Sendedatum: 05.02.2016 19:30 Uhr

Ärger über alte Schlacke in Ahrensburg

Wer schon einmal Monopoly gespielt hat, kennt die Ereigniskarte "Du wirst zu Straßenausbesserungsarbeiten herangezogen." Was im Spiel für kurzen Unmut sorgt, macht die Anwohner des Pionierwegs in Ahrensburg (Kreis Stromarn) wütend. Denn neben 530.000 Euro für die Sanierung eines 470 langen Straßenabschnittes sollen sie auch für die Entsorgung alter Schlacke gerade stehen. Arbeiter fanden bei Probebohrungen in bis zu zwei Metern Tiefe Schwermetalle aus den 1940er Jahren. Keine Gefahr für Anwohner - das haben Untersuchungen ergeben. Aber jetzt wird die Straßensanierung noch teurer - um weitere 11.000 Euro, weil 1.300 Tonnen verseuchte Erde entsorgt werden müssen.

Woher kommt die Schlacke?

"Wir haben das nicht verursacht. Wir haben diese Schlacke, die mit Blei und Kupfer versehen ist, nicht eingebaut", sagt Frank Loose. Er ist einer von 40 Hauseigentümern im Pionierweg, "Für uns gilt das Verursacherprinzip." Doch wer ist der Verursacher? Selbst bei der Stadt ist man sich da unsicher, sagt der zuständige Fachbereichsleiter für Straßenwesen, Stephan Schott: "Namentlich ist es uns komplett unbekannt. Es können auch die Anlieger selbst nach dem Krieg gemacht haben. Es kann aber auch sein, dass es ein Kollege vor mir gewesen ist, der gesagt hat, die Schlacke ist auch ein gutes Material und man hat es einfach aufgebracht, um überhaupt die Straße längerfristig befahrbar zu machen." Ein heutiger Rentner will damals mitbekommen haben, wie Mitte der 1940er-Jahre die Schlacke von der Norddeutschen Affinerie in Hamburg in Ahrensburg abgeladen worden sein soll.

Anwohner wollen sich wehren

Wieviel jeder Anwohner letztendlich zahlen soll, hängt von der Größe seines jeweiligen Grundstücks ab. Im Fall von Kabelmonteur Frank Loose wären es 5.000 Euro für die Sanierung und 200 Euro für die Entsorgung der Schwermetalle. Dass Bürger sich an der Sanierung von anliegenden Straßen zu 75 Prozent beteiligen müssen, ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Doch dass sie auch für verseuchte Erde aus den 1940 er Jahren zahlen müssen, will Frank Loose zusammen mit den anderen Anwohnern nicht akzeptieren. Sie wollen eine Bürgerinitiative gründen und notfalls mit einem Anwalt gegen die Forderung der Stadt angehen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von einer Bürgerwehr statt von einer Bürgerinitiative die Rede. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

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Schleswig-Holstein Magazin | 05.02.2016 | 19:30 Uhr