Stand: 13.03.2015 14:59 Uhr

Experten streiten um Brandschutz für A-20-Tunnel

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Der Weg bis zur Autobahn sei zu lang und die Ausrüstung für Autobahneinsätze sei zu teuer für die Gemeinde, kritisiert die Feuerwehr Kollmar.

Kann es eine kleine Dorf-Feuerwehr schaffen, auch die Einsätze in einem großen Autobahntunnel zu übernehmen? Ja, sagt der Deutsche Feuerwehrverband. Er nennt zahlreiche Beispiele aus Hessen und Thüringen. Dort sind kleine Freiwillige Feuerwehren für große Tunnel zuständig. Doch die Gemeinde Kollmar (Kreis Steinburg) sieht sich mit der Aufgabe überfordert. Auf dem Gelände des Ortes soll der neue Elbtunnel für die Autobahn 20 entstehen. Weil die örtliche Feuerwehr weder die passende Ausrüstung noch genug Personal hat, klagen die Gemeinde und der Kreis Steinburg gegen die Planfeststellung für den Bau der Autobahn an dieser Stelle. Das hatte gestern zu einem offenen Streit mit dem Verkehrsministerium geführt.

Feuerwehren müssen sich auf "örtliche Gegebenheiten" einstellen

In den ländlichen Gegenden Thüringens und Hessens gibt es nach Angaben des Feuerwehrvebands lange Autobahn- und ICE-Tunnel, für die kleine Feuerwehren zuständig sind. "Letztendlich ist es so, dass eine Gemeinde eine Feuerwehr, die den örtlichen Gegebenheiten entsprechen muss, aufzustellen hat und funktionsfähig zu halten hat", sagt Verbands-Sprecher Carsten Pix. Das betreffe die personelle Ausstattung, aber auch die Geräte- und Fahrzeugausstattung. Und zu den örtlichen Gegebenheiten könnten neben Tunneln zum Beispiel auch große Industrieanlagen gehören. Der Feuerwehrverband rät dazu, sich auch mit den Nachbarwehren zu beraten und eventuell Aufgaben zu teilen.

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Auch der Kreisfeuerwehrverband fordert eine Werkfeuerwehr für den neuen Elbtunnel.

Der Kreisfeuerwehrverband Steinburg sieht das ganz anders. Er teilt die Position des Kreises und der Gemeinde. "Wir fordern eine Berufsfeuerwehr mit mindestens zwei Staffeln an den Portalen des Tunnels, die den Brandschutz und die technische Hilfeleistungen übernehmen", sagte Bernd Pusch der stellvertretende Wehrführer des Kreises. Der Landesfeuerwehrverband forderte alle Beteiligten auf, sich an einen Tisch zu setzen und nach Lösungen zu suchen.

Auch der Fährbetreiber klagt

Freitag wurde bekannt, dass sich auch die Betreiber der Elbfähre Glückstadt-Wischhafen an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wandten, um die Tunnelplanungen anzufechten. Im Falle des Autobahnbaus samt Tunnel werde die Fährverbindung nicht mehr wirtschaftlich sein und eingestellt werden müssen, teilte die Agentur der Elbfähre-Betreiber am Freitag in Hamburg mit. Neben dem Kreis Steinburg und der Gemeinde Kollmar klagt auch der Landesnaturschutzverband gegen die Planfstestellung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.03.2015 | 13:00 Uhr