Stand: 27.06.2015 13:55 Uhr

Dem Jakobskreuzkraut geht's an den Kragen

von Julian Marxen

Eigentlich sollen die Wildwiesen der Stiftung Naturschutz in Ruhe gelassen werden: kein Spritzen, kein Düngen, kein häufiges Mähen. So sollen die Pflanzenvielfalt und damit wichtige Refugien für Insekten, Vögel und andere Tiere geschützt werden. Das Problem: Gerade hier kann das giftige Jakobskreuzkraut (JKK) prächtig gedeihen und sich ungestört vermehren. Nach Angaben der Stiftung Naturschutz sind inzwischen rund 1.000 Hektar der eigenen Ländereien von dichtem JKK-Bewuchs befallen, eine Fläche so groß wie 1.400 Fußballfelder. Kritiker werfen der Stiftung sowie der Politik vor, über Jahre nicht energisch genug gegen das Jakobskreuzkraut vorgegangen zu sein und somit auch eine Mitschuld an der rasanten Ausbreitung zu tragen.

Versäumnisse der Vergangenheit

Auch auf der Weide von Pächter Richard Kiene in Wangels im Kreis Ostholstein gab es in der Vergangenheit offenbar Versäumnisse. "Lange", sagt Kiene, "wurde aus Naturschutzgründen erst ab Mitte Juli gemäht." Zu einem Zeitpunkt also, zu dem das Jakobskreuzkraut schon in Saat steht. Mittlerweile hat das JKK auf vielen Flächen überhandgenommen - deshalb jetzt die Mähoffensive. Mit einem Exakthäcksler wird der giftigen Pflanze auf Kienes Weide zu Leibe gerückt. Ein vergleichsweise hoch angesetzter Schnitt beim Mähen soll kleinere Gräser und Pflanzen verschonen. So bleibt ein noch immer ausreichendes Angebot an Blüten etwa für Bienen und Hummeln erhalten. Der eigentliche "Feind", das Jakobskreuzkraut, aber wird geköpft, gehäckselt und landet dann geschreddert im Anhänger des Treckers. Im unwegsamen Gelände muss die ganze Pflanze von Hand aus dem Boden gezogen werden.

Was ist das Jakobskreuzkraut?

Das Jakobskreuzkraut ist eine alte heimische Wildpflanze. Sie ist giftig, breitet sich schnell aus und ist eine große Gefahr für Weidetiere. Gewöhnlich meiden Pferde und Rinder die Pflanze, weil sie so bitter schmeckt. Probleme gibt es aber dann, wenn die Giftstoffe ins Heu gelangen. Auch dem Menschen kann das Jakobskreuzkraut schaden. Wenn Bienen aus der Pflanze Nahrung aufnehmen, können die giftigen Stoffe auch in den Sommerhonig gelangen. Naturschützer bemühen sich trotzdem um eine Duldung der Pflanze. Ihrer Meinung nach leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Der Bauernverband in Schleswig-Holstein fordert dagegen, das Kraut müsse intensiver bekämpft werden.

Chemische Mittel für Habeck keine Option

Umweltminister Robert Habeck hat sich in Wangels zeigen lassen, wie mit dem Problemkraut umgegangen wird. Er sieht Schleswig-Holstein als Vorreiter im Kampf gegen das JKK. Es gebe wohl kein anderes Bundesland, das so energisch gegen das Jakobskreuzkraut vorgehe, so Habeck. Trotzdem will der Minister keine Bekämpfung um jeden Preis. Oberste Prämisse im Kampf gegen die Plage ist nach Ansicht des Grünen-Politikers die Naturverträglichkeit. Das sieht der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz, Walter Hemmerling, genauso. "Manche, wie zum Beispiel der Bauernverband, fordern den Einsatz der Giftspritze. Das lehnen wir natürlich ab, weil dann die ganzen Naturwerte, die wir in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen haben, wieder verloren gehen."

JKK-Gift auch im heimischen Honig

Die Giftstoffe im Kraut, die sogenannten Pyrrolizidinalkaloide (PA), sind hochgradig leberschädigend. Auf einer Weide in Neustadt hatte ein verendetes Rind typische Symptome einer JKK-Vergiftung gezeigt. Aber auch für Menschen kann das JKK gefährlich, ja sogar krebserregend sein. Über Bienen können die PA in unseren Honig gelangen. Eine in Eutin gegründete Anti-JKK-Initiative aus Imkern, Jägern, Landwirten und Vogelschützern lässt über die gesamte Saison Honigproben aus Ostholstein auf das Gift untersuchen. Aufgrund erhöhter Belastungswerte hatten einige Imker ihren Sommer-Honig aus dem vergangenen Jahr nach eigenen Angaben bereits vernichten müssen.

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