Stand: 06.02.2016 10:34 Uhr

Berge versetzen für die beste Strecke

von Daniel Kummetz

Der Hallenboden ist kaum noch zu sehen. Lkw rollen im Minutentakt hinein und bringen Lehm in die Halle. Mehrere Bagger und Radlader verteilen sie. Ein Teil der Sitzplätze ist verschwunden - ein anderer ist mit Plane bedeckt. Wer in dieser Woche in die Kieler Arena geguckt hat, könnte meinen, der Untergrund unter dem Handballtempel würde saniert werden. Doch das ist nicht der Fall: Kaputt ist hier nichts. Die frühere Ostseehalle wird nur aufwendig umgebaut für das ADAC Jump & Race Masters, das hier am Wochenende stattfindet. Es ist eine Mischung aus Motocross-Rennen und Freestyle-Show.

Eine Hügellandschaft aus Lehm entsteht

Anspruchsvoll, aber nicht zu gefährlich

Doch die Cross-Rennbahn gibt es noch nicht. Das sollen Arno Schumacher und Hendrik Zierenberg ändern. Sie stehen an der Bande der Halle, haben mehrere Hallenpläne in der Hand und diskutierten. Schumacher und Zierenberg gehören zum Team der Streckenbauer. Sie sollen aus den 1.200 Kubikmetern Lehm, der von den Lkw herangefahren wird, eine attraktive, anspruchsvolle, aber nicht zu gefährliche Rennstrecke formen. Sie modellieren die Strecken, wie die Veranstalter das nennen.

In ihren Händen halten Schumacher und Zierenberg die Zeichnung der Bahn vom letzten Event vor zwei Jahren und eine grobe Skizze, wie es dieses Jahr aussehen könnte. Sie diskutieren, wie steil und hoch die einzelnen Hügel sein können und ob genug Platz ist, den Motocrossfahrern eine relativ sanfte Landung zu ermöglichen. "Im Gefälle zu landen schont die Gelenke und das Fahrzeug", sagt Zierenberg. Beide haben Ideen, die nicht in den Skizzen eingezeichnet sind. Doch bald stellen sie fest, dass dafür kein Platz ist.

Lehm-Bestellung mit der Spraydose

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Hier soll ein kleiner Hügel hin: Streckenbauer Arno Schumacher plant die Motocross-Strecke in der Kieler Arena.

Dabei ist die Fläche schon größer als bei einem Spiel des THW Kiel. Die ersten Reihen sind eingefahren worden. Doch die Hallen-Mitte müssen die Motocross-Planer freilassen. Hier sollen die großen Rampen für die Freestyler hin - die Rennstrecke muss drumherum gebaut werden. Zierenberg und Schumacher einigen sich schnell auf eine Position für eine erste Anhöhe. Sie holen sich eine Spraydose. Schumacher sprüht ein großes Rechteck und ein Kreuz auf den Lehmboden. Ein Zeichen für die Mitarbeiter des Bauunternehmens: Hier soll noch mehr Lehm hin.

Baggern wie auf dem Bauernhof

Schumacher gehört seit 2010 zum Team der Streckenbauer, dieses Jahr vielleicht eine Handvoll Leute. Er ist selbst aktiver Motocross-Fahrer in Malente und hat so ein Gefühl dafür, wie die Strecke aussehen könnte. Neben der Planung ist die Mannschaft auch für die Umsetzung zuständig. Sie schnappt sich dann Bagger und Walzen und formt Hügel. "Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden", sagt Schumacher. "Da ist man mit solchem Gerät aufgewachsen und kann das bedienen". Er habe auch früher schon einmal zuhause eine Schanze für sich gebaut.

Lehm lagert auf dem Rennplatz

Das Rennen ist die 22. Veranstaltung dieser Art in 29 Jahren in Kiel. Etwa 13.000 Zuschauer werden bis Sonntag erwartet. Früher fand sie jährlich statt - jetzt nur noch alle zwei Jahre. Der Grund: Der hohe Aufwand. In der Zwischenzeit wird der Lehm auf dem Rennplatz des MSC Nordmark Kiel in Reesdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) gelagert. Der Verein ist gemeinsam mit der Hallengesellschaft der Veranstalter der Show. Es sind etwa 90 Lkw-Fahrten über etwa 20 Kilometer nötig.

Hilfe per Handzeichen

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Nach der Planung kommt die Arbeit: Schumacher und seine Streckenbauer-Kollegen formen aus dem Lehm die Strecke.

Ein paar Stunden später sitzt Schumacher in einem kleinen Bagger und formt mit der Schaufel einen Hügel - genau an der Stelle, an der er zuvor die Markierung gesprüht hatte. Im Hintergrund verteilt ein Radlader den angelieferten Lehm. Schumacher gibt dem Fahrer aus seinem Bagger heraus ein kurzes Handzeichen, fährt zur Seite und wartet. Dann bekommt er mehr Material, um die Strecke zu formen. "Das geht so viel schneller, als wenn ich mir das mit meiner kleineren Schaufel selbst hole", sagt er. Und er macht weiter.

Für den kompletten Aufbau hat die Crew fast fünf Tage Zeit. Der Abbau muss wesentlich schneller gehen - Montagnachmittag soll alles wieder sauber sein. Denn schon am Mittwoch soll die Arena wieder Schauplatz eines Handball-Bundesliga-Spiels sein. Dann ist der Vfl Gummersbach zu Gast.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein am Nachmittag | 04.02.2016 | 15:40 Uhr