Stand: 27.06.2017 17:00 Uhr

Albig verabschiedet sich von der Macht

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Torsten Albig war fünf Jahre Ministerpräsident von Schleswig-Holstein.

Nach der verlorenen Landtagswahl zieht sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig aus der Politik zurück. Mit der Wahl von CDU-Landeschef Daniel Günther zum neuen Regierungschef endet Albigs Amtszeit - nach fünf Jahren. Sein Landtagsmandat nimmt der Sozialdemokrat nicht wahr. Ein bisschen wehmütig sei er schon, sagt Albig. Er sitzt in der Landesvertretung in Berlin - ein letztes Mal. Hier in der Hauptstadt hatte er vor fünf Jahren die ersten Termine als Ministerpräsident. Nun die letzten.

"Entscheiden zu können, ist ein großes Privileg"

Der Regierungswechsel in Kiel bedeutet für ihn auch gleichzeitig Abschied von der Macht. Das falle ihm nicht leicht, räumt Albig ein. "Jeder, der Macht bekommt und hinterher sagt, ich gebe sie ganz locker wieder ab, der lügt", meint der scheidende Regierungschef im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord Landeshauskorrespondent Stefan Böhnke. "Ich werde das natürlich vermissen. Entscheiden zu können, ist ein großes Privileg."

Enttäuscht über einige Parteifreunde

Nach der Niederlage bei der Landtagswahl am 7. Mai stand für viele in der SPD schnell fest, dass Albig für den Misserfolg verantwortlich ist. Vor allem ein Interview in der Bunten, in dem er über die Trennung von seiner Ehefrau berichtete, wurde angeführt. Die Kritik von den eigenen Leuten habe schon weh getan, sagt Albig und fügt an: "Erfolge haben immer viele Väter, Niederlagen immer einen."

Albig rät seiner Partei zu mehr Solidarität auch in Stunden der Niederlage. "Irgendwann geht uns das Personal aus, wenn die Leute den Eindruck haben: Wenn du mal irgendwie falsch abbiegst, dann bist du gleich Persona non grata und keiner gibt dir mehr die Hand." Er fand es auch überraschend, dass nach der verlorenen Wahl die liebevollsten Worte des Trostes ausgerechnet vom politischen Gegner kamen: von der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) oder von Bayerns Regierungschef Horst Seehofer (CSU).

Lange Pause von der Politik

Nun steht die "Jamaika-Koalition" in Kiel in den Startlöchern - und nicht die von ihm gewünschte "Ampel"-Koalition. Ein bisschen mehr hätten die Grünen schon darum kämpfen können, findet er. Natürlich seien Koalitionspartner keine Freunde fürs Leben. "Dennoch hätte ich mir schon gewünscht, dass die Grünen-Partner vielleicht länger als 45 Sekunden dem Druck der FDP widerstanden hätten. Das hätten sie dürfen." Was Torsten Albig künftig machen wird, weiß er noch nicht. Er sei als Jurist gut qualifiziert, habe vieles gemacht. Für ein solches Profil gebe es viel Bedarf in der Welt. Nur in einem ist er sich sicher: "Mein Eindruck ist, dass es eine lange Pause von der Politik geben wird."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.06.2017 | 17:00 Uhr

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