Stand: 20.07.2017 15:49 Uhr

Bau der Riesentrassen in SH geht voran

von Janine Artist

Um Strom aus Windkraft von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland abtransportieren zu können, muss das Netz ausgebaut werden. Der Stromnetzbetreiber Tennet plant und baut deshalb drei neue 380.000-Volt-Leitungen quer durch das Land: die Westküstenleitung, die sogenannte Mittelachse und die Ostküstenleitung.

Von Mast zu Mast: Arbeiten in luftiger Höhe

Verzögerungen durch Pilotprojekt

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Hier könnte die geplante Ostküstenleitung zwischen Lübeck und Henstedt-Ulzburg verlaufen.

Bei der Ostküstenleitung läuft es laut Tennet nicht so, wie ursprünglich einmal gedacht. Der Grund dafür ist, dass die Trasse nachträglich durch eine Gesetzesänderung Ende 2015 zum Pilotprojekt für Erdverkabelung erklärt wurde. "Die fast fertigen Pläne für eine Freileitung mussten deshalb noch einmal überarbeitet werden", erklärt Tennet-Sprecher Peter Hilffert. Auf Teilen der Strecke zwischen dem Großraum Lübeck und Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) sollen die Leitungen nun nicht oberirdisch von Mast zu Mast gespannt, sondern unterirdisch verlegt werden. Dagegen regt sich zurzeit Widerstand bei einigen Landwirten, unter deren Ackerflächen die Kabel vergraben werden sollen. Tennet erwartet aber, dass das Planfeststellungsverfahren noch in diesem Jahr beginnt.

Keine Probleme an der Nordseeküste

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Die Westküstenleitung soll von Niebüll bis nach Brunsbüttel verlaufen.

Die Westküstenleitung liegt dagegen laut Tennet voll im Plan. Der erste Abschnitt von Brunsbüttel nach Heide ist im vergangenen Jahr in Betrieb gegangen. Die Trasse von Süderdonn nach Heide wird gerade gebaut und die Strecke von Heide nach Husum ist in der Vorbereitung. Nachdem es im März dieses Jahres den Planfeststellungsbeschluss gab, wird dort nun der Baugrund untersucht. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Der Weiterbau bis Niebüll soll bis 2020 fertig sein. Für den Abschnitt bis zur Landesgrenze laufen gerade die Abstimmungen mit dem dänischen Netzbetreiber. Die 121 Kilometer lange Stromtrasse soll den Windstrom an der Westküste zwischen Brunsbüttel und Niebüll in ein 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz aufnehmen.

Hubschrauber spannt Seile zwischen Strommasten

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Die sogenannte Mittelachse zwischen Schacht-Audorf und Hamburg soll künftig die bestehende 220-Kilovolt-Leitung ersetzen.

Auch bei der sogenannten Mittelachse gibt es bislang keine Probleme. Diese Hochspannungstrasse wird vom Hamburger Norden über Audorf und Flensburg bis nach Dänemark verlaufen. 2020 soll sie laut Tennet komplett fertig sein. Die 380 KV-Leitung ersetzt eine bestehende 220 Kilovoltleitung. Der Bau des etwa 70 Kilometer langen Abschnittn zwischen Hamburg und Audorf läuft und soll pünktlich zum Jahresende in Betrieb gehen. "179 Masten sind bereits fertig", erklärt Peter Hilffert. Am Donnerstagvormittag stieg ein Hubschrauber von Quickborn-Heide (Kreis Pinneberg) auf und zog Seile zwischen mehreren Masten auf. Mit deren Hilfe werden später die Stromleitungen gespannt. Der Mittelachse-Abschnitt vom Umspannwerk in Flensburg bis nach Dänemark ist derzeit in Planung.

Der Norden liegt beim Netzausbau vorn

"Unterm Strich kommen wir mit dem Netzausbau in Schleswig-Holstein sehr gut voran", sagt Peter Hilffert und fügt an: "Schleswig-Holstein ist Vorzeigeland beim Netzausbau, was die Einhaltung der Zeitpläne angeht. Kein anderes Bundesland ist schneller." Er lobt die Unterstützung durch die Politik und insbesondere die enge Zusammenarbeit mit dem Energiewendeministerium. Netzbetreiber und Ministerium informieren seit Beginn des Projekts gemeinsam Anwohner und Entscheider aus Gemeinden, Städten, Behörden und Verbänden. Unter anderem auf öffentlichen Veranstaltungen konnten Betroffene Anregungen für die Planung einbringen.

 

Weitere Informationen

Westküstenleitung: Abschnitt drei kann gebaut werden

Der Netzausbau an der Westküste erreicht ein weiteres Etappenziel: Das Land hat den Bau des dritten Abschnitts von Heide nach Husum genehmigt. Er ist mit fast 46 Kilometern die längste Teilstrecke. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 20.07.2017 | 09:20 Uhr

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