Stand: 17.03.2016 18:50 Uhr

Der Röhrer wird in Südtondern zum Störer

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Werner Junge erklärt, warum Rotwild aus Dänemark Südtondern erobert.

Der Norden des "echten Nordens" ist Südtondern. Und dort gibt es nun ein Problem: Immer mehr Hirsche aus Dänemark ziehen nach Süden und suchen dort eine neue Heimat. Oben links in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gibt es zwar eigentlich viel Platz - jedoch wenig Wald. So werden die prächtigen Tiere dort inzwischen als Röhrer und als Störer wahrgenommen.

Königreich wird zu eng

Die Geschichte beginnt dabei mit einer wirklich guten Nachricht. Unsere dänischen Nachbarn wollten mehr Rotwild. Sie schränkten daraufhin die Jagd ein - und verschonten vor allem die Kühe. Die schlechte Nachricht: Es klappte. Inzwischen gibt es auf der jütischen Halbinsel wieder so viele Hirsche, dass es ihnen nun im Königreich zu eng wird. Asyl suchen sie südlich der Grenze, eben in Südtondern.

Bis zu 25 Kilogramm Grünzeug

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Auf der jütischen Halbinsel gibt es so viele Hirsche, dass sie nach Schleswig-Holstein kommen.

Erst kamen nur einige Junggesellen, dann folgten ein paar Kühe - und die Natur nahm ihren Lauf. Nun sind auch immer mehr Kälber da. Wunderbar scheint das auf den ersten Blick. So ein Hirsch ist doch ein prächtiges Tier, so prächtig, dass er in Öl und kräftig röhrend lange die Wände vieler Wohnzimmer zierte. Der große Vorteil der Öl-Hirsche: Sie fangen nur Staub. Der echte Hirsch und Wiederkäuer in der freien Wildbahn braucht dagegen pro Tag bis zu 25 Kilogramm Grünzeug, um satt zu werden. Ein großer Anteil davon ist Rinde von Laubbäumen. Und gerade daran mangelt es in Südtondern, weil es kaum Wälder gibt. Die Folge: Viele der wenigen Ulmen und Linden in Südtondern haben kaum noch Rinde.

Ein Zaun als Lösung?

So groß die Freude über den Zulauf der Hirsche ist, die Jäger sind auch Heger des Waldes und deshalb sicher: Es muss mehr gejagt werden, damit der wenige Wald noch eine Chance hat. Weil es jedoch lange kein Rotwild gab, dasselbe erstens scheu und zweitens auch wohl etwas verschlagen ist, ist es den Waidmännern bisher nicht gelungen, den Zuwachs einzudämmen.

Das mag, und das räumen die Jäger durchaus ein, auch daran liegen, dass es in Südtondern an Praxis in der Hirschjagd fehlt. Das Problem ist also groß - und natürlich sind alle hin- und hergerissen. Es könnte sein, dass es keine Alternative dazu gibt, auch für die tierischen Asylbewerber eine Willkommenskultur zu entwickeln. Die Alternative wäre ein Zaun an der Grenze - und den will bei uns natürlich niemand.

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