Stand: 19.01.2016 20:56 Uhr

Ein bisschen Kieler Woche nur für die Kanzlerin

von Daniel Kummetz

Diese Durchsage ist für die Soldaten auf der Korvette "Braunschweig" wahrlich keine Überraschung - aber doch etwas Besonderes: "Wir haben die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland an Bord." So tönt es am frühen Dienstagnachmittag aus Lautsprechern über das Schiff. Für den Besuch von Angela Merkel hat sich der Marinestützpunkt in Kiel-Wik natürlich herausgeputzt, und die Korvette wurde extra von Warnemünde in den Tirpitzhafen beordert. Sie gehört eben zu der modernsten Einheit der Marine - also soll sie auch der Regierungschefin präsentiert werden. Es ist nicht das einzige Spezial-Arrangement der Einsatzflottille 1 für Merkel: Zu ihrem präzise durchgeplanten, zweistündigen Programm gehören auch Show-Einlagen von Minentauchern und Kampfschwimmern, wie es sie so oder ähnlich nur bei Tagen der offenen Tür oder der Kieler Woche gibt.

Empfang mit Pfeifen

Doch Merkels Kurzbesuch beginnt mit einem kurzen Spaziergang, 500 Meter die Tirpitzmole entlang. Die Kanzlerin erscheint pünktlich um 14 Uhr, auch wenn sie kurzfristig umdisponieren musste. Wegen des Schneefalls konnte die CDU-Chefin nicht mit einem Hubschrauber einschweben. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause (59), und der Kommandeur der Einsatzflottille 1, Kapitän zur See Jan Kaack, erzählen Merkel und ihrem Gefolge Einzelheiten zu den Schiffen, die an der Mole liegen - auch zur "Werra", die jüngst im Mittelmeer im Einsatz war, um Flüchtlinge zu retten. Mitglieder der Besatzung dieses Tenders werden später Gelegenheit bekommen, persönlich mit Merkel reden. Immer wieder, wenn sich die Kanzlerin und ihr Tross einem Schiff nähern, schrillt eine Pfeife. Die Besatzungsmitglieder drehen sich dann zum militärischen Gruß gen Kanzlerin, bis der Befehl ertönt: "Rührt euch!"

Kampfschwimmer klettern zu Merkel aufs Schiff

An Bord der "Braunschweig"entschwindet Merkel zu Gesprächen mit Führungskräften und besichtigt die Brücke. Auf dem Achterdeck posieren Minentaucher und Kampfschwimmer in voller Montur, mit Waffen und Nachtsichtgeräten. Eine Unterwasserdrohne, die in flachen Gewässern nach Minen suchen kann, liegt auf einem Tisch. Als Merkel dann wieder an Deck auftaucht, beginnt nach kurzen Gesprächen eine Show, die als "dynamische Vorführung" bezeichnet wird: Minentaucher fahren rasant in einem Schlauchboot vor, drehen direkt vor der "Braunschweig" bei und lassen eine Drohne ins Wasser. Dann folgen die Kampfschwimmer: Auch sie kommen per Schlauchboot, machen an der Korvette fest und entern das Schiff. Zwei Soldaten klettern die Bordwand hinauf und begrüßen Merkel. Krause und Kaack erläutern die Übungen, und Merkel spricht noch kurz mit den Soldaten. Eine ihrer Fragen lautet dabei, wie die Marine denn so ausgestattet sei im Vergleich zu anderen Nationen. "Da sind wir vorn mit dabei", antwortet ihr einer der Soldaten.

Keine Versprechungen, aber ein Wunschzettel

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Dann entschwindet Merkel ins Innere des Schiffs, diesmal in den Hangar. Dort spricht sie auch mit "einfachen" Soldaten, nicht öffentlich. Doch Teilnehmer erzählen hinterher, dass es um die Flüchtlingseinsätze der Marine gegangen sei und auch um Materialprobleme. Merkel habe zwar keine Versprechungen gemacht, aber Fragen und Wünsche der Soldaten mitschreiben lassen.

Lob für Soldaten, Werbung für die Bundeswehr

Ihre Gesprächspartner und Spezialkräfte rücken anschließend eng zusammen, zu einem sogenannten Familienfoto. Die Soldaten warten einige Minuten - dann gesellt sich die Kanzlerin dazu, formt ihre Hände zur inzwischen berühmten Raute, lächelt und sagt: "Jetzt müssten alle drauf sein." Dann tritt sie nach vorn und gibt vor Mikrofonen eine kurze Erklärung ab. Sie lobt die Arbeit der Soldaten, insbesondere bei internationalen Einsätzen wie der Rettungsaktion für Flüchtlinge im Mittelmeer: "Das war für mich auch eine Möglichkeit, Dankeschön zu sagen für die Arbeit der Beschäftigten der Marine, aber auch der Soldatinnen und Soldaten, die hier - sei es in Spezialkräften, sei es als Besatzung, sei es in anderen Verwendungen - ihren Dienst tun." Und dann macht Merkel noch ein bisschen Werbung für die Bundeswehr. Die biete spannende Berufsfelder und gute Karrierechancen.

Fragen von Journalisten beantwortet Merkel an diesem Dienstag nicht - weder zu ihrem Besuch in Kiel noch zu wichtigen politischen Themen. Stattdessen verlässt die Bundeskanzlerin mitsamt Gefolge das Schiff, Limousinen warten schon. Dann nur noch eine knappe Lautsprecher-Durchsage: "Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist nun von Bord".

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.01.2016 | 22:00 Uhr