Stand: 30.07.2017 11:55 Uhr

"Die 'Peking' braucht dringend Erste Hilfe"

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Peter Sierk, Geschäftsführer der Peters Werft: "Die Instandsetzung dieses Schiffes ist eine Herausforderung".

Als Museumsschiff war der Viermaster "Peking" mehr als 40 Jahre lang vielen Stürmen im Hafen von New York schutzlos ausgeliefert. Jetzt soll der Flying-P-Liner zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden. Zuvor muss die "Peking" grundsaniert werden. Dieser Millionenauftrag ging an die Peters Werft in Wewelsfleth (Kreis Steinburg). Dort sei inzwischen das "Peking-Fieber"ausgebrochen, sagt Werftgeschäftsführer Peter Sierk im Interview.

Welchen Stellenwert hat der Auftrag für die Peters Werft?

Peter Sierk: Es ist schon ein besonderes Schiff, weil die "Peking" schon lange nicht mehr in Deutschland war. Für uns ist es aber ein ganz normaler Auftrag, den wir gewissenhaft abarbeiten werden. Das Reparaturgeschäft ist unser Kerngeschäft, neben Neubauten und Umbauten. Und wir haben pro Jahr zwischen 50 und 60 Reparaturen und Umbauten.

Wie schwer ist die "Peking" beschädigt?

Sierk: Die "Peking" ist seit über 70 Jahren nicht mehr gehegt und gepflegt worden. Sie lag jetzt 40 Jahre in New York im schlechtesten Wetter und ist überhaupt aus finanziellen Gründen nicht instandgesetzt worden. Wir bekommen daher ein Schiff, das Erste Hilfe richtig nötig hat.

Die "Peking" soll in den Zustand von 1927 versetzt werden. Damals war sie als Frachtsegler zwischen Hamburg und Chile im Einsatz – was muss dafür umgebaut werden?

Sierk: Die "Peking" war ja nach ihrer Zeit als Frachtsegler in England ein Schulschiff für schwer erziehbare Kinder. Da sind also neue Decks und Schlafräume eingebaut worden. Die gab es früher nicht, als die "Peking" noch ein Frachtschiff war. Also wird vieles von dem, was damals billig eingebaut wurde und inzwischen verrottet ist, einfach herausgerissen, damit sie wieder den Frachtsegler darstellt, der sie einmal war.

In drei Jahren soll die "Peking" zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden. Was sieht das Restaurierungskonzept vor?

Sierk: Das Schiff kommt und wir nehmen zuerst alle Masten herunter, die sind einfach zu rott. Dann wird das Schiff eingedockt und die Stahlstruktur erneuert, Löcher werden ausgebessert und der Beton beseitigt. Dann kommt der Stahl wieder ran, das Schiff verlässt das Dock, die Takelage und Farbe kommt rauf und dann geht's nach Hamburg. Das ist kein Hexenwerk.

Was ist die größte Herausforderung für die Peters Werft?

Sierk: Es ist ein sehr altes Schiff, dessen Materialien nicht mehr in dem Zustand sind, den man gerne hätte. Das heißt: Die Instandsetzung dieses Schiffes an sich - sodass es für die nächsten 20 oder 30 Jahre im Hamburger Museumshafen liegen kann - ist die Herausforderung.

Gibt es Materialien, die für die Restaurierung gebraucht werden aber nur schwer erhältlich sind?

Sierk: Nee, das Schiff ist ja über 106 Jahre alt. Da kommt rein, was früher drin war - Stahl und Holz, ansonsten nichts Besonderes.

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Was begeistert Sie an der "Peking"?

Sierk: Na, es ist ein Schiff mit Geschichte und hier rufen am Tag unzählige Menschen an, die schon mal auf irgendeinem Frachtsegler waren oder deren Vater auf der "Peking" gesegelt ist und alle wollen dieses Schiff erleben. Gestern hat mich jemand aus Südbayern angerufen. Der ist mal auf der "Gorch Fock" gesegelt und hat sich schon eine Unterkunft in Wewelsfleth gemietet - einfach nur um das Schiff zu sehen. Die Menschen, die Traditionssegler mögen, sind infiziert von dieser Mutter aller Schiffe und kommen von überall her - selbst die Bayern. Man muss sagen, je länger man mit diesem Schiff zu tun hat, desto mehr wird man auch von diesem Schiff infiziert. Es ist nicht irgendein Schiff, was jetzt reinkommt. Es ist die "Peking" und die war jetzt über 85 Jahre nicht in Deutschland und jetzt kommt sie zu uns. Wir sind schon ein bisschen stolz und wollen gute Arbeit leisten. Also richtig, richtig gut!

Viele Werften wollten die "Peking" restaurieren, was können Ihre Schiffbauer besonders gut?

Sierk: Die sind schon seit Wochen mit dem "Peking-Fieber" infiziert und haben "Peking"-Tagebücher und Handbücher gelesen und leben dieses Projekt. Dieser Effekt, der hier bei dieser Werft besonders stark ist, sich für die Werft und für dieses Projekt einzusetzen, führt dazu, dass die Menschen alle mit Herzblut dabei sind und das hat sich im Restaurierungskonzept widergespiegelt. Am Ende mussten die Schiffseigner sagen: Da müssen wir hin, da kriegen wir das beste Schiff wieder.

Zwei Schlepper sollen die "Peking" nach Wewelsfleth verholen und dafür muss das Störsperrwerk passiert werden. Ist das eine kritische - weil enge - Stelle bei der Überführung auf der Stör?

Sierk: Nee, das Schiff ist ja nur knapp 15 Meter breit und 115 Meter lang. Das Störsperrwerk hat eine Breite von 22 Metern - da kommen wir also gut durch, das passt alles.

Das Interview führte Kai Salander, NDR 1 Welle Nord.

Überführung der "Peking" am Mittwoch

- 6:30 Uhr: Aufschwimmen der "Peking", Festmachen des Bug- und Heckschleppers
- 7:30 Uhr: Schlepp von Brunsbüttel zum Störsperrwek
- 11:30 Uhr: Passage Störsperrwerk mit Einsetzen des ablaufenden Wassers
- 12:30 Uhr: Ankunft in Wewelsfleth, Festmachen der "Peking" an der Ausrüstungspier der Peters Werft

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.07.2017 | 18:00 Uhr

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