Stand: 22.01.2016 14:16 Uhr

Blüten-Rekord: Hochkonjunktur für Geldfälscher

In Schleswig-Holstein ist die Zahl der gefälschten Geldscheine stark gestiegen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) wurden im vergangenen Jahr 3.247 Blüten entdeckt. Das sind doppelt so viele wie 2014. Am häufigsten tauchten falsche Fünfziger auf (1.884 Stück), gefolgt von nachgemachten Zwanzigern (1.061 Stück). In ganz Deutschland waren es nach Auskunft der Bundesbank knapp 95.500 falsche Scheine. Nie seit Einführung des Euro-Bargeldes 2002 wurden so viele Euro-Blüten aus dem Verkehr gezogen. Der geschätzte Schaden kletterte von 3,3 Millionen auf 4,4 Millionen Euro.

Ware meistens aus Italien

Den Ermittlern macht vor allem das sogenannte Darknet zu schaffen. In diesem abgeschotteten Bereich des Internets würden die Blüten auf speziellen Verkaufsplattformen innerhalb geschlossener Gruppen vertrieben, so ein LKA-Sprecher. Im Darknet können mit einem einfachen Klick Päckchen von 20 bis 200 hochwertigen, meist aus Italien stammenden Druckfälschungen gekauft werden - zu 15 bis 20 Prozent des Nennwertes. Der Besteller wiege sich in Sicherheit, da die Anbieter alle Möglichkeiten zur Verschleierung nutzten, so LKA-Sprecher Stefan Jung. Seit November ist ein neuer Zwanzig-Euro-Schein mit überarbeiteten Sicherheitsmerkmalen im Umlauf, der Fälschern das Handwerk erschweren soll.

Der neue (o.) und der alte 20-Euro-Schein im Vergleich. Die Nummern im Bild beziehen sich auf die Nummern in der blau unterlegten Info-Box unter dem Bild. Dort erklärt NDR.de die Neuerungen.

Wie der 20-Euro-Schein sicherer werden soll

1. Hologramm-Streifen: Auf der Vorderseite des neuen Scheins ist rechts über dem Hauptmotiv das Abbild der Namensgeberin des Kontinents - der Europa - eingelassen. Das Sichtfenster soll mit einer Farbkopie nicht herzustellen sein.

2. Wasserzeichen: Das Wasserzeichen vorne links auf dem Schein enthält neben dem Hauptmotiv nun auch das Porträt der mythologischen Gestalt Europa.

3. Fühlbares Relief: Auf der Vorderseite lässt sich am linken und rechten Rand jeweils eine Reihe kurzer, erhöhter Linien ertasten.

4. Sicherheitsfaden: Der mittig links auf der Vorderseite gelegene Sicherheitsfaden enthielt bislang das Wort "EURO". Nun ist dort das €-Symbol zu sehen.

(Die Rückseite des neuen 20-Euro-Scheins enhält keine sicherheitsrelevanten Neuerungen)

Zwölf Blüten je 10.000 Einwohner

Trotz der gestiegenen Zahlen ist es aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) relativ unwahrscheinlich, dass einem Falschgeld untergejubelt wird: "Gemessen an der steigenden Zahl echter Banknoten im Umlauf ist der Anteil der Fälschungen nach wie vor sehr gering." Rein rechnerisch entfielen im vergangenen Jahr in Deutschland waren es sogar nur zwölf falsche Banknoten je 10.000 Einwohner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.01.2016 | 13:00 Uhr