Stand: 16.11.2015 13:49 Uhr

AKW Brunsbüttel: Genehmigung für Lager beantragt

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Das akuell genutzte atomare Zwischenlager in Brunsbüttel hat keine Betriebserlaubnis für die Lagerung hoch radioaktiver Brennelemente.

Der Energiekonzern Vattenfall hat am Montag eine Neugenehmigung für das Atommüll-Zwischenlager in Brunsbüttel beim Bundesamt für Strahlenschutz beantragt. "Wir wollen beim Standort-Zwischenlager den rechtmäßigen Zustand wiederherstellen", sagte Vattenfall-Geschäftsführer Pieter Wasmuth. Der Antrag sei auch deshalb wichtig, "weil wir den Rückbau zügig vorantreiben wollen und dafür das Zwischenlager benötigen". Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Januar die Betriebserlaubnis für das bestehende Zwischenlager für rechtswidrig erklärt. Dort sind aktuell neun Castoren mit hochradioaktivem Atommüll eingelagert. Die Leipziger Richter hatten mit ihrer Entscheidung die Aufhebung der Betriebsgenehmigung durch das Oberverwaltungsgericht in Schleswig bestätigt. Die Schleswiger Richter hatten im Juni 2013 der Klage eines Anwohners stattgegeben.

Habeck rechnet mit Verzögerungen beim Rückbau

In dem Verfahren vor dem OVG vor mehr als zwei Jahren ging es um eine bereits 2003 erteilte Genehmigung, dort abgebrannte Brennelemente zwischenzulagern. Die Genehmigung war vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erteilt worden. Dagegen hatte ein Anwohner geklagt - und schließlich vor dem OVG Recht bekommen. Die Richter urteilten damals, dass nicht ausreichend geprüft wurde, ob das Lager im Kreis Dithmarschen sicher vor terroristischen Angriffen ist. Vor allem kritisierten sie, dass die Risiken eines gezielten Absturzes eines großen Flugzeuges wie des Airbus A380 nicht geprüft worden seien, obwohl die Daten für das Großflugzeug vorgelegen hätten. Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) geht davon aus, dass eine neue Genehmigung allen Anforderungen des Gerichts Rechnung trägt. "Das gilt insbesondere für den Sicherheitsnachweis für den A380 und panzerbrechende Waffen", sagte Habeck.

Aktuelle Lösung ist nur geduldet

Habeck hatte nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts angeordnet, dass die in Brunsbüttel gelagerten Castoren wegen einer fehlenden Alternative bis 2018 bleiben dürfen. Bis dahin müsse der Betreiber Vattenfall eine Lösung finden. Der Antrag Vattenfalls umfasst nicht die Lagerung von Castorbehältern aus der Wiederaufbereitung von La Hague und Sellafield. Laut der Atomaufsicht in Kiel ist nicht auszuschließen, dass sich der Rückbau des Atommeilers verzögert. Der Abbau kann erst beginnen, wenn die 517 Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter entfernt und zwischengelagert sind. "Ein zügiges Verfahren für eine neue Genehmigung ist daher von hoher Bedeutung", sagte Habeck.

Castor-Frage bleibt vorerst offen

Neben den Schwierigkeiten bei der Suche nach Zwischenlagern fehlt in Deutschland auch nach wie vor ein Standort für ein mögliches Atommüll-Endlager. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) muss noch 26 deutsche Castorbehälter, die aus den Wiederaufbereitungsanlagen in England und Frankreich zurückkommen, irgendwo unterbringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.11.2015 | 12:00 Uhr