Stand: 02.12.2013 10:00 Uhr

100 Jahre Schwebefähre: Wahrzeichen der Region

Sie ist das besondere Anhängsel von Rendsburgs "eiserner Lady": die Schwebefähre an der Eisenbahnhochbrücke zwischen Rendsburg und Osterrönfeld. Sie bringt Radfahrer, Fußgänger und Autos in rund 90 Sekunden über den Nord-Ostsee-Kanal - und das seit 100 Jahren. Am 2. Dezember 1913 nahm die Fähre ihren Betrieb auf, die wie die 42 Meter hohe und 2.486 Meter lange Hochbrücke unter Denkmalschutz steht.

Eine Fahrt mit der Schwebefähre

Meist 17 Stunden pro Tag im Einsatz

Vom frühen Morgen bis in die Nacht fährt die Schwebefähre jede Stunde vier Mal hin und her - von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr abends (im Winter nur bis 22 Uhr). Dann kreuzt sie alle siebeneinhalb Minuten den Kanal. Die Fähre ist zwei Monate jünger als die Hochbrücke selbst. Zwar wurde die Fähre schon beim Bau mitgeplant, doch sie war etwas später fertig.

Schwebefähre schwebt nicht

Genau genommen schwebt die Fähre gar nicht: Zwölf Seile verbinden die Fähre mit einem beweglichen Stahlkonstrukt am Mittelteil der Hochbrücke, dem Fahrwagen. Der rollt, von einem Elektromotor angetrieben, hin und her, wenn die Fähre von einer Kanalseite zur anderen fahren soll. Die Gondel hängt dann etwa drei Meter über dem Wasser.

Wichtiges Verkehrsmittel für Schüler

Vor allem Schüler aus Osterrönfeld und der Umgebung nutzen die Fähre mit ihren Fahrrädern auf ihrem Schulweg nach Rendsburg. Doch auch bis zu sechs Autos können den Kanal auf diesem Weg queren. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes Kiel transportiert die Schwebefähre jeden Tag rund 520 Fahrzeuge und 1.700 Personen.

Schiffe auf dem Kanal haben Vorfahrt

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Wenn die Fähre auf der anderen Seite ist, können sich Fußgänger im Wartehäuschen unterstellen.

Der Vorteil dieses Gefährts: Eine Schwebefähre verbraucht relativ wenig Energie - etwa im Vergleich zu einer richtigen Fähre. Außerdem macht sie die Benutzer unabhängig vom Zustand des Kanals: Ob der nun vereist ist oder es dort eine starke Strömung gibt - die Fähre kann ihren Takt fahren. Der Maschinist muss nur auf die Schiffe achten, die den Kanal passieren, denn sie haben Vorfahrt. Weltweit gibt es nur noch acht aktive Schwebefähren, drei weitere sind umgebaut oder nicht mehr in Betrieb. Sie gelten als Meisterwerke der Ingenieurskunst.

Es gibt keine fertigen Ersatzteile

Allerdings ist die Konstruktion sehr wartungsaufwendig. So fällt die Rendsburger Schwebefähre regelmäßig länger aus, weil sie überholt werden muss. Zuletzt haben Arbeiter in den Sommerferien einige Wochen lang unter anderem Bremsen ausgetauscht und Halteseile erneuert. Alle zwei Jahre gibt es die Zwangspausen für den Fährbetrieb. Sie können wenige Tage dauern oder mehrere Wochen, so wie in diesem Jahr. Die Eigenarten der Fähre machen Reparaturarbeiten auch etwas komplizierter: "Es gibt keine Ersatzteile in irgendeinem Regal", erklärte Markus Schulte vom Wasser- und Schiffahrtsamt. Die verbauten Teile stammen zum großen Teil aus der Kaiserzeit. "Wenn etwas kaputt ist, dann müssen die Ersatzteilen angefertigt werden", so Schulte. Dennoch hat die Schwebefähre viele Fans. Sie ist eine Attraktion und steht in vielen Reiseführern für Schleswig-Holstein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.12.2013 | 10:00 Uhr

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