Insgesamt rückten 220 Beamte aus. Die überwiegend jungen Menschen, die die sogenannte Luftschlossfabrik seit zwei Jahren ohne Genehmigung genutzt hatten, verschanzten sich zunächst in den Gebäuden. Auf fliegende Böller, Holzlatten und Feuerlöscher reagierten die Beamten mit dem Einsatz der Wasserwerfer - "um Distanz zu schaffen", sagte eine Polizeisprecherin.

Zwei Menschen ketten sich an Holypyramide

"Die Polizei wurde mit Steinen beworfen, alle Zufahrten waren verbarrikadiert", sagte Polizei-Einsatzleiter Jörn Tietje. "Mit so massiven Gewalttätigkeiten haben wir nicht gerechnet." Mit Ausnahme einer Rangelei ließen sich die meisten Besetzer laut Polizei ohne großen Widerstand festnehmen - insgesamt waren es 17 Menschen. Ein Mann und eine Frau hätten sich am Nachmittag allerdings an eine pyramidenförmige Holzkonstruktion angekettet, so die Polizeisprecherin. Die Beamten rückten mit schwerem Werkzeug an, um die Blockade zu lösen. Die Polizei ermittelt nun wegen Landfriedensbruchs.

Stadt billigt Räumung im Ausschuss

Am Dienstagabend hatte die Stadt Flensburg die Räumung des autonomen Kulturzentrums gebilligt. Im Hauptausschuss zogen die Grünen einen Antrag zurück, der diese zunächst aussetzen sollte. Ursprünglich sollte auf dem Gelände am Harniskai eine Firma für Flugboote siedeln. Anschließend lag es auch wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen Stadt und Pächter brach.

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Autonome in Flensburg auf den Barrikaden

Mit Wasserwerfern und zahlreichen Einsatzkräften hat die Polizei in Flensburg das Gelände des autonomen Kulturzentrums Luftschlossfabrik geräumt. Unterstützer des Projekts wehrten sich. Bildergalerie

Geht es an anderer Stelle weiter?

Eine Sprecherin der Kulturinitiative sprach während der Räumung von etwa 40 Unterstützern, die auch vom gegenüberliegenden Ufer Stimmung gegen die Beamten machten, weil die Polizei die Zufahrtsstraße zum Gelände des Kulturzentrums absperrte. Ob die Initiative in Flensburg nun an anderer Stelle weitermachen kann, ist bislang unklar. Politik und Verwaltung hatten erklärt, mit dem Kulturprojekt künftig zusammenarbeiten zu wollen.

Die Polizisten zogen nach dem Großeinsatz wieder ab. Nun geht es darum, das Gerümpel auf dem Gelände zu entfernen. Möglicherweise soll schon schnell mit Abrissarbeiten begonnen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.02.2016 | 17:00 Uhr