Stand: 29.03.2017 05:00 Uhr

Aus den Misserfolgen anderer lernen

von Astrid Wulf
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Unternehmer Axel Meyer musste zwischenzeitlich 15 Mitarbeitern kündigen. Inzwischen steht die Firma wieder gut da.

Insolvenz ist für die meisten Unternehmer wohl der Inbegriff des Scheiterns. Oft ist eine Firmenpleite jedoch auch eine Chance, um wieder aufzustehen, durchzustarten und weiterzumachen. Diese Erfahrung hat auch Axel Meyer gemacht. Er ist Geschäftsführer der Firma Riftec in Geesthacht. Ein geplatzter Auftrag hatte die Firma im Jahr 2012 in Schwierigkeiten gebracht. Meyer und sein Geschäftspartner investierten damals für einen Großauftrag viel Geld in neue Maschinen. Der Kunde zog den Auftrag jedoch zurück. Es folgte die wohl schwerste Zeit für die beiden Chefs. Sie konnten die Gehälter für die 32 Mitarbeiter nicht mehr bezahlen und meldeten Insolvenz an. "Ein schwerer Schritt", sagt Axel Meyer: "Gefühlsmäßig war das grausam. Es ist das eigene Baby, das nicht funktioniert. Hinzu kommt die unternehmerische Verantwortung - auch den Mitarbeitern und deren Familien gegenüber."

Das Wichtigste: der Rückhalt der Familie

Die Zeit rund um die Eröffnung des Insolvenzverfahrens setzte Meyer zu, weil "man einfach nicht weiß, was die Zukunft bringt". 15 Mitarbeitern musste er kündigen. Diese schwierige Phase kann der zweifache Vater vor allem dank der Unterstützung seiner Familie und Freunde durchhalten. "Sie waren da, wenn ich sie zum Reden brauchte, sie haben mich aber auch in meinen Gedanken arbeiten lassen", erklärt er und fügt an: "Sie haben keinerlei Vorwürfe gemacht."

IHK: Umgang mit dem Scheitern lernen

Meyer ist nicht allein. Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, geht auch ein Risiko. Etwa 1.000 Unternehmer in Schleswig-Holstein haben nach Angaben der Industrie und Handelskammer (IHK) allein im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Für Nils Thoralf Jarck von der IHK muss das aber nicht bedeuten, endgültig gescheitert zu sein. Deshalb veranstaltet die IHK Schleswig-Holstein heute in mehreren Städten Themenabende rund ums Scheitern. Sie nennt die Veranstaltungen "fckup N8".

"Wir wollen Gründern und Unternehmern deutlich machen, dass - wenn man einmal gescheitert ist mit einer Idee - man aufsteht und eine zweite Chance hat." Die Industrie- und Handelskammer würde Unternehmer in der Krise mit unterschiedlichen Angeboten unterstützen, so Jarck.

Verkauf der Firma war die Rettung

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Meyers Unternehmen wurde drei Monate nach der Insolvenz von einer österreichischen Firma aufgekauft.

Drei Monate nach der Insolvenz von Meyers Unternehmen kaufte eine österreichische Firma es auf. Mittlerweile stehe die Firma wieder gut da, sagt Meyer. Auch das Personal sei wieder aufgestockt worden. Damit ist die Krise überwunden, wie der 45-Jährige sagt. Und er habe viel über sich gelernt: "Dass ich nicht gleich den Kopf in den Sand stecke, sondern nach Lösungen suche. Es gibt immer einen Weg, mit der Situation umzugehen und etwas daraus zu machen." Meyer schämt sich nicht für die Insolvenz. Auch wenn die Zeit hart für Ihn gewesen sei, bereut er nichts. "Würden wir das Risiko eingehen, um mit dem Unternehmen zu wachsen? Ja. Das würde ich wieder machen." Am Mittwoch steht Meyer in Lübeck als Redner auf der Bühne. Er wird seine Geschichte erzählen und seine Erfahrungen teilen. Aus seinem Scheitern könnten immerhin auch andere noch etwas lernen, findet er.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 29.03.2017 | 06:40 Uhr

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