Stand: 13.08.2014 19:27 Uhr

Fehlerhafte Karte führte zu Explosion in Itzehoe

Die Ermittlungen zur Gasexplosion in der Itzehoer Schützenstraße, bei der im März vier Menschen ums Leben kamen, haben neue Erkenntnisse ans Licht gebracht. Danach war eine Gasleitung nicht in den neuen digitalen Karten der Stadt eingezeichnet. Entsprechende Informationen von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin hat die Staatsanwaltschaft inzwischen bestätigt. Der Grund: 1977 wurde das Kataster von Papier auf EDV umgestellt. Dabei hatte man schlicht vergessen, diese Gasleitung in das neue System einzutragen.

Kratzspuren an Gasrohr

Offenbar wurde diese Gasleitung bei Baggerarbeiten im März aus einer Muffe im Keller des explodierten Gebäudes gerissen. In der Baugrube vor dem Haus fanden die Ermittler Kratzspuren an der Gasleitung. "Das Rohr ist bei dem Vorfall im Bereich des Kellers abgerissen - was dazu geführt hat, dass in den Keller Gas einströmte, welches sich dann entzündet hat", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, Peter Müller-Rakow, auf NDR 1 Welle Nord. Anwohner hatten vor der Explosion Gasgeruch wahrgenommen.

Ermittlungen gegen Baggerfahrer

Laut Müller-Rakow muss noch geprüft werden, ob der damals schwer verletzte Baggerfahrer seine Sorgfaltspflicht verletzt hat. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung laufen ebenfalls. Die Anwältin des Baggerfahrers, Katja Münzel, sagte, ihr Mandant habe sich streng nach den Vorgaben der Bauleitung gerichtet. Und danach sei in der Baugrube keine Gasleitung eingezeichnet gewesen. Vor diesem Hintergrund forderte Münzel die Staatsanwaltschaft auf, auch in andere Richtungen zu ermitteln. Sprecher der Stadtwerke und Stadtverwaltung wollten sich zu den neuen Erkenntnissen bisher nicht äußern.

Stadtwerke überprüfen Katasterkarten

Unterdessen haben die Stadtwerke Itzehoe damit begonnen, sämtliche Katasterkarten mit Gasleitungen zu überprüfen. Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord sind Stadtwerke-Mitarbeiter bereits seit Längerem dabei, Daten von Gas-Anschlüssen und Gaszählern abzugleichen, um das Gasnetz vollständig zu erfassen. Die Stadtwerke Itzehoe wollen sich gegenwärtig dazu nicht äußern, heißt es in einer Pressemitteilung.

Welle der Hilfsbereitschaft nach dem Unglück

Bei dem Einsturz eines Hauses am 10. März waren drei 36, 38 und 45 Jahre alte Bewohner sowie ein 58 Jahre alter Bauarbeiter ums Leben gekommen. Außerdem wurden 15 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Durch das Unglück hatten etliche Menschen in der Itzehoer Schützenstraße ihr Dach über dem Kopf verloren, denn auch Nachbarhäuser waren betroffen. Es gab eine Welle der Hilfsbereitschaft mit Geld- und Sachspenden. Eine Spedition stellte Transport- und Lagerkapazitäten zur Verfügung. An einem Gedenkgottesdienst nahmen etwa 650 Menschen teil.

Wer zahlt für die Schäden?

Die meisten Betroffenen der Explosion haben mittlerweile neue Wohnungen gefunden. Wer für die Kosten letztlich aufkommen muss, bleibt vorerst unklar. Zunächst muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, welche Konsequenzen sie aus dem Ermittlungsergebnis zieht. Davon hängt ab, ob jemand haftbar gemacht werden kann oder nur die Hoffnung auf Versicherungsleistungen bleibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 13.08.2014 | 17:00 Uhr

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