Stand: 17.03.2016 20:51 Uhr

Flüchtlinge wollen Cricket-Mannschaft gründen

von Claus Halstrup

Sie kommen aus Pakistan, Indien oder Bangladesch. Länder, in denen Cricket Volkssport ist - mit Spielen vor 80.000 Zuschauern, Nationalmannschaften und Weltmeisterschafen. Jetzt leben sie in Osnabrück und erleben ihren Sport lediglich im Fernsehen oder locker gespielt auf der Wiese, denn einen Cricketplatz gibt es nicht. Rund 80 Flüchtlinge und Migranten wollen nun genau das ändern und eine liga-taugliche Mannschaft auf die Beine stellen.

TSV Osnabrück führt Cricket ein

"Das Spiel ist einfach fantastisch"

Helfer und Ideengeber ist der Ehrenamtslotse Bernhard Sielski. Der ehemalige Sport-Physiotherapeut ist die graue Eminenz des Projektes, für das er brennt, durch das er aber auch viele organisatorische Hürden auf sich zukommen sieht. "Klar, dass ich das als Deutscher sage, aber den Jungs fehlt ein verlässliches Zeitmanagement. Aber diese Freude in ihren Augen und am Spiel ist einfach fantastisch", sagt er - halb hilflos, halb amüsiert.

Verein will extra Abteilung gründen

Nun konnte Sielski den Spielern am Donnerstag mit dem TSV Osnabrück einen Verein vorstellen, der bereit ist, extra eine Abteilung für den Cricketsport zu gründen. Der erste Vorsitzende Dirk Koentopp jedenfalls scheut die Aufgabe nicht: "Für uns ist das total spannend. Wir bieten den jungen Leuten die Möglichkeit, ihren für uns vollkommen fremden Sport auszuleben. Und sicher können auch wir von ihnen lernen - und wenn es ihre große Gelassenheit ist", amüsiert sich Koentopp.

Wer aufsteigt, spielt gleich in der Bundesliga

Unterstützung sagte am Donnerstag auch der Geschäftsführer des Deutschen Cricket Bundes, Brian Mantle, zu und verwies dabei auf die eigentlich lange, dann aber eingeschlafene Tradition der Sportart in Deutschland: "Ende des 19. Jahrhunderts war Cricket fast populärer als Fußball. So wurde 1890 als Vorläufer des DFB der Deutsche Fußball- und Cricket Bund geründet." Wenn alles glatt läuft, könnte schon bald ein regelmäßiger und organisierter Spielbetrieb beginnen. Und wer beim Cricket aus der untersten Liga nur einmal aufsteigt, spielt immerhin schon in der Bundesliga. Eine große Chance für die Osnabrücker um Trainer Raees Ahmad. Schließlich bringen er und seine Mannschaft einen großen Erfahrungsschatz aus ihrer Heimat mit.