Stand: 16.09.2017 16:22 Uhr

"Cool!" Programmieren ist doch kinderleicht

von Dortje Harders

Emma, Clara, Tim, Leo, Arne, Lukas, Simon und Jonte - die acht Drittklässler der Fritz-Reuter-Schule in Kiel-Pries haben zwei aufregende Tage vor sich. Sie sollen in Rekordzeit zu Programmierern werden und dann das Ganze noch auf der großen Bühne zum Start der Digitalen Woche Kiel erklären und vorführen. Die meisten der Schüler haben noch kein eigenes Handy und auch mit Computern noch nicht sehr viel am Hut. Ab der dritten Klasse gibt es an ihrer Schule Computerkurse. Deshalb kam der Aufruf, sich für einen Klassensatz "Calliope-Mini"-Computer zu bewerben, wie gerufen. Schuldirektor Cay Tonner meldete seine Schule an - und wurde ausgewählt.

Crashkurs für kleine Computer-Checker

Keine Zeit verlieren im Crashkurs

Es ist 14 Uhr - und pünktlich tauchen die acht "Computer-Tester" in dem modernen Computerraum der Schule auf und verteilen sich auf die kleinen hellblauen Drehstühlchen an den zwei langgezogenen Tischen mit Monitoren und Rechnern. Zweier-Teams sollen sich nun finden. Der Crashkurs ist auf zwei Stunden angesetzt - also los! Richard Erdmann ist gemeinsam mit seinem Kollegen Josef Börding vom Fraunhofer Institut in St. Augustin bei Bonn angereist. Er bringt Kindern in ganz Deutschland das Programmieren bei - ob mit dem "Roberta"-Programm, mit dem sich Roboter basteln lassen - oder seit einem Jahr mit dem "Calliope Mini" - dem sechseckigen Mini-Computer, der in jede Kinderhand passt.

Chaos am Anfang - Erfolg nach kurzer Zeit

Die beiden Freundinnen Emma Kramkowski und Clara Lützen - beide acht Jahre alt - sind ein Team. Klar, bei so viel Männerüberschuss in diesem Computerraum müssen Frauen zusammenhalten. "Ich kann noch nix auf dem Computer", sagt Emma. Clara dagegen schon: "Wahrscheinlich habe ich das von meinem Vater geerbt", schätzt sie. Richard, der Kursleiter, gibt erste Anleitungen. Denn jetzt müssen alle Kinder die Mini-Computer erst einmal zum Leben erwecken, indem sie die Geräte mit den normalen PCs verbinden. Es wird chaotisch. Schuldirektor Tonner muss hin- und herflitzen, Passwörter soufflieren, aus Versehen geschlossene Fenster wieder öffnen. Doch auch das ist nach einer Viertelstunde überstanden. Das Programmieren funktioniere wie Puzzle-Spielen, erklärt Fachmann Richard: Man bearbeitet alles auf dem normalen Monitor - schiebt mit der Maus ein Bauteil unter ein anderes - und schon haben die Kinder einen ersten Erfolg: Der "Calliope Mini" zeigt ein kleines rotes Herz - aus lauter LED-Lämpchen.

Acht Drittklässler stehen auf einer Bühne. © NDR Fotograf: Dortje Harders

Kieler Drittklässler lernen Programmieren

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Schon die Drittklässler lernen es. Die Fritz-Reuter-Schule in Kiel-Pries hat zum Start der Digitalen Woche Kiel einen Klassensatz Mini-Computer bekommen, mit denen man das Programmieren lernen kann.

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"Wir sind richtige Profis"

Es wird weiter getüftelt. Die beiden aus der 3d , Leo Ness und Tim Kleidschun, sind schon richtig vorangekommen. Ihr "Calliope Mini" blinkt in allen möglichen Farben und piepst in den höchsten Tönen. Schuldirektor Cay Tonner guckt über die Schulter und sagt anerkennend: "Cool, wieder was gelernt." Die Jungs nicken stolz und sind sich einig: "Boah, wir sind ja richtig Profis". Cay Tonner gibt zu, dass er sich in den Sommerferien schon einen solchen Mini-Computer bestellt und fleißig geübt hat - einen Ein-Mal-Eins-Trainer und "Alle Meine Entchen" hat er programmiert.

Wenn Kinder mehr wissen als Lehrer

Die Fritz-Reuter-Schule ist - was W-Lan angeht, einigermaßen eingerichtet. In jedem Klassenzimmer könnten die Lehrkräfte ins Internet, um zum Beispiel mal ein Bild zu suchen. Aber eine komplette Klasse mit Tablets arbeiten zu lassen, das würde nicht funktionieren, meint Tonner. "Deswegen haben wir eben diesen Computerraum, damit man hier zumindest einen Raum hat, in dem stabil gearbeitet werden kann". Das Kollegium ist auch immer wieder auf Computer-Fortbildungen. Doch eine Sorge haben wohl viele, glaubt Tonner: Dass die Kinder mit ihrem Computerwissen die Lehrer schnell abhängen "und man möglicherweise auch an Punkte kommt, wo die Kinder Fragen stellen, die man dann nicht mehr beantworten kann. Das ist nach meiner Wahrnehmung der große Knackpunkt."

Pausenhof? Nein danke!

Tim könnte so ein Schüler sein, der bald mehr weiß, als seine Lehrer im Computerkurs. Eine Stunde ist rum - alle anderen gehen kurz auf den Pausenhof, um frische Luft zu schnappen und die Beine zu vertreten. Tim bleibt sitzen und fragt, ob er wohl weiterarbeiten dürfe. Er ist auch bisher der Einzige in seiner Stufe, der schon eine E-Mail-Adresse hat. Richard, der Kursleiter, erlebt es nicht zum ersten Mal, dass Kinder gleich so Feuer und Flamme sind: "Mit den Kindern zu arbeiten und innerhalb von zehn Minuten Erfolgserlebnisse zu sehen und die Kinder in den Pausen nicht aus dem Raum zu kriegen und danach auch nicht nach Hause zu bekommen, das macht einfach Freude", schwärmt der 27-Jährige.

Musik, Alarmanlage oder Schrittzähler?

Jetzt wird es Zeit, für den großen Auftritt am Sonnabend etwas zu programmieren, das dann auf der Bühne zur Eröffnung der "#diwokiel" vorgeführt werden kann. Man könnte dem "Calliope Mini" so einiges beibringen: Schritte zählen, als Alarmanlage fürs Kinderzimmer piepen, eine Melodie abspielen. Das Mädels-Team darf "Alle Meine Entchen" programmieren, Leo und Tim haben sich für eine Art piepsende LED-Lichtorgel entschieden, und zum Schluß blinkt auf ihrem kleinen Computer sogar noch ein lachender Smiley - oder ein trauriger Smiley, je nachdem welchen Knopf man drückt.

Der große Auftritt

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Im Rampenlicht. Die Drittklässler der Ernst-Reuter-Schule und Direktor Cay Tonner bekommen die "Calliope Minis" überreicht.

Sonnabend: kurz vor 18 Uhr im RBZ Wirtschaft am Westring. Die Eröffnung der Digitalen Woche Kiel naht. Die Kinder haben sich fein gemacht, die Mädels glitzern, Leo hat sogar ein Jacket an. Doch dann heißt es warten. Die Eröffnungsreden dauern. Nach einer Stunde dann ihr Auftritt. Sie dürfen mit Schuldirektor Cay Tonner auf die Bühne. Er bekommt ein großes Paket mit dem gewonnenen Klassensatz der "Calliope Minis" in die Hände. Und nun die Interviews mit den aufgeregten Kleinen. "Was habt Ihr denn gelernt?", fragt NDR Moderatorin Eva Diederich. Jonte Brinkmann versucht, den Calliope zu beschreiben: "So Sachen, die so aussehen wie Sterne." Lukas Fielitz und Arne Lüthjohann dürfen ihre Programmierung vorführen: Sie haben ihre Lieblingsfußballvereine mit den Farben programmiert - BVB - gelb - Holstein Kiel - Blau. Tosender Applaus.

Berufswunsch: Entwickler oder so

Und auch die Mädels dürfen ihre Komposition vorführen - beziehungsweise Herr Tonner übernimmt das. Nach dem piepsigen "Alle Meine Entchen" merkt Clara kritisch an, dass sie am Ende des Liedes aber noch ihre Namen einprogrammiert haben, die in LED-Schrift durchlaufen: "Das hat Herr Tonner jetzt nicht gezeigt". Sie hat die Lacher auf ihrer Seite. "Herr Tonner!", mahnt Eva Diederich grinsend. Und auch Leo und Tim dürfen noch ihre LED-Disco erklären, zum Vorführen reicht die Zeit nicht mehr. Die letzte Frage: "Was wollt Ihr später machen, irgendwas mit Computer?" Tim ist sich da schon sehr sicher: "Ja, Entwickler oder so."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 19.09.2017 | 19:30 Uhr

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