Stand: 28.02.2016 09:57 Uhr

Die Torpedo-Tester von Eckernförde

von Frank Hajasch

Freundlich lächelnd und absolut entspannt: So grüßt Markus Wenner an diesem Morgen. Gute Voraussetzungen. Immerhin arbeitet der 43-Jährige direkt an den Torpedos. Da kann eine ruhige Hand nicht schaden. Es ist eine riesige Halle, in der er steht. Hinter dem gut gesicherten Tor der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 71 liegt sie direkt an der Eckernförder Bucht. Um da reinzukommen, muss Markus Wenner sich jedes Mal ausweisen. Und auch Fotos sind nicht erlaubt: Sicherheitsbereich!

Torpedos soweit das Auge reicht

Torpedos soweit das Auge reicht

"In diesem Gebäude werden die Torpedos für den Schuss klargemacht, geprüft und später nachbereitet", sagt er. "So ein Torpedo hat zum Beispiel einen Elektroantrieb mit Batterie. Die muss im Anschluss immer geladen werden!" Torpedos - da denkt jeder sofort an Krieg, an Explosionen, an den Untergang von Schiffen. Aber das sind Gedanken, die sich Wenner zumindest hier nicht macht. Was ihn interessiert, sind Physik und Technik: Wie gleitet ein Körper leise unter Wasser? Wie lange kann er da bleiben? Wie lässt er sich steuern? Der studierte Elektroingenieur hat darauf Antworten gefunden. "Mein Job sind die Sensorik und Elektronik. Wobei ich mich um die Schwergewichtstorpedos kümmere!"

Groß, schwarz, bedrohlich: der Schwergewichtstorpedo

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Das Testgebiet für die Torpedos ist 14 Kilometer lang und gut einen Kilometer breit.

Und diese Kolosse liegen eine Halle weiter - im Labor. Wer dahin will, kommt an einer kleinen Variante vorbei, den Leichtgewichtstorpedos. Sie sind etwa drei Meter lang. Geradezu elegant. All das, was man über die Großen nicht sagen kann: sieben Meter schwarzes Metall, gleichmäßig in der Länge, mit dem Habitus einer gut gedrehten Havanna. So liegen die Schwergewichtstorpedos auf kräftigen Böcken. "Bis sie so aussehen und ausgeliefert werden, vergehen aber etliche Stunden. Jedes Einzelteil wird getestet. Modul für Modul!" Auch heute sind Wenners Kollegen am Schrauben. Dabei sieht es weniger nach Autowerkstatt aus, eher IT-Labor. Aus den einzelnen Segmenten hängen Kabel raus. Rechnerplatinen sind zu sehen und blinkende Elektronik. Markus Wenner zum Aufbau: "Hinten ist das Vortriebsrad, dann kommen Motor und Elektronik. Aber der Großteil ist einfach die Batterie!" Und Sprengstoff? Wenner lacht. Vorne am Kopf gebe es noch Sensoren. Da, wo der Torpedo orange leuchtet, damit die Techniker ihn unter Wasser gut sehen. "Aber knallen tut hier nix. Wir sind eine technische Versuchsanstalt!"

Geprüft und für gut befunden

Gibt das Labor grünes Licht, kommen die Torpedos rüber zum Schießstand. Eine Tonne hochmodernes Metall! Die kostbare Fracht wird auf stabilen Rollwagen transportiert. Schon auf der Seebrücke sieht man, wohin sich die Mannschaft der WTD 71 orientiert: Freier Blick Richtung Osten! Irgendwo dahinten muss fast Fehmarn sein. "Na ja", lacht er. "Es geht schon aus der Eckernförder Bucht raus. Und richtig weit könnten wir auch! Aber wir haben ein Testgebiet: 14 km lang, einen Kilometer breit."

Immer schön auf die Seezeichen achten

Mit bloßem Auge sind Markierungen in der Ostsee zu sehen. Links und rechts, bis ganz hinten durch: gelbe Tonnen. Werden dazu auf dem Schießstand die Sichtzeichen gehisst sind, müssen alle weg! "Wer trotzdem meint, mit seiner Yacht durch zu müssen, wird von Marinebooten freundlich daran gehindert."

Das Herzstück der Versuchsanlage: der Schießstand

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Zwei Rohre müssen reichen: Im Schießstand der Torpedoversuchsanstalt.

Durch ein breites graues Metalltor rollt der Torpedo in den Schießstand. Wieder ist es eine große Halle, mit viel Platz zum Rangieren. An der Stirnseite sind zwei Abschussrohre zu sehen. Davor eine Art Schlitten, über den der Torpedo reingeschoben wird. Klappe zu, Kabel angeschlossen. Und es kann losgehen! Torpedomechaniker Michael Märzke: "Sind die Torpedos in den Rohren, senken wir das Gestell ab. Wir schießen bei vier Metern unter Wasser. Viel zu sehen ist da nicht. Nur, wenn die Ostsee einen klaren Tag hat."

Weit weg und doch dicht dran

Was sich unten mit leichtem Rummeln in die Ostsee verabschiedet, bleibt natürlich unter Kontrolle. Eine Etage höher liegt der Leitstand. Hier ist ein toller Blick übers Wasser garantiert. "Mit dem Radar überschauen wir die gesamte Eckernförder Bucht. Und wo unser Torpedo dann ist, wissen wir über den Steuerdraht." Moderne Schwergewichtstorpedos hätten ein hauchdünnes Lichtleiterkabel, erklärt Märzke. Mit dem würden sie vom Abschussort gesteuert. Und das über die gesamte Strecke, bei Geschwindigkeiten von gut 50 Knoten – also fast 100 km/h!

Im Reich des Schießmeisters

Wer nah dran sein will, geht nach vorne zum Balkon. Hinter einer Glasscheibe sitzt der Schießmeister. Der hat zur Kontrolle des Testgebietes ein Fernglas in der Hand. "Wenn der Torpedo am Ende seiner Reise aufschwimmt, kann er ihn meist sofort sehen. Da hilft die orangene Leuchtfarbe", sagt Wenner. Batterie leer oder Steuerungskabel gerissen: Wie kommen die Torpedos eigentlich wieder nach Hause? Der Blick geht runter in die große Halle. Da liegen spezielle Schlauchboote. In deren Mitte packen Marinetaucher die Torpedos. Mitten in der Ostsee, bei jedem Wetter! "Sind eben harte Kerle", lacht Markus Wenner.

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