Stand: 07.01.2016 15:44 Uhr

BDK: Staatsanwaltschaft ließ Einbrecher laufen

Seit Wochen treiben in Schleswig-Holstein vermehrt Einbrecher ihr Unwesen. Im Norden des Landes gibt es in diesem Winter nach Angaben der Polizei erheblich mehr Einbrüche als im Winter 2014/2015. In Flensburg haben Polizisten vier mutmaßliche Einbrecher gefasst und auch Diebesgut bei ihnen gefunden. Dann übernahm die Staatsanwaltschaft und setzte das Quartett - drei Männer und eine Frau - kurze Zeit später wieder auf freien Fuß. Das sorgt für Ärger beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK).

Polizei stellt umfangreiches Diebesgut sicher

Ein aufmerksamer Nachbar hatte am Dienstagabend einen Einbruch im Stadtteil Fruerlund bemerkt und die Polizei gerufen. Aufgefallen war ihm ein Audi mit Hamburger Kennzeichen. Kurze Zeit später konnten die Beamten den Wagen tatsächlich stoppen. Darin drei Männer und eine Frau im Alter von 19 bis 24. Im Auto fanden die Ermittler das Diebesgut aus dem Einbruch: Bargeld, Schmuck, Elektronik und ein graviertes Jagdmesser. Außerdem entdeckten die Polizisten ein Smartphone aus einem Diebstahl in Itzehoe. Bei der Durchsuchung der Wohnungen des Quartetts wurde ferner ein Laptop aus einem Einbruch in Harrislee sichergestellt.

BDK wirft Staatsanwaltschaft "Haftvermeidung" vor

Trotzdem führte die Staatsanwaltschaft Flensburg die vier Verdächtigen nicht dem Haftrichter vor, sondern setzte sie auf freien Fuß. Dies passiere im Moment in Schleswig-Holstein zu häufig, kritisiert der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Stephan Nietz. Er spricht von "Haftvermeidung" und macht den Personalmangel bei den Justizbehörden dafür verantwortlich. "Mindestens dann, wenn Tatverdächtige zum wiederholten Mal bei einem Einbruch erwischt werden und dann nicht dem Haftrichter vorgeführt werden, haben wir Anlass zur Sorge, dass Haftgründe zwar vorliegen, ihnen aber nicht gefolgt werden."

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Staatsanwaltschaft: Es gab keine Haftgründe

Flensburgs Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt widerspricht: Dass die vier Verdächtigen nicht dem Haftrichter vorgeführt wurden, hatte nach ihren Worten nichts mit Personalmangel zu tun. Stattdessen hätten schlicht Haftgründe gefehlt. Es werde aber weiter ermittelt. Wie genau, dass ließ die Oberstaatsanwältin aus ermittlungstaktischen Gründen offen.

Am Mittwochabend gab es erneut sieben Einbrüche in der Region: Unbekannte drangen unter anderem in Häuser in Schleswig, Satrup und Gelting ein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.01.2016 | 17:00 Uhr