Stand: 24.01.2016 18:27 Uhr

Abwehrwaffen: "Ein Gefühl von Sicherheit"

Reizgas, Pfefferspray und Schreckschusswaffe: Das sind die Verkaufsschlager im Armyshop von Dennis Hoppe in Lübeck. Seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln ist die Angst vor Übergriffen auch in Schleswig-Holstein gestiegen - und mit ihr auch der Wunsch, sich selbst verteidigen zu können. Bereits im ersten Monat des Jahres hat Hoppe zwanzig Mal so viele Abwehrwaffen verkauft wie im Januar 2015. Während früher meistens junge Männer Schreckschusswaffen kauften, seien es inzwischen häufig auch junge Frauen.

Waffe für die Frau und die Tochter

Bild vergrößern
Norbert Jessen interessiert sich für eine Schreckschusspistole zur Selbstverteidigung - für seine Frau und seine Tochter.

Beliebt bei den Kunden seien kleine handliche Schreckschusspistolen, sagt Hoppe. Wer sie allerdings mit sich führen möchte, muss einen sogenannten Kleinen Waffenschein besitzen. Waffen zu Hause zu haben, ist ohne Schein erlaubt. Auch Norbert Jessen möchte für seine Frau und seine Tochter etwas zur Selbstverteidigung kaufen. "Das gibt ein gewisses Gefühl von Sicherheit."

"Besorgniserregende Entwicklung"

In Kiel war das Interesse an Abwehrwaffen 2015 schon im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Annette Wiese-Krukowska von der Stadt Kiel deutet daraus ein Unwohlgefühl in der Gesellschaft. "Man verlässt sich offensichtlich nicht allein darauf, dass die Polizei die Lage in den Griff bekommt. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung." Nach Angaben des Verbands der Büchsenmacher und Waffenhändler sind im vergangenen Jahr doppelt so viele Reizgase verkauft worden wie 2014.

Pfefferspray gegen Menschen verboten

Viele kaufen Pfefferspray als Abwehrwaffe - und wissen oft nicht, dass es nur gegen Tiere verwendet werden darf. Wenn sich jemand gegen einen Menschen mit Pfefferspray verteidigt, könnte der Angreifer das Opfer später wegen Körperverletzung anzeigen. Dann ist es wahrscheinlich, dass das Opfer beweisen muss, dass es angegriffen wurde - und das ist in den meisten Fällen nicht einfach.

Alternative zu Schusswaffe und Co.

Wer dennoch etwas zur Abwehr haben möchte, muss nicht sofort zur Schreckschusswaffe greifen. Als Alternative empfiehlt der Verband der Büchsenmacher und Waffenhändler einerseits einen sogenannten Schrillalarm: ein kleines handliches Gerät, das einen übermäßig lauten Alarm auslöst, der an eine Polizeisirene erinnert. Dadurch können Passanten aufmerksam werden oder der Angreifer erschrickt und lässt ab. Andererseits sei die Taktische Taschenlampe auch ein Abwehrgerät, das sich bewährt hat. Ihre Besonderheit: Sie macht grelles schnell flackerndes Licht, das den Angreifer blenden kann.

Anträge für den Kleinen Waffenschein / bereits genehmigte in Klammern
nur Januar 2016ganzes Jahr 2015
Flensburg2320
Kreis Nordfriesland65 (14)43
Kreis Pinneberg109 (26)111
Kreis Segeberg58127
Kreis Stormarn5068
Kiel50 (10)207

In Schleswig-Holstein wurden 2015 insgesamt 9.928 Kleine Waffenscheine genehmigt.

Weitere Informationen
mit Video

Schreckschusswaffe und Reizgas haben Konjunktur

Ausverkauf im Waffenladen: Nach den Übergriffen auf Frauen in Köln, Hamburg und Stuttgart greifen etliche Norddeutsche zur Schreckschusspistole. Sicherer sind sie deshalb aber nicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 24.01.2016 | 19:30 Uhr