Stand: 02.09.2017 12:30 Uhr

Der Erste, der den Superlaser nutzen darf

von Tobias Senff

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Nur noch zwei Wochen, dann werden Forscher Lars Redecke und sein Team der Universität zu Lübeck als Erste an der Röhre forschen.

Ein Korken fliegt durch das Forschungsbüro des European XFEL. 40 Meter unter der Erde jubeln Mitarbeiter und Forscher, es gibt eine Sektdusche. Unter Schenefeld im Kreis Pinneberg feiern die Wissenschaftler am Freitag das neue Mammutprojekt. Alles lief glatt, als Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) Minuten zuvor mit einem Mausklick die weltweit leitungsfähigste Röntgenlaseranlage startete. Unter den Feiernden ist auch Lars Redecke, Professor an der Universität zu Lübeck. Seine Kollegen und er sind das erste Forschungsteam, das mit XFEL arbeiten wird. Sie werden über Alzheimer-Proteine forschen.

Noch läuft nicht alles reibungslos

"Es bleibt spannend, ob alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Wir haben die große Hoffnung, dass es keine technischen Probleme gibt", sagt der Bio-Chemiker. Eine nicht ganz unbegründete Vorsicht schwingt mit, denn kurz bevor Wanka den Knopf drückte, lief es nicht so rund für XFEL, berichtet ein Mitarbeiter: Absturz, das System konnte nicht gestartet werden, das Team arbeitete mit Hochdruck, damit beim symbolischen Mausklick nichts schief lief.

Sektkorken und polierte Scheren für European XFEL

Bei dem waren neben Wanka auch deren schleswig-holsteinische Kollegin Karin Prien (CDU), Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und verschiedene Forschungsminister aus dem europäischen Ausland dabei. Gemeinsam durchschnitten sie symbolisch ein Band zur Eröffnung. Denn XFEL ist nicht nur ein Projekt, das über Bundesländergrenzen geht, insgesamt sind elf Staaten beteiligt. Bund und Länder geben das meiste Geld für das Projekt, an zweiter Stelle folgt - weit abgeschlagen - Russland.

Zwölf-Stunden-Schichten vierzig Meter unter der Erde

Für Lars Redecke und seine sechzig Mitarbeiter wird es in rund zwei Wochen stressig. Darauf, dass die Lübecker die Pole-Position an der Röhre haben, ist er stolz. Er und seine Kollegen wollen herausfinden, welche Struktur ein sehr wichtiges Alzheimer-Protein hat. "Die Teilchen sind so klein, dass wir sie nicht einfach mit einem Mikroskop beobachten oder fotografieren können", erklärt der Wissenschaftler. Die Struktur eines Proteins ist wichtig, wenn ein neues Medikament entwickelt wird. "Wenn wir sie kennen, können wir die Funktion verstehen, dann können wir neue Wirkstoffe entwickeln."

Die Anlage in Schenefeld soll Redecke das Eintauchen in diesen Nanokosmos möglich machen. Momentan laufen in den Labors der Universität die Vorbereitungen für die Forschung. Die Zeit mit dem Röntgenblitzer in Schenefeld ist für die Wissenschaftler knapp bemessen, sie haben nur wenige Tage Zeit, dann müssen sie ihren Platz an der Röhre räumen. In der wollen sie jede Minute nutzen. "Wir werden in Zwölf-Stunden-Schichten arbeiten. Die Anlage muss ja erst genau für uns eingestellt werden", erklärt Redecke.

27.000 Blitze pro Sekunde

Die Ausmaße von XFEL sind gewaltig. In einem 3,4 Kilometer langen unterirdischen Tunnel zwischen Hamburg-Bahrenfeld und der Experimentierhalle in Schenefeld werden Elektronen fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, damit ein einmaliges Röntgenblitzlichtgewitter erzeugt werden kann. 27.000 Blitze pro Sekunde machen es Redecke und seinen Mitarbeitern möglich, ein dreidimensionales Abbild der zu untersuchenden Proteine zu bekommen. Die Anlage funktioniert vereinfacht gesagt wie eine große Kamera. "Die Maschine arbeitet mit einer Röntgenstrahlung, die eine Milliarde mal intensiver ist als bei bisherigen Anlagen", freut sich der Bio-Chemiker.

Preise für Forscher möglich

Wegen der einmaligen Möglichkeiten der Röntgenblitzanlage rechnen Politiker und Betreiber innerhalb der kommenden Jahre mit wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch Preisen. Auch Lars Redecke glaubt, dass er und andere hier beteiligte Forscher spannende Dinge herausfinden werden. Aber jetzt wird noch ein bisschen gefeiert, bevor die Experimente starten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.09.2017 | 00:00 Uhr

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