Stand: 27.09.2017 09:26 Uhr

Chronologie: Das lange Warten der Sylt-Pendler

Auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt brauchen Pendler viel Geduld und starke Nerven. Wegen defekter Kupplungen wurden bereits im November 2016 alle Waggons auf der sogenannten Marschbahn-Strecke aus dem Verkehr gezogen. Heute kommt der neue Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) nach Sylt, um mit den Pendlern darüber zu sprechen. Er ist der zweite Minister, der sich mit dem Thema beschäftigen muss. Es gab bereits viele Gespräche und viele Versprechen - einige Probleme sind aber geblieben. Wer hat wann was gesagt? Wir geben einen Überblick über die Ereignisse.

2016: Stillstand an der Westküste

6. Oktober: Ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) bleibt bei Elmshorn liegen. Einzelheiten sind zunächst nicht bekannt. Die 90 Niederflurwagen der NOB fahren zunächst weiter.

11. November: Es stellt sich heraus, dass einige Kupplungen zwischen den Waggons defekt sind. "Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Mangel auch an den Bauteilen weiterer Zuggarnituren vorhanden ist", teilt die NOB mit. Deshalb zieht das Unternehmen überraschend alle 90 Wagen aus dem Verkehr. Es stehen zwar Ersatzzüge bereit - jedoch mit weniger Plätzen als gewohnt. Pendler sind genervt: Sie berichten von überfüllten Ersatzzügen und davon, dass die Züge teilweise niemanden mehr mitnehmen - eben weil sie so voll sind. Man wolle die Probleme "bis Donnerstag oder Freitag in den Griff bekommen", sagt ein Sprecher der Nord-Ostsee-Bahn. Doch diese Ankündigung ist nicht zu halten.

Kaputte Kupplung führt zu Chaos bei der NOB

17. November: Nun schaltet sich auch die Politik ein: In einem Brandbrief über "unzumutbare Zustände" im Bahnverkehr dringen Lokalpolitiker aus Nordfriesland auf sofortige Abhilfe: "Beschaffen Sie bitte umgehend, nein sofort, mehr Trieb- und Reisezugwagen für den lebensnotwendigen Transfer in unserer Region."

18. November: Die Probleme sind Thema im Landtag. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) fordert die Bahn zum Handeln auf. "Wir haben als Landesregierung eine klare Erwartung an die Bahn, dass sie die Situation in den Griff bekommt."

21. November: Verkehrsminister Meyer besucht die Insel. Nach den chaotischen Zuständen sei es jetzt schon ganz vernünftig gelaufen, sagte er. Allerdings reiste der Minister am Mittag an. Dann fahren meist deutlich weniger Pendler. Die können nun auch auf andere Verkehrsmittel ausweichen: Morgens fährt jetzt für sie ein Bus auf die Insel. Da es keine Straße gibt, muss der Bus mit dem Autozug fahren.

5. Dezember: Mitte Dezember soll die Deutsche Bahn die Strecke übernehmen. Sie will nach eigenen Angaben alle verfügbaren Waggons in Deutschland an der Westküste einsetzen. "Es wird keine geplanten Zugausfälle mehr geben", sagt Torsten Reh von der DB Regio Nord bei einer Infoveranstaltung mit etwa 300 Pendlern in Niebüll.

2017: Viele Gespräche, wenige Lösungen

9. Februar: Verkehrsminister Meyer bekommt die Probleme im Bahnverkehr an der Westküste selbst zu spüren. Zu einem Schlichtungsgespräch mit Sylter Geschäftsleuten und Pendlern erscheint er mit 20 Minuten Verspätung. Ursprünglich sollen die Kupplungen Ende März repariert sein. "Wir wollen bis zum 6. April einen konkreten Zeitplan abstimmen", sagt Meyer auf Sylt. Die genaue Ursache für die defekten Kupplungen sei noch immer offen, bestätigt Bernhard Wewers von NAH.SH.

16. Februar: Die Einschränkungen auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland werden nach Angaben von Nah.SH vermutlich noch bis zum Herbst andauern - somit wird auch der Sommertourismus von den Problemen betroffen sein. Die defekten Wagen werden aktuell von TÜV-Gutachtern untersucht.

22. März: Vertreter von NAH.SH, DB Regio, Politik, Touristik, Unternehmen und Pendlern kommen zum Bahngipfel in Niebüll. Landrat Dieter Harssen hatte im Vorfeld der Gespräche Lösungen von den Verantwortlichen gefordert. Doch die wurden nicht geliefert.

7. April: Immer mehr Waggons, die keine defekten Kupplungen haben, kehren zurück: 16 der 90 Marschbahn-Waggons rollen wieder von Hamburg bis Sylt und sollen für Entlastung sorgen.

20. Juni: Bei einem erneuten Krisengespräch beklagen Vertreter einer Pendler-Initiative erneut, dass viele Züge verspätet, überfüllt und verdreckt seien. Laut NAH.SH sollen alle Züge Ende Oktober - also knapp ein Jahr nach dem Komplett-Ausfall - wieder regulär im Einsatz sein. Die Pendler fordern, Reisende bis dahin besser zu entschädigen und die Intercity-Züge für Kunden mit Nahverkehrsfahrkarten ohne Aufpreis freizugegeben.

26. Juli: Schleswig-Holsteins neuer Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) trifft sich auf Sylt mit Pendler und Unternehmern, um über die Situation zu sprechen.

26. September: Die Bahn muss mehr als 14 Verbindungen in Richtung Westerland ersatzlos streichen. Der Grund: Von 15 Zügen sind nach Angaben eines Bahnsprechers bis zu acht in der Werkstatt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.07.2017 | 08:00 Uhr

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