Stand: 06.07.2015 19:55 Uhr

AKW-Rückbau: "Herumwühlen ergibt Staub"

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Gegner des geplanten AKW-Abrisses in Brunsbüttel befürchten radioaktiv belasteten Staub.

Der geplante Abbau des Atomkraftwerks Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen ist kompliziert und umstritten. Kritiker befürchten radioaktiv verseuchten Staub beim Abriss und Strahlenbelastungen durch Material, das zum Beispiel auf Deponien landet oder im Straßenbau eingesetzt wird. Am Montag hat in Brunsbüttel ein dreitägiger Erörterungstermin begonnen. Dort stellte sich die Atomaufsicht - mit Energie- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) an der Spitze. Etwa 50 Menschen, denen der Abriss große Sorgen bereitet, kamen. "Wir wollen alle, dass Brunsbüttel zurückgebaut wird", sagte Karsten Hinrichsen von der Bürgerinitiative Unterelbe: "Aber nicht um den Preis, dass vieles, das von der Radioaktivität jetzt noch im Gebäude vorhanden ist, an die Umwelt und an die Menschen abgegeben wird."

Zuhörerin fordert: Komplett "endlagern"

Eine Zuhörerin ergänzte: "Jede Hausfrau weiß: Herumwühlen ergibt Staub." Deshalb solle man das AKW zunächst einmal komplett "endlagern", forderte sie. Habeck betonte jedoch, dass ein Atomkraftwerk zu 97 Prozent aus nicht radioaktiv belastetem Material bestehe. "Dieses Material muss anders behandelt werden als das radioaktiv belastete Material", meinte der Grünen-Politiker. Der Brunsbütteler Meiler ist seit 2007 wegen technischer Pannen nicht mehr am Netz. Als Konsequenz aus der Katastrophe von Fukushima verlor Brunsbüttel 2011, wie sieben weitere deutsche Kraftwerke, seine "Berechtigung zum Leistungsbetrieb". Ende 2012 beantragte Betreiber Vattenfall den Rückbau des Kraftwerks. Gegen das Vorhaben haben inzwischen fast 900 Menschen schriftlich Bedenken vorgetragen.

Habeck hält Zwischenlager für notwendig

Im AKW lagern noch 6.000 Tonnen schwach- und mittelradioaktive Atomabfälle. Die Inbetriebnahme des Endlagers für diese Abfälle - nach jetzigem Stand wird es das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad - ist erst für Anfang des nächsten Jahrzehnts geplant. Also müsse auf dem Brunsbütteler Kraftwerksgelände ein Zwischenlager her, so Habeck: "Wie das geht, wird zu diskutieren sein." Ein Endlager für hoch radioaktiven Müll soll laut gesetzlichen Vorgaben bis 2050 fertig sein.

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Atomkraftgegner demonstrierten vor der Tagungshalle.
Entscheidung soll bis 2017 fallen

Eine Handvoll Atomkraftgegner demonstrierte vor der Tagungshalle mit Musik und Transparenten gegen das Abriss-Projekt, für das Vattenfall 10 bis 15 Jahre veranschlagt. Der Betreiber hat für den Rückbau 1,7 Milliarden Euro zurückgestellt. Die Entscheidung der Atomaufsicht über den Abriss soll bis 2017 fallen. Insgesamt müssen 300.000 Tonnen Material abgebaut werden: Stahl, Beton und Atommüll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.07.2015 | 22:00 Uhr