Stand: 22.02.2016 16:35 Uhr

Bergung rostiger Atomfässer ist "Pionierarbeit"

Noch in diesem Monat soll im abgeschalteten Atomkraftwerk Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen mit der Bergung der verrosteten Atommüll-Fässer begonnen werden. Wie Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Montag bekannt gab, hat die Atomaufsicht dem von Betreiber Vattenfall entwickelten Verfahren zugestimmt. Elektronische Greifer sollen die Fässer nach und nach aus den unterirdischen Lagerräumen holen und in Überfässer stellen. In sechs Räumen des Atomkraftwerks lagern insgesamt 632 Fässer mit schwach- bis mittelradioaktivem Müll. "Was hier zu leisten ist, ist Pionierarbeit", sagte Habeck, der in Brunsbüttel einen Probedurchlauf der Bergung verfolgte. Viel zu lange seien die Fässer, die zum Teil schon mehr als 30 Jahre in Brunsbüttel lagern, nahezu unbeobachtet in den Kavernen vor sich hingerostet.

Habeck: "Diese Sauerei hätte nie passieren dürfen"

"Diese Sauerei in den Kavernen hätte nie passieren dürfen", erklärte Habeck. Das Problem ist laut Atomaufsicht die hohe Restfeuchte in den Fässern. Das Kraftwerkpersonal habe vor Jahrzehnten mit einem zügigen Abtransport der Fässer in ein Endlager gerechnet - und die Restfeuchte daher vermutlich nicht als Problem angesehen. "Aus dieser Erwartung heraus wurden langfristige Sicherungsmechanismen vernachlässigt", sagte Habeck. Die ferngesteuerten Spezialgreifer sollen die Fässer nun einzeln herausheben. Dafür wird um einen Portalkran aus Gerüstteilen und Aluminiumplatten ein mit Folien verkleideter Schutzraum errichtet. Der Vorteil dieser Konstruktion laut Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth: Es können keine Abfälle aus den Fässern austreten. Die zusätzlichen Kosten für die Fässerbergung beziffert Wasmuth auf gut zwei Millionen Euro.

Komplette Bergung dauert wohl drei Jahre

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"Es werden wohl drei Jahre vergehen, bis die sechs Kavernen vollständig geräumt, gereinigt und wieder verschlossen sein werden", sagte der Leiter der Atomaufsichtsabteilung, Jan Backmann. Es ist geplant, die Fässer in einer Trocknungsanlage nachzutrocknen, damit die Restfeuchte reduziert wird. Anschließend sollen die radioaktiven Konzentrate aus den Fässern in endlagergerechte Container umgesaugt werden. Die Container, so der Plan, werden in einem noch zu errichtenden Zwischenlager auf dem Gelände in Brunsbüttel gelagert, bis das zentrale Endlager Konrad in Salzgitter fertig ist. Mit der Eröffnung von Konrad ist nach Angaben von Habecks Ministerium nicht vor 2022 zu rechnen.

Jedes vierte Fass schwer beschädigt

Bei Untersuchungen von 573 Fässern mit einer Spezialkamera war festgestellt worden, dass 154 von ihnen schwer beschädigt sind. Bei dem Abfall handelt es sich um Filterharze und Verdampferkonzentrate, die während des Kraftwerksbetriebs bis 2007 angefallen waren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.02.2016 | 22:00 Uhr