Stand: 19.04.2017 17:07 Uhr

Audio-Guides und Infotafeln für KZ-Gedenkstätte

Die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren modernisiert - am kommenden Freitag soll sie wiedereröffnet werden. Zweieinhalb Jahre wurde das neue Konzept für die Erinnerungsstätte entwickelt: Der Kreis, das Land und ein privater Spender haben insgesamt rund 395.000 Euro investiert.

Neue Infotafeln und ein "Haus der Gegenwart"

Alle Infotafeln wurden durch neue ersetzt. Auf ihnen wird die kurze, sehr grausame Geschichte des ehemaligen Arbeitslagers dargestellt. Neben den Tafeln steht seit kurzem das "Haus der Gegenwart", hier sollen in Zukunft Seminare und Workshops für Schulklassen und Besucher stattfinden. Der Verein "Freundeskreis KZ Gedenkstätte Husum-Schwesing" hatte sich hierfür eingesetzt. Zwölf ehrenamtliche Guides sollen die Besucher in Zukunft an den Wochenenden über das Gelände führen. Die haben sich extra für die Arbeit in der Gedenkstätte ausbilden lassen. Wer dann noch zusätzliche Infos haben möchte, kann über sein Smartphone einen Audioguide aktivieren. An das ehemalige Lager erinnern heute lediglich die ehemalige Lagerstraße mit Kopfsteinpflaster sowie Schornstein und Fundament einer alten Baracken.

Außenlager mit kurzer Geschichte

Zwischen September und Dezember 1944 diente der Standort vor den Toren Husums als Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme. Insgesamt 2.500 Männer wurden in Viehwaggons hierher gebacht, um an der Verteidigungsanlage "Friesenwall" zu arbeiten - eine militärische Abwehranlage gegen eine mögliche Invasion der Alliierten an der Nordseeküste. 1.000 der Häftlinge wurden später weiter ins Außenlager Ladelund gebracht. Zum Großteil stammten die jungen Männer aus den Niederlanden, auch Dänen, Franzosen und Polen waren hier inhaftiert.

Die Bedingungen im Lager waren katastrophal, auch weil es eigentlich nur für 400 Menschen konzipiert war. Es gab kaum medizinische Versorgung, keine vernünftigen sanitären Einrichtungen. Die Gefangenen wurden schwer misshandelt. Ihre Kleidung war den Witterungsbedigungen nicht angemessen, die Männer hatten permanent Hunger. Sie litten an Herzkrankheiten, rheumatischem Fieber, Diphtherie oder Tuberkulose.

Höchste Sterberate aller Außenlager Neuengammes

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Alle Gedenktafeln wurden durch neue, moderne ersetzt.

Wegen der militärischen Lage wurde die Arbeit für den "Friesenwall" im Dezember eingestellt, die letzten Männer werden 29. Dezember nach Neuengamme zurückgebracht. Über 300 Menschen kamen insgesamt in dem Lager ums Leben, 297 von ihnen sind namentlich bekannt. In Schwesing starben - im Verhältnis - mehr Menschen, als in allen anderen Außenlagern des KZ Neuengamme.

Seit 1987 Erinnerung

Die Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände richtete der Kreis Nordfriesland ein, damit die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht vergessen werden. Ein Mahnmalgebäude und ein Stehlenfeld erinnern, in die Stehlen sind die Namen der bekannten Opfer eingraviert. Die Stätte wurde 1987 eröffnet und ist für jedermann frei zugänglich - so bleibt es auch nach der Modernisierung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.04.2017 | 16:30 Uhr

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