Stand: 25.08.2017 21:00 Uhr

Achtung, Kontrolle: Ingenieure müssen hoch hinaus

"Wir müssen uns beeilen", sagt Jörg Zeiler zum Fahrer des Hubsteigers, der ihn zehn Meter hoch von der Fahrbahn ins Fachwerk der Grünentaler Hochbrücke fährt. Der Bauingenieur soll das Stahlbauwerk in Dithmarschen zusammen mit zwei Kollegen auf Mängel überprüfen. Teilweise kontrollieren sie 55 Meter über dem Nord-Ostsee-Kanal. Eine Woche haben sie Zeit. Keinen Tag mehr, denn nur bis Montag sind die Gleise in diesem Bereich gesperrt. Drei Jahre im Voraus mussten sie die Gleissperrung bei der Bahn beantragen. Zum Glück spielt heute das Wetter mit. "Ab 45 km/h Wind dürfen wir mit dem Hubsteiger nicht mehr hoch, das wäre zu gefährlich", sagt Zeiler.

Mulmiges Gefühl in luftiger Höhe

Trotz Windstille gerät der Steiger-Korb auch heute ins Wanken. Denn die Ingenieure arbeiten bei laufendem Straßenverkehr. Zwischen Lkw und Hubsteiger bleibt nicht mal ein halber Meter Platz. "Da kann einem schon mal mulmig werden hier oben", sagt Zeiler. Trotzdem muss er jedes einzelne Brückenbauteil, jede Schweißnaht, jede Schraube der 400 Meter langen Brücke ganz genau überprüfen. Denn schon durch einen kleinen Riss im Korrosionsschutz kann Wasser eindringen und den Stahl zum Rosten bringen. Solche Schäden entdeckt Zeiler heute viele im Fachwerk des 30 Jahre alten Bauwerks. "Das muss bald ausgebessert werden, sonst könnte der Rost auf Dauer die Standfestigkeit der Brücke gefährden."

Alle sechs Jahre eine Prüfung

Besitzer der eine Eisenbahn- und Straßenbrücke ist das Wasser- und Schifffahrtsamt, das die externe Ingenieurs-Firma mit der Prüfung beauftragt hat. Auch ihre Mitarbeiter sind heute vor Ort, um die Arbeiten zu beaufsichtigen. Alle sechs Jahre ist so eine Hauptprüfung vorgeschrieben, um die Verkehrssicherheit auf der Brücke zu gewährleisten. Die Bundesstraße zwischen Heide und Neumünster ist viel befahren, der Zugverkehr rollt hier im Stundentakt. Der CO2 Ausstoß, Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit belasten das Bauwerk im Laufe der Zeit. Vor sechs Jahren hatten die Prüfer 200 Mängel festgestellt, markiert und fotografiert. Die müssen sich die Ingenieure jetzt noch einmal ganz genau angucken.

55 Meter über dem Nord-Ostsee-Kanal

Arbeiten auf engstem Raum

Die Ingenieure auf der Grünentaler Hochbrücke im Kreis Rendsburg-Eckernförde müssen für die Prüfung nicht nur höhenfest sein. "Platzangst darf man hier auch nicht haben", sagt Zeiler. Er kontrolliert die Stahlkonstruktion mit seinen Kollegen nicht nur von außen, sondern auch von innen. Durch eins von 60 sogenannten Mannlöchern kriecht er in den oberen Querholm der Brücke. Hier kommt er nur geduckt voran, und leuchtet die Schweißnähte mit der Taschenlampe ab. Zeiler entdeckt etwas Flugrost. "Das ist aber nicht so schlimm", erklärt der Ingenieur. "Wir müssen den Querholm jetzt nur wieder richtig luftdicht verschließen, denn Korrosion entsteht immer dann, wenn Sauerstoff und Feuchtigkeit zusammenkommen."

Auf der Suche nach Hohlstellen

Von ganz oben geht es nach ganz unten, in einen der 42 Meter hohen Beton-Pfeiler. Die alte Grünentaler Brücke von 1891 musste abgerissen werden, weil das Mauerwerk marode war. Die Ingenieure überprüfen deshalb auch den Zustand des Betons, indem sie ihn mit einem Hammer abklopfen. "Wenn das so hell und klar klingt wie jetzt, heißt das, dass keine Hohlstellen in der Wand sind", erklärt der Ingenieur. Die würden sich richtig hohl anhören. Auch von außen müssen sie die Pfeiler noch überprüfen. Ihr erster Eindruck von der Grünentaler Hochbrücke ist gut. Bis jetzt haben die Experten keine Schäden gefunden, die so gravierend sind, dass sie die Standsicherheit gefährden würden. Ein paar Tage sie aber noch prüfen, an diesem besonderen Arbeitsplatz.

Weitere Informationen

Grünentaler Hochbrücke wird 30 Jahre alt

Jubiläum für ein 400 Meter langes Bauwerk am Nord-Ostsee-Kanal: Über die Grünentaler Brücke fahren seit 30 Jahren Autos, Lkw und auch Züge. Sie lockt zudem eine andere "Spezies" immer wieder an. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.08.2017 | 19:30 Uhr

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