Stand: 18.03.2016 11:21 Uhr

Es gibt viel zu staunen: Messe in Husum gestartet

Wie können Verbraucher erneuerbare Energien effektiv nutzen? Das ist eine der Fragen, die auf der Messe New Energy Husum beantwortet werden soll. Etwa 150 Aussteller informieren über die Themen Energiespeicherung, Elektromobilität sowie über das Dämmen, Heizen und Stromsparen. Zu der Veranstaltung werden bis zum 20. März etwa 10.000 Besucher erwartet. Die Messe gibt es bereits seit dem Jahr 2002.

Messechef: Gesunkene Ölpreise bremsen

Die New Energy stehe in diesem Jahr unter dem Motto "Erneuerbare Energien - jetzt erst recht", sagte Messechef Peter Becker. Nach seinen Worten erzeugen immer mehr Menschen vor Ort saubere Energie und speichern diese - auf privater, kommunaler und gewerblicher Ebene. "Häuser werden zu Kraftwerken, E-Autos erobern den Markt, Wärme-Erzeugung durch Ökostrom ist längst Realität." Die Hersteller, Projektentwickler, Dienstleister und Finanzierer befinden sich laut Becker jedoch in einer schwierigen Phase: "Es ist bei den derzeitigen Ölpreisen schwierig, die erneuerbaren Energien wirtschaftlich darzustellen." Die Folge: Es lohnt sich finanziell nicht mehr so stark, Häuser besser zu dämmen oder sich Elektroautos zuzulegen. Außerdem seien die Förderbedingungen verändert worden, und zwar in der Regel zum Nachteil der Branche, sagte Becker.

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Sonne, Wind und Wasserstoff

Auf der "New Energy" in Husum zeigen 150 Aussteller, wie sie sich eine Zukunft ohne Strom aus Kohle und Atom vorstellen. Neben Windkraftanlagen können Besucher auch Eletroautos bewundern. Bildergalerie

Hersteller werben für Kraft-Wärme-Kopplung

Auf der Messe werben auch die Hersteller von Heizungen für ihre neuen Modelle. Die können demnächst nicht nur Wärme, sondern gleichzeitig auch Strom erzeugen. Das ist Kraft-Wärme Kopplung - wie es sie etwa auch bei den Flensburger Stadtwerken gibt. Durch die neue Brennstoffzellentechnik funktioniert das künftig aber auch autark und klein - ohne Fernwärmenetz und ohne großen Platzbedarf im Heizungskeller. Erdgas wird dabei in Wasserstoff gewandelt, erklärt Jochim Kallsen aus Busdorf, der Gebietsleiter des Herstellers Senertec für dieses Konzept: "Bei der klassischen Herstellung von Strom - Kohle oder Atom - gehen 66 Prozent der Energie in Form von Wasserdampf verloren. Bei unserer Technologie ist es so, dass wir nahezu 100 Prozent der Energie nutzen in dem Gebäude. Aus Gas werden Strom und Wärme."

Speicher bilden virutelles Netz

Für Photovoltaikanlagen werden zunehmend Batteriespeicher interessant. Denn es rentiert sich bei neu installierten Anlagen inzwischen mehr, die Energie selbst zu nutzen, als sie ins Netz zu speisen. Dazu muss dann die Sonnenenergie vom Tag für den Abend gespeichert werden. Doch mit solch einem Akku lässt sich noch mehr erreichen, erklärt Elektroinstallateur Albert Klaas aus Albersdorf. Die Speicher können sich vernetzen und werden so zu einem virutellen Kraftwerk. "Wenn genügend Speicher vorhanden sind, dann wird aus Überschuss aus den Windkraftanlagen - eh die wieder abgeschaltet werden - der Speicher geladen", erklärt Klaas. "Und wenn wir zu wenig Wind und Sonne hier im Norden haben, werden die Speicher ins Netz entladen und unterstützen die Netzqualität."

Mit Kompost Wasser erwärmen

Der gemeinnützige Verein "Native Power" aus Hannover stellt auf der Messe physikalische und biochemische Prozesse vor, mit denen Strom und Wärme auch ohne Sonne und Wind hergestellt werden können. Unter anderem wird gezeigt, wie ganz ohne Strom nur mit Kompost bis zu 70 Grad heißes Wasser erzeugt werden kann. Außerdem werden Lehmziegel hergestellt und erklärt, wie Biogasanlagen im Kleinformat funktionieren und wie mit Holzgas gekocht oder geheizt werden kann.

Gülle stinkt nicht mehr

Auf der Husumer Messe geht es auch um Gülle. Ein Aussteller zeigt, wie Landwirte durch Zugabe von Holzkohle, Mineralstoffen und Sauerstoff stinkende Gülle geruchsfrei machen können. Für Kinder und Jugendliche gibt es Outdoor-Parcours mit E-Fahrzeugen sowie diverse Mitmach-Stationen zum Thema Energiewende.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.03.2016 | 12:00 Uhr