Stand: 19.06.2015 18:11 Uhr

Atommüll: Kommen sieben Castoren nach Brokdorf?

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26 Castoren aus den Wiederaufbereitungsanlagen in England und Frankreich muss Deutschland zurücknehmen. (Themenbild)

Verwirrung um deutschen Atommüll aus den Wiederaufbereitungsanlagen in England und Frankreich: Der Bund will, dass ein Teil der Castoren am AKW Brokdorf (Kreis Steinburg) zwischengelagert wird. Allerdings ist das Land Schleswig-Holstein skeptisch, ob dort ausreichend Platz ist. Laut einer Vereinbarung zwischen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und den vier großen Energiekonzernen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall sollen von insgesamt 26 Castoren sieben ab 2018 nach Schleswig-Holstein kommen. Für die übrigen sind AKW-Standorte in Baden-Württemberg, Hessen und Bayern vorgesehen.

Auch Atommüll aus Brunsbüttel muss wohl umziehen

Das Zwischenlager in Brokdorf ist für insgesamt 100 Castor-Behälter ausgelegt. 77 oder 78 Plätze werden für abgebrannte Brennelemente aus dem eigenen AKW-Betrieb gebraucht. Bleiben 22 oder 23 Plätze. Diese könnten aber für insgesamt etwa 20 Castoren aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel benötigt werden, weil das dortige Zwischenlager nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts keine Betriebsgenehmigung mehr hat. Rein rechnerisch blieben unterm Strich nur ein bis zwei Plätze für Castoren aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in England.

Habeck: Ja, aber...

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat in der Vergangenheit immer wieder betont: Trotz der grundsätzlichen Bereitschaft, Castoren aus der englischen Wiederaufbereitung zu lagern, sei für ihn der Rückbau der Anlage in Brunsbüttel vorrangig. Und damit eben auch die Castoren von dort. "Wir müssen die Brennelemente aus dem Atomkraftwerk in Brunsbüttel dringend loswerden. Meiner Ansicht nach bietet es sich an, die nach Brokdorf zu bringen - dann müssen wir gucken, wie viel Platz noch übrig bleibt", sagte Habeck am Freitag NDR 1 Welle Nord. Sein Wort würde er aber nie zurücknehmen. "Wenn wir Platz genug haben, dann sollten wir den auch anbieten können im Sinne einer nationalen Lösung."

Bund geht von ausreichend Platz aus

Dagegen lässt der Bund bei seiner Rechnung die Castoren aus Brunsbüttel erst einmal ganz außen vor. "Im Zwischenlager Brokdorf sind insgesamt 23 Stellplätze noch verfügbar, von daher kommt die nach dem Konzept vorgesehene Verbringung von sieben Auslandscastoren durchaus in Betracht", sagte Wolfgang Cloosters aus der Abteilung Reaktorsicherheit im Umweltministerium in Berlin.

Bayern schießt quer

An den Verhandlungen über die Rückkehr des Atommülls nach Deutschland waren die Regierungen der Bundesländer nicht beteiligt. Umweltministerin Hendricks hatte im März den Versuch aufgegeben, sich mit den Ländern auf eine Verteilung zu einigen - zu wenige hatten sich bereit erklärt, den radioaktiven Abfall aufzunehmen. Aus Bayern kommt weiterhin massiver Widerstand: Das Land drohte dem Bund nun mit einem Scheitern der Energiewende. Die Konzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW wollen die Einzelheiten des neuen Konzepts erst noch prüfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.06.2015 | 19:00 Uhr