Stand: 07.10.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Griesert feiert Wahlsieg am Geburtstag

von Kerstin Staben, NDR.de
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Setzen will er sich erst am Donnerstag: Griesert vor dem Stuhl des Oberbürgermeisters.

Er ist gelernter Architekt, verheiratet, hat drei Kinder und ist seit Sonntag 56 Jahre alt. Ausgerechnet an seinem Geburtstag ging der wohl größte Wunsch von Wolfgang Griesert in Erfüllung: Er siegte im Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters. Nach 22 Jahren steht mit ihm wieder ein CDU-Mann an der Spitze des Rathauses. Die Erleichterung war Griesert anzusehen, als er am Sonntag unter tosendem Applaus die CDU Wahlparty betrat. Er hatte in den vergangenen Wochen alles dafür gegeben, sein Ziel zu erreichen: Der ehemalige Stadtbaurat machte mehr als 10.000 Hausbesuche, etliche Postings bei Facebook, führte Gespräche auf der Straße. Griesert wollte gewinnen - und hat es am Ende mit 54,9 Prozent der Stimmen geschafft. Anders als noch 2006. Damals unterlag er in der Stichwahl dem jetzigen Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius (SPD). Wohl auch deshalb war ihm deutlich anzumerken, dass eine große Last von seinen Schultern fiel.

Griesert will keine Kehrtwende

In seinem Wahlkampf beschränkte sich der neue OB im Wesentlichen auf drei Schlagworte: Kinder, Klima, Stadtkultur. Konkret will er sich unter anderem für den Krippenausbau in der Stadt stark machen. Außerdem seien ihm Konversionsfragen wichtig, also die Umwandlung von ehemaligen Militärflächen in zivile. Und er wolle sich um die finanzielle Schieflage des Osnabrücker Klinikums kümmern, betonte er am Montag im Rathaus. Grundsätzlich möchte Griesert aber die Linie der SPD-Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip und Pistorius fortsetzen. Es müsse keine grundsätzliche Kehrtwende geben, so der 56-Jährige.

Kopf um Kopf: Die Ergebnisse der Stichwahlen

Am Montag bereits auf Schnuppertour

Am Donnerstag wird Wolfgang Griesert offiziell der Mann an der Spitze der Stadt Osnabrück. Dann wird der Wahlausschuss das Ergebnis der Stichwahl bestätigen. Eine erste Schnuppertour gab es bereits am Montag: Der künftige Oberbürgermeister betrat das Rathaus und erkundete sein künftiges Büro. Das kennt er zwar aus seiner Zeit als Stadtbaurat schon gut, aber eben aus anderer Perspektive. Auf den Chefsessel setzen wollte sich Griesert allerdings noch nicht. Das will er erst Donnerstag oder Freitag machen. Wenn wirklich alles ganz offiziell ist.

Osnabrücker wollen Lösungen für Neumarkt und Güterbahnhof

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Griesert will die Linie seiner Vorgänger im Amt des Oberbürgermeisters fortsetzen.

Personalgespräche, Verwaltungsentscheidungen - die ersten Wochen werden für Griesert Wochen der Orientierung. Doch schon jetzt betont er: Er wolle ein bürgernahes Stadtoberhaupt werden. So soll es in Zukunft beispielsweise eine regelmäßige Bürgersprechstunde geben. Auf Wunsch der Osnabrücker voraussichtlich sonnabends. Die Erwartungen an den künftigen Oberbürgermeister halten sich einen Tag nach der Stichwahl noch in Grenzen. Viele Bürger wollen abwarten, sich seine Arbeit erst einmal ansehen. Was die Osnabrücker auf lokaler Ebene vor allem interessiert sind zwei Themen: Die Nutzung des Güterbahnhofsgeländes und ein mögliches Einkaufszentrum am Verkehrsknotenpunkt Neumarkt.

Erste weibliche OB-Kandidatin in Osnabrück

Birgit Bornemann (SPD), die als Kandidatin für SPD und Grüne angetreten war, vereinte am Sonntag 45,2 Prozent der Stimmen auf sich. Griesert hatte bereits bei der Direktwahl am 22. September mit 46,5 Prozent deutlich mehr Stimmen geholt als Bornemann, die auf 33,6 Prozent kam. Bornemann war die erste weibliche OB-Kandidatin in Osnabrück seit mehr als 20 Jahren. Als Geschäftsführerin des Studentenwerks startete sie eine Kampagne, um Haus- und Wohnungsbesitzer zu ermuntern, zum Beginn des Wintersemesters Zimmer zur Untermiete anzubieten.

Sechs Kandidaten standen ursprünglich zur Wahl

Die Auswahl vor der Stichwahl in Osnabrück war groß und vielfältig, weil sich SPD und Grüne sowie CDU und FDP nicht auf gemeinsame Kandidaten einigen konnten. Die Grünen setzten am 22. September auf Rechtsanwalt Thomas Klein (11,9 Prozent) und die FDP auf dessen Kollegen Robert Seidler (2,2 Prozent). Kabarettist Kalla Wefel und Schlagersänger Christian Steiffen (beide parteilos) hatten es ebenfalls auf den Stimmzettel geschafft; sie holten 2,5 beziehungsweise 3,3 Prozent der Stimmen.

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