Stand: 23.11.2017 20:14 Uhr

Aldi-Streit vor Gericht: Entscheidung vertagt

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Der Aldi-Familienanwalt Emil Huber und sein Anwalt Thomas Mayer sitzen in einem Gerichtssaal des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts.

Eine Entscheidung darüber, wer beim Discounter Aldi Nord das Sagen hat, konnte das Oberverwaltungsgericht in Schleswig am Donnerstag nicht treffen. Nach rund acht Stunden wurde die Verhandlung vertagt. Voraussichtlich am 7. Dezember soll noch ein Zeuge zu Wort kommen. Formell geht es um die geänderte Satzung einer der drei Stiftungen, die das Unternehmen kontrollieren. In Schleswig-Holstein wird verhandelt, weil die Stiftungen ihren Sitz in Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben. Aldi Nord teilte am Abend mit, dass das Unternehmen aufgrund des weiterhin laufenden Verfahrens "grundsätzlich keine Stellung nimmt".

Streit um Macht in Stiftung

Wichtige Entscheidungen über Investitionen und strategische Entwicklungen von Aldi Nord müssen die drei Stiftungen gemeinsam fällen. Im Kern geht es um die Frage, in welchem Ausmaß die Nachkommen des verstorbenen Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht bei unternehmerischen Entscheidungen mitreden dürfen. Sein Sohn Theo Albrecht junior will diesen Einfluss begrenzen und Entscheidungen über Investitionen lieber in professionelle Hände legen. Damit war offenbar auch der zweite Sohn Berthold einverstanden. Er verstarb allerdings 2012 plötzlich. Kurz vorher hatte er noch die Satzung der von ihm kontrollierten Jakobus-Stiftung, die 19,5 Prozent der Anteile an Aldi Nord hält, ändern lassen und somit den Einfluss seiner Frau Babette und der gemeinsamen Kinder begrenzt.

Seit Jahren schwelender Machtkampf

Die Änderung war auch vom Kreis Rendsburg-Eckernförde als Stiftungsaufsicht akzeptiert worden. Doch kippte das Verwaltungsgericht Schleswig nach dem Tod von Berthold Albrecht wegen einer Klage der Erben aus formalen Gründen die Satzungsänderung. Dagegen wehrt sich jetzt in einem Berufungsverfahren nicht nur der Kreis Rendsburg, sondern auch Bertholds Bruder Theo Albrecht junior.

Zeuge soll aussagen

Bei dem Zeugen, der nun noch gehört werden soll, handelt es sich um ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Jakobus-Stiftung, das bei der entscheidenden Satzungsänderung erkrankt war. Berthold Albrecht hatte in dessen Namen der Änderung zugestimmt. Dies ist nach Ansicht der Erben nicht zulässig.

Weitere Klage der Erben

In einem weiteren Verfahren am OVG fordern die Erben von Berthold Albrecht Einsicht in die aktuelle Satzung der Markus-Stiftung, einer weiteren Stiftung von Aldi-Nord, die 61 Prozent der Anteile hält. Allerdings gab es auch hier kein Urteil. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Stiftungsaufsicht muss nun entscheiden, ob er die Akten dem Gericht zur Verfügung stellt oder eine sogenannte Sperrerklärung abgeben wird. Demnach kann die Auslieferung von Akten bei Behörden unterbunden werden, wenn deren oberste Dienstbehörde erklärt, dass die Veröffentlichung "dem Wohl des Bundes oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten würde".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.11.2017 | 22:00 Uhr

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