Sendedatum: 14.02.2016 18:05 Uhr

Dank Opas Rezept erfolgreich mit Biofleisch

von Rebekka Merholz

Der Wind pfeift über den Exerzierplatz in Kiel und Regen peitscht gegen die Zeltplanen der Marktbeschicker. Nur wenige Besucher verirren sich an diesem ungemütlichen Morgen auf den Wochenmarkt. Tristesse auch in den Gesichtern der meisten Händler. Mit roten Nasen und dicken Schals warten sie auf Kundschaft. Hochbetrieb dagegen am Verkaufswagen der Bioschlachterei Muhs aus Krummbek im Kreis Plön.

Ansturm auf Biofleisch auf dem Wochenmarkt

Hackfleisch, Speck und Sonderwünsche

Zwei Packungen gemischtes Hackfleisch hier, ein halbes Kilo durchwachsener Speck da. Aber bitte nicht das Endstück. Ach ja, und in dünne Scheiben geschnitten.

Mit einem Lächeln erfüllen Rainer Muhs und seine Mitarbeiterin Gudrun Sapia sämtliche Sonderwünsche der Kunden in der langen Schlange. "Heute ist der Andrang noch vergleichsweise gering. Samstags ist immer der Bär los, da sind wir mit vier Leuten hier im Verkaufswagen", ruft Muhs über die Theke, während er schon wieder Wurst abwiegt, einpackt und kassiert.

Lieber weniger und wissen, woher es kommt

Auch Studentin Jessica hat sich angestellt, trotz des schlechten Wetters. Alle zwei Wochen kauft sie hier ihr Fleisch. "Ich habe auch mal eine Zeit lang vegetarisch gelebt, aber mittlerweile esse ich auch ab und zu wieder gerne Fleisch", berichtet die 27-Jährige. Aber nicht aus dem Supermarkt. "Mir ist es wichtig, dass ich weiß, wie die Tiere gelebt haben. Hier das Biofleisch zu kaufen ist zwar teurer, aber das ist es mir wert." Lieber isst sie dann insgesamt weniger Fleisch.

Teuer schreckt nicht ab

Das hört Rainer Muhs häufig von seinen Kunden. "Natürlich ist das Fleisch bei uns deutlich teurer als im Supermarkt", so der Biolandwirt, "aber die Kunden schätzen das wert. Ich hatte noch nie jemanden, der sich über unsere Preise beschwert hat", sagt er. Und bei ihm kaufen alle Altersgruppen, seit einigen Jahren zunehmend auch Studenten und junge Familien. Rainer Muhs vermutet, dass die vielen Lebensmittelskandale dazu beigetragen haben, dass sich mehr Menschen Gedanken darüber machen, was sie essen.

Großvater wollte Klasse statt Masse

Im Verkaufswagen auf dem Markt gibt es alles - von Schweineschwänzen über Filet bis zur Wurst. "Wir schlachten die Tiere selbst und verwerten sie komplett", erklärt Biolandwirt Muhs. Insgesamt hält er auf seinem Hof in Krummbek rund 350 Schweine und 30 Rinder – und das schon in der dritten Generation. "Als damals die Großbetriebe aufkamen, sind meine Eltern bewusst nicht mit dem Trend gegangen", sagt er. Schon sein Großvater habe immer gepredigt, lieber auf Qualität, statt auf Masse zu setzen. Diesen Rat hat sich Rainer Muhs zu Herzen genommen und schon 1992 begonnen, auf Biofleisch umzustellen. Dass das richtig war, merkt er nun immer mittwochs und samstags auf dem Wochenmarkt.

Wenn alles weg ist, ist Feierabend

Längst hätte Rainer Muhs seinen Betrieb vergrößern können. Aber daran denkt der Biolandwirt nicht - immer den Rat seines Großvaters im Ohr. "Wir haben die optimale Größe. Pro Woche schlachten wir zwei Rinder und 15 Schweine, mehr würden wir nicht schaffen." Der 50-Jährige bewirtschaftet den Hof zusammen mit seiner Frau. Unterstützt werden die beiden von sechs Angestellten und vier Auszubildenden. Ihre Produkte verkaufen sie ausschließlich auf dem Wochenmarkt und im Hofladen. Ist alles weg, wird zugemacht. "In den letzten Jahren mussten wir auch schon mal ein paar Wochen zumachen, weil wir keine Tiere mehr zum Schlachten hatten", meint Muhs und zuckt lässig mit den Schultern.

Eine Frage der Tierhaltung

Inzwischen schieben sich immer mehr Kunden in das Vorzelt des Verkaufswagens, draußen regnet es. Eine Frau kauft ein Kilogramm Schweinefüße, für 90 Cent. "Bio muss nicht immer teuer sein", schmunzelt Muhs. Tatsächlich sind solche kleinen Beträge an diesem Tag aber eher die Ausnahme. Viele Kunden decken sich für die ganze Woche ein - und zahlen 20, 30 oder 40 Euro. "Ich habe die Nase voll von der Industrialisierung der Tierhaltung", sagt Thomas Wolfrath aus Schinkel und freut sich über sein Wurstpaket. "Sie können auch gerne mal bei uns auf dem Hof vorbeikommen und sich selbst ein Bild davon machen, wie die Tiere bei uns leben", gibt Landwirt Rainer Muhs dem Kunden noch mit auf den Weg, ehe der seine Kapuze wieder überzieht und im Regen verschwindet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 14.02.2016 | 18:05 Uhr