Stand: 26.10.2016 14:20 Uhr

Archäologen graben an geplanter Bahntrasse

Die Hinterlandanbindung an den geplanten Fehmarnbelttunnel ist noch Zukunftsmusik. Ganz real sind dagegen die Archäologen, die seit Juli entlang der möglichen Bahntrasse im Kreis Ostholstein arbeiten. Es sind Mitarbeiter des Archäologischen Landesamts. Sie suchen im Auftrag der Deutschen Bahn nach historischen Siedlungszeugnissen. "Wir führen die Voruntersuchungen schon jetzt durch, damit wir nachher keine Überraschungen beim Bau finden", sagte Projektleiter Bernd Homfeldt. Die Ergebnisse sollen in das Planfeststellungsverfahren einfließen. Am Ende werden die Archäologen an insgesamt mehr als 100 Stellen gegraben haben. Viele Spuren deuteten schon jetzt auf wertvolle Stücke hin, so die Wissenschaftler. Sie hoffen beispielsweise auf Werkzeuge oder Geweihe aus der Jungsteinzeit.

Auf der Suche nach der Steinzeit

Spurensuche soll nicht zu Verzögerungen führen

Die Bahn will wissen, welche denkmalschutzrechtlichen Maßnahmen sie bei den weiteren Planungen der Trasse berücksichtigen muss. Die Ausgrabungen sollen abgeschlossen sein, ehe die ersten Bagger mit dem Schienenneubau zwischen Fehmarn und Lübeck beginnen - wann auch immer das sein wird. Zu Verzögerungen soll die Spurensuche laut Bahn nicht führen. Man wolle "notwendige Grabungsarbeiten in den Gesamtterminplan eintakten", sagte Projektleiter Homfeldt. Die Kosten in Höhe von 850.000 Euro übernimmt die Deutsche Bahn.

Oldenburger Bruch ist für viele Funde bekannt

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Diese sogenannten Baggerschürfen haben die Forscher an vielen Stellen angelegt.

Derzeit graben die Experten im Naturschutzgebiet Oldenburger Bruch. Die Fundplätze dort seien die ältesten Nachweise dafür, dass Menschen zu Beginn der Jungsteinzeit in Schleswig-Holstein sesshaft geworden seien, sagte eine Bahnsprecherin. Annette Guldin vom Archäologischen Landesamt ergänzte: "Wir erwarten uns spannende Einblicke in das Leben unserer Vorfahren in Ostholstein."

An mindestens 20 Stellen großflächige Grabungen

Von den Grabungen zeugen derzeit etwa zwei Meter breite sogenannte Baggerschürfen - knapp einen Meter tief und unterschiedlich lang. Sollten die Archäologen dort tatsächlich fündig werden, werden die Schürfen vermessen, beschrieben und fotografiert. Bislang gelten laut Bahn 20 Stellen an der gesamten geplanten Trasse als hauptuntersuchungswürdig. Das bedeutet, dass vor Baubeginn großflächige Grabungen erforderlich sind.

Archäologen ziehen weiter Richtung Lensahn

Bei den bisherigen Fundstellen handelt es sich nach Angaben der Bahn größtenteils um Siedlungen der Eisenzeit (etwa 550 v. bis 500 n. Chr.). Zu den häufigsten Funden gehörten Überreste von Pfosten, die Grundrisse ehemaliger Gebäude anzeigen, sogenannte Abfallgruben und Feuerstellen. Von Oldenburg aus ziehen die Archäologen weiter in die Nähe von Lensahn.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.10.2016 | 14:00 Uhr

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