Stand: 29.03.2016 12:14 Uhr

Fair, bio und vegan: Sneakers aus Lübeck

Angefangen hat alles mit dem weltweit ersten fair gehandelten Fußball. Heute - zwölf Jahre später - sind es Schuhe, auf die der Lübecker Unternehmer Marc Solterbeck baut: Zwölf Modelle in etwa 200 verschiedenen Farben und Designs - natürlich ebenfalls fair produziert und gehandelt. Nun gab es für das Engagement des Schleswig-Holsteiners einen angesehenen Preis.

Ein schwarz-türkiser Sneaker steht neben einem Schild, auf dem "Ethletic Fair Deal Trading" steht. © NDR

Oscar der Nachhaltigkeit für Schuhe aus Lübeck

Schleswig-Holstein Magazin -

Ein Unternehmer aus Lübeck setzt auf Sneakers für das gute Gewissen: Baumwolle und Kautschuk stammen aus fairem Anbau und die Fabrikarbeiter in Pakistan werden gerecht entlohnt.

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Latexmilich und Bio-Baumwolle

Die Sneakers aus Lübeck gefallen auch Veganern. Denn die Schuhe werden ohne Klebstoffe aus tierischen Produkten hergestellt - dafür mit Latexmilch aus der Baumrinde. Die Schuhe von Marc Solterbeck tragen seit 2010 das Fairtrade-Siegel. Um das zu bekommen, checken unabhängige Gutacher im Auftrag nationaler Organisationen die Produktion vor Ort. " Die sprechen mit den Mitarbeitern, die lassen sich die Gehaltsabrechnungen zeigen, die kontrollieren ob in dem Lager auch Bio-Baumwolle und nicht konventionelle ist. Das sind schon harte Prüfungen und das ist auch für die Unternehmen sehr, sehr aufwendig", erzählt Solterbeck.

Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser

Auch die Firmen, die seine Schuhe in Pakistan produzieren, müssen dokumentieren, dass sie Mindestlöhne zahlen und dass die Sicherheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz gewährleistet ist. Für die regelmäßige Kontrolle hat der Lübecker außerdem einen Mitarbeiter vor Ort. Solterbeck selbst fliegt mehrmals im Jahr zu seinen Lieferanten, besucht zertifizierte fairtrade Baumwollspinnerein, die den Stoff für die seine Sneakers herstellen, um sich in den Produktionsstätten umzuschauen. Weltweit beschäftigt die Firma von Marc Solterbeck sechs Mitarbeiter, seine Designerin sitzt in Berlin. Im Jahr verkauft er nach eigenen Angaben 30.000 fair gehandelte "Ethletic"-Schuhe.

Chance für kleine Unternehmen

Markus Schwarz setzt sich im "Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein" für fairen Handel ein. Der Dachverband von mehr als 80 entwicklungspolitischen Organisationen kennt die Probleme des Marktes und weiß, dass Kunden immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. "Bei "Ethletic" ist es halt so, dass sie wirklich mit den Produzenten selber in Kontakt stehen und wirklich konkret vor Ort nach Lösungen suchen", erzählt Schwarz. Nach seinen Erfahrungen ist das für ein kleines Unternehmen einfacher, als für ein großes.

Freiwilligkeit ist nicht alles

Auch das Bundesministerium für Entwicklung will die Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern verbessern. Minister Gert Müller (CSU) hat dafür schon vor zwei Jahren ein Bündnis für nachhaltige Textilien ins Leben gerufen. Zwar hat sich das Bündnis auf bestimmte Gesundheits- und Arbeitsstandards verständigt, doch die Probleme sind damit nicht vom Tisch: Die Hersteller kontrollieren sich selbst und der Beitritt ist freiwillig . Markus Schwarz sieht das kritisch: "Das ist halt schon sehr ärgerlich, dass da Unternehmen auch nicht verpflichtet werden. Es gibt derzeit ja auch viele Initiativen die eine Verpflichtung von Unternehmen fordern, wirklich da Menschenrechte einzuhalten in den Fabriken und auch wirklich haftbar zu machen."

Oscar der Nachhaltigkeit für Lübecker

Bei den Sneakers von Marc Solterbeck soll das fairtrade-Siegel menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen garantieren. Grundsätze, denen sich der Lübecker Unternehmer verpflichtet fühlt: "Nachhaltigkeit ist soziale Verantwortung!", sagt Solterbeck. Um die Mitarbeiter vor Ort zusätzlich zu unterstützen, spendet das Lübecker Unternehmen 15 Prozent des Warenwertes an die Arbeiter. Einer von vielen Gründen, warum die Firma nun mit dem Fairtrade-Award 2016 ausgezeichnet wurde - dem Oscar der Nachhaltigkeitsszene.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.03.2016 | 19:30 Uhr