Stand: 23.03.2016 20:04 Uhr

Erdkabel für die Ostküstenleitung: Ein Experte warnt

Sie sind später nicht zu sehen, verschandeln somit keine Landschaften - und Angst vor Elektrosmog muss man bei ihnen auch nicht haben: Erdkabel gelten für viele als Alternative zu Hochspannungsleitungen. Bei den betroffenen Anwohnern ist weniger Widerstand zu erwarten - und deshalb plant auch der Netzbetreiber Tennet, Teile seiner Trasse Suedlink oder der Ostküstentrasse unterirdisch zu verlegen. Auch die Bundesregierung stimmte zu, dass ein Teil der Leitung unterirdisch verlaufen darf. Doch Professor Rainer Horn vom Institut für Pflanzenschutz und Bodenkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) warnt. Unterirdische Kabel können viel Schaden anrichten, sagt er.

Erdkabel doch nicht so harmlos?

Das Problem: Wasseradern werden zerschnitten, die Bodenstruktur zerstört. Und : Nach den Bauarbeiten bleibt ein bis zu 30 Meter breiter Schutzstreifen zurück, der nicht bepflanzt werden kann. Der größte Knackpunkt: Um die Erdkabel herum entsteht eine Wärme von rund 70 Grad. "Das führt dazu, dass der Boden stärker austrocknet" - auf diesen Böden würde kaum noch etwas wachsen, warnt Professor Horn. Landwirte, wie Tile Abel aus Henstedt-Ulzburg, rechnen mit massiven Produktionseinbußen. "Wichtig sind feuchte Böden, damit die Wärme nach unten abgeleitet werden kann", betont Horn.

Kritik: Tennet guckt nicht nach geeigneten Böden

Der Kieler Uni-Professor übt scharfe Kritik an Tennet: "Tennet hat die Trasse vorher festgelegt und hat nicht dabei aufgepasst, welche Böden wirklich vorhanden sind. Man hätte mit ganz einfachen Verfahren die Eigenschaften der Böden definieren müssen", findet Horn. Derzeit prüft Tennet laut dem Schleswig-Holstein Magazin für die Ostküstenleitung mehrere mögliche unterirdische Routen zwischen Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) und Göhl (Kreis Ostholstein). Hauptsächlich sind es landwirtschaftliche Flächen. Das Hauptkriterium des Netzbetreibers ist dabei der Abstand zu Wohngebäuden, nicht die Beschaffenheit des Bodens.

Erst steht die Trasse fest - dann wird der Boden untersucht

Horn war 2011 schon an einem Erdkabel-Modellversuch in Ostfriesland beteiligt. Auch damals habe Tennet erst die Trasse festgelegt und sich dann die Böden angeschaut, kritisiert er. Und wie steht es um die Erdkabelbereiche für die Ostküstentrasse? Tennet will erst frühestens Anfang Juni ausführlich den Boden untersuchen lassen, wenn die endgültigen Erdkabeltrassen feststehen.