Stand: 10.03.2016 15:41 Uhr

Alheit: Probleme in Jugendheim seit 2012

Bereits seit Ende 2012 hat es in der vor einer Woche geschlossenen Jugendwohnung in Flensburg Probleme gegeben. Das sagte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtages. Detailliert listete die Ministerin die Auffälligkeiten und Probleme auf. Von vermehrten Polizeieinsätzen war die Rede, von nicht ausreichenden Konzepten, von Hinweisen auf Drogenmissbrauch und von Suizidversuchen.

Alheit: Betriebserlaubnis musste entzogen werden

Laut Alheit soll es auch Zeiten gegeben haben, in denen zu wenig Fachkräfte im Haus waren. "Es gab vorher Hinweise, denen mit Auflagenverfügungen entgegengewirkt werden konnte. Aber die Hinweise waren so massiv, dass wir die Betriebserlaubnis entziehen mussten, um die Kinder nicht zu gefährden", sagte sie. Das Landesjugendamt habe gründlich und genau gearbeitet, so Alheit. Sie bot den Abgeordneten an, die Akten einzusehen, um die genauen Abläufe besser nachvollziehen zu können.

FDP: Parallelen zum Fall Friesenhof

Es habe zu lange gedauert, bis man etwas getan habe, kritisierte Anita Klahn von der FDP. Sie zog Parallelen zum Fall der geschlossenen Friesenhof-Heime im Kreis Dithmarschen und betonte: "Was mich besonders erschüttert hat, ist die Information, dass anscheinend ein Konzept eingereicht wurde, dass in der Umsetzung so nicht stattfand. Da hätte die Ministerin viel eher reagieren müssen."

Ratje-Hoffmann: Schließung gerechtfertigt

Katja Rathje-Hoffmann von der CDU hatte in der Sitzung erst hinterfragt, ob es verhältnismäßig war, das Haus am vergangenen Freitag nach einem anonymen Hinweis zu schließen. Anschließend nahm sie jedoch Einblick in die Akten - und stellte im Gespräch mit dem Schleswig-Holstein Magazins klar: "Nach jetziger Betrachtung ist es wohl gerechtfertigt, das Heim zu schließen. Und es ist wahrscheinlich auch das beste für die Mädchen."

Betrunkene Bewohnerinnen und Rauschgift

Rathje-Hoffmann berichtete von Bildern, die das Landesjugendamt gemacht habe. "Es waren erschütternde Bilder von einem Mädchen, das betrunken war und am Boden lag und Erbrochenes vor sich hatte. Im Badezimmer wurden Linien gezogen, um wahrscheinlich Rauschgift einzunehmen." Bereits im Februar seien den Betreibern Auflagen erteilt worden. "Und wenn diese Auflagen nicht eingehalten werden, dann bleibt nichts andere übrig, als weitere Maßnahmen zu treffen - und im diesen Fall war es eine Schließung", so Rathje-Hoffmann. Rechtlich müsse das allerdings noch einmal geprüft werden, so die CDU-Frau.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.03.2016 | 12:00 Uhr