Stand: 20.02.2014 18:50 Uhr

"Der echte Norden" - Geschmackssache wie Brokkoli?

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Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer ist es höchste Zeit für eine Marketing-Dachmarke.

Wirbt der Slogan "Der echte Norden" angemessen für Schleswig-Holstein? Wirbt er überhaupt für Schleswig-Holstein? Ist er ein Hingucker oder doch eher eine Lachnummer? Im Landtag hat der von der Regierung angedachte Werbespruch eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die FDP scheiterte an der Mehrheit von SPD, Grünen und SSW mit der Forderung, die Kampagne unverzüglich einzustellen. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer verteidigte das Marketing vehement. "Wir sind der echte Norden", so Meyer. Profis hätten den Slogan entwickelt und zuvor entsprechend dessen positive Wirkung auf Menschen untersucht. Andere Bundesländer hätten eine solche Dachmarke zudem schon längst. Das Standortmarketing solle helfen, das Profil des Landes zu schärfen.

Die FDP hat eine sinnleere Alternative parat

Zunächst einmal sorgte der Spruch im Kieler Landeshaus aber für eine Debatte der etwas anderen Art. Die FDP hält die Dachmarke für peinlich. Oliver Kumbartzky schlug als Alternative "Schleswig-Holstein - der starke Norden" vor. Das sei genauso sinnleer, "aber ich würde dafür kein Geld nehmen". Die bisherigen Kosten bezifferte die Landesregierung mit 220.000 Euro. Insgesamt sind für das Standortmarketing 500.000 Euro im Etat des Wirtschaftsministeriums vorgesehen. "Geldverschwendung", fand der Pirat Patrick Beyer. Die Reaktion von Flemming Meyer (SSW): Ohne Standortmarketing gehe es nicht. Über den Slogan "Der echte Norden" könne man zwar durchaus streiten - "über den Geschmack von Brokkoli aber auch".

So werben andere Bundesländer für sich

  • Niedersachsen

    Auf den Autobahnschildern steht "Immer eine gute Idee". Früher lautete der offizielle Slogan: "Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken."

  • Mecklenburg-Vorpommern

    "MV tut gut" ist seit 2004 der Titel des Landesmarketings.

  • Bremen

    "Bremen erleben" ist der Spruch des Marketings der Hansestadt.

  • Baden-Württemberg

    "Wir können alles außer Hochdeutsch" - so wirbt seit 1999 die Regierung Baden-Württembergs für ihr Land.

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Arp glaubt nicht ans neue Wir-Gefühl

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Glaubt nicht an ein stärkeres Wir-Gefühl durch die Kampagne: Hans-Jörn Arp von der CDU.

Hans-Jörn Arp von der CDU hält die Kampagne für überflüssig. "Ich glaube nicht, dass die Dachmarke zu einem stärkeren Wir-Gefühl führt", sagte Arp. Außerdem sei sie bei den norddeutschen Nachbarn auf Skepsis und Kritik gestoßen. Olaf Schulze (SPD) hielt dagegen, dass die Opposition das Land schlecht rede. "Wir sind in vielen Dingen echt gut", so Schulze. Die Regierung verspricht sich vom "echten Norden" eine stärkere Werbewirkung nach außen und eine höhere Identitätsstiftung für die Menschen im Land.

Ausländer lesen: "Germany's true North"

Als nördlichstes Bundesland verbinde Schleswig-Holstein Deutschland mit Skandinavien und könne so für sich selbstbewusst proklamieren, der "echte Norden" zu sein, heißt es aus den Regierungsreihen. Wenn die Werbewirkung nach außen funktioniert und Menschen im Ausland demnächst Informationen über Schleswig-Holstein suchen, werden sie übrigens auf die englische Version von "Der echte Norden" treffen: "Germany's true North".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.02.2014 | 20:00 Uhr